Nachträgliche Bemerkungen

GA 44/14 · original · 4 passages · 949 words
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Nur einige Gedanken möchte ich hier anfügen. Sie ergeben sich mir nach der Vollendung des Seelengemäldes «Der Seelen Erwachen». Bei der Konzeption und der Ausarbeitung des Gemäldes spielten sie keine Rolle. Da wurden die Bilder hingenommen, wie sie an mich herankamen. Die geistige Wirklichkeit, die nachgebildet ist, stellt sich mit derselben Notwendigkeit vor die Seele hin, wie die Dinge in der physischen Wahrnehmung. Sie bringt außerdem noch ihre innere Disposition und Komposition mit sich. Ich hätte an dem, was sich vor die Seele stellte, nichts ändern können. Und wenn ich es versucht hätte, wäre das, was sich ausdrücken wollte, sicherlich nicht besser geworden.

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An die früher veröffentlichten Seelengemälde: «Die Pforte der Einweihung», «Die Prüfung der Seele», «Der Hüter der Schwelle» schließt sich dieses an. Was in «Der Seelen Erwachen» vorgeht, spielt sich etwa ein bis zwei Jahre nach den Vorgängen des «Hüters der Schwelle» ab. Im «Erwachen» scheint mir ein besonders wichtiger Punkt in der Seelenentwickelung der in Betracht kommenden Personen erreicht. Die Vorgänge in der «Pforte der Einweihung» sind, insoferne sie als Seelenvorgänge sich auf die geistige Welt beziehen, durchaus innere Seelenerlebnisse des Johannes Thomasius. Die in dem Gemälde vorkommenden Vorgänge der physischen Welt sind nur solche, welche mit jenen inneren Seelenerlebnissen zusammenhängen. Nichts ist von solchen äußeren Vorgängen gezeichnet, was nicht in den inneren Seelenvorgängen des Johannes Thomasius seine geistige Fortsetzung findet. Johannes ist am Ende der «Pforte der Einweihung» auf seinem Seelenwege so weit, daß ihm von den drei Stufen des geistig-seelischen Wirklichkeitserlebens, die erste, die Welt der realen Imagination in ihrer Wesenheit und in ihrem Verhältnisse zur geistigen Wirklichkeit durchschaubar ist.

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So wenig als an irgend einer anderen Stelle dieser Seelengemälde bloße Symbole oder Allegorien gemeint sind, so wenig ist dies mit der Darstellung des Tempelvorgangs am Ende der «Pforte der Einweihung» der Fall. Symbolik oder Allegorie mag derjenige in diesen Darstellungen sehen, der mit dem Wesen der realen geistigen Welt nicht vertraut ist. In solchen Bildern, wie das Tempelbild am Ende der «Pforte der Einweihung» eines ist, fassen sich für die Seelenschau die in der geistigen Welt wirksamen Kräfte zusammen, deren Ausdruck in der Sinnenwelt solche Vorgänge sind, wie sie in den andern Bildern der «Pforte der Einweihung » gegeben sind. Gewiß ist das Bild des Tempels, so wie es sich darstellt, nicht als solches die in Betracht kommende Realität; doch gibt es die Art, wie in der Vorstellung der in der physischen Welt lebenden Seele diese Realität sich selbst zum Erlebnis gestalten muß. In der «Prüfung der Seele» sind die geistig-seelischen Vorgänge von dem Innern des Johannes Thomasius schon losgelöst. Er lebt nicht mehr bloß in dem, was ihm subjektiv bleibt; er ist in Lebensvorgänge hineingestellt, deren geistige Faktoren und Zusammenhänge er miterlebt. — Es ist aber durchaus nicht gemeint, daß die seelischen Erlebnisse in der «Pforte der Einweihung», welche z. B. die Maria erlebt, nicht für diese wirkliche Seelenerlebnisse seien. Nur sind sie gegenüber denen des Johannes in der Seele Marias für sich bestehend. In der «Prüfung der Seele» beginnt das eigentliche Mit=einander=Erleben der geistigen Welt. Alles, was sich dann abspielt, wie z. B. die Rück-Versetzung in die vorige Inkarnation (des vierzehnten Jahrhunderts), ist auf Grund der höheren seelischen Entwickelung möglich, in welche die Personen in der Zeit eingetreten sind, welche zwischen der «Pforte der Einweihung» und der «Prüfung der Seele» liegt. —

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Johannes Thomasius ist am Ende der «Prüfung der Seele» auf einem Punkte, in welchem ihm die geistige Welt Realität ist, in dem er aber auch als Persönlichkeit innerhalb des Geistes sich frei behaupten will. Das Gesunde seiner Wesenheit will sich da in sich selbst erfühlen und alle sentimentalen Schlacken, die so leicht sich in der Hingabe an die geistige Welt ergeben, von sich werfen. —In der langen Zeit, welche dann vergeht bis zu den Vorgängen des «Hüters der Schwelle» widmet er sich einer Arbeit, die aus der gesunden Grundlage seines Wesens und auch aus seinem gesunden Verhältnis zur geistigen Welt erwächst. Daß er dann, nach Abschluß dieser Arbeit dem Mystenbunde des «Hüters der Schwelle» so gegenübertritt, wie es in diesem Seelengemälde geschildert ist, kommt daher, daß er während der Arbeit an seinem Werke sich zu einem Gesichtspunkte durchgerungen hat, der ihm einen freien Überblick gestattet über den objektiven Wert einer solchen Arbeit, wie er sie geleistet hat. Eben während der Arbeit konnte ihm aufgehen, wie sich eine solche Geistesschöpfung in das Gewebe der wirklichen geistigen Welt hineinstellt. Dabei tritt vor seine Seele eine Aufklärung darüber, wie solche Schöpfungen, welche man leicht als ganz objektive hinnimmt, doch mit der Persönlichkeit und ihrer subjektiven Weltstellung zusammenhängen. Es tritt da an Johannes Thomasius etwas heran, was so lange kalt lassen kann, als man es theoretisch betrachtet, was aber ein ernstes Antlitz gewinnt, so bald es zum Seelen-Erlebnis wird: der Zusammenhang dessen, was der Mensch als ganz von seinem Persönlichen losgelöst glauben kann, mit diesem Persönlichen und seinem Schicksal. Die Worte, welche Johannes vor dem Mystenbunde im «Hüter der Schwelle» spricht: «Daß dieses Werk von einem andern Menschen und nicht von mir verrichtet werden mußte » können zu einer ernsten inneren Seelen-Tragik werden, wenn sie Seelen-Erlebnis sind. — Diese Tragik hängt dann zusammen mit einem Hervortreten des persönlichen Erlebens. Das letztere stellt sich naturgemäß für verschiedene Personen verschieden dar. Für Johannes scheint es sich mir aus allen seinen Anlagen zu ergeben, daß es die Form annimmt, in welcher es in das dritte, vierte und fünfte Bild des «Hüters der Schwelle» hineinspielt. In Verbindung mit diesen «Verirrungen» seiner Seele, welche Kontrastwirkungen zu sei-nem errungenen Erkenntnisstandpunkte darstellen, bildet sich in seinen Seelen-Untergründen die Möglichkeit aus, in seiner Art zu jener realen Selbsterkenntnis zu kommen, welche sich in den Erlebnissen des siebenten und achten Bildes des «Hüters der Schwelle» für ihn ergibt. Diese Selbsterkenntnis ist ...

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Cite: GA 44/14 · edition original