Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1911-01-17

GA 266b/1911-01-17 · 1911-01-17 · original · 8 passages · 1999 words
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern» (Participants' records written from memory). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.
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## GA 266/2 — 1911-01-17, Berlin

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Berlin, 17. Januar 1911 Aufzeichnung Α In unserer Meditation haben wir sozusagen die Technik unseres esoterischen Lebens gegeben. Diese besteht darin, daß man Gedanken auf sich wirken läßt und durch diese Empfindungen und Gefühle erweckt, die nicht dem physischen Plan entnommen sind. Alle Gedanken sind zweierlei Art: solche, die durch die Wahrnehmung des physischen Planes in uns wachgerufen werden, und solche, wie sie die Theosophie uns gibt. Alles in der physischen Welt ist Maja, auch unser physischer Leib. Wodurch ist dieser eigentlich da, wodurch bestehen Pflanzen, Tiere, Steine um uns herum? Indem höhere Wesenheiten einen Gedanken gefaßt haben, Millionen und aber Millionen Jahre her, und dann diesen Gedanken immer wieder und wieder gedacht haben. Bei diesen Dingen geht es so, wie das Sprichwort sagt: Steter Tropfen höhlt den Stein. - Die gleichen Gedanken decken sich und bilden zuletzt die physischen Gegenstände. Je härter der Stein ist, desto länger ist an ihm «gedacht». Auch unser physischer Leib ist nichts anderes als der Gedanke vielerlei höherer Wesen. Wenn wir nur die gewöhnlichen Gedanken des physischen Planes denken, dann ist das eigentlich kein Gedanke, sondern das Spiegelbild, die Illusion eines Gedankens. Denn alles, was von der physischen Welt ist, ist schon vor sehr langer Zeit gedacht worden, und wir tun nichts anderes als jene Gedanken wiederholen - und dann noch in unrichtiger Art. Wenn jemand zum Beispiel eine Glocke lauten hört, dann ist nicht der Ton etwas Wirkliches, sondern es ist so: Vor Jahrmillionen ist dasjenige gedacht worden, was zu der Glocke geworden ist, und auch das, was zu unserem Gehirn geworden ist, und das Aneinanderschlagen dieser beiden gibt den Ton, den wir hören. Alle physischen Gedanken sind unfruchtbar und wirken im weiteren Verlauf zerstörend. Sie bringen unseren Astralleib in eine bestimmte Schwingung, aber die war ja schon von den höheren Wesenheiten da hineingelegt. Wer also niemals unsinnlich denkt, bringt niemals neue Gestaltungen in den Astralleib. Das, was im Astralleib vorgeht, wirkt zurück auf den Ätherleib, aber der Ätherleib ist gerade so veranlagt, daß er darauf gestimmt ist, neue Gedanken und Formen in sich aufzunehmen. Die alten Formen wirken zerstörend auf ihn ein und von da aus auch auf die physischen Stränge unseres Nervensystems. Das muß dann im Schlafe alles wieder hergestellt werden. Der Astralleib wird dann zeitweilig in die höheren Hierarchien eingeschaltet und bekommt dadurch Kräfte; der Ätherleib ist vom Astralleib getrennt und wird dadurch regeneriert. Der Mensch könnte ohne den Schlaf ja nicht lange leben. Die nicht-sinnlichen Gedanken aber wirken befruchtend und aufbauend. Durch sie reiht der Mensch sich bei den Hierarchien ein. Im Astralleib bilden sie neue Formen, die Lotosblumen. Daher ist es notwendig, eine Meditation zu hunderten Malen zu wiederholen. Die Vorstellungen, die wir uns von den theosophischen Lehren machen - denn auch das Denken darüber ist Meditation -, werden zuerst nicht ganz sinnlichkeitsfrei sein. Zum Beispiel wenn man sagt, daß der Saturn eine Wärmekugel ist, daß im Devachan die Sphärenharmonie erklingt, dann wird man sich das erst unter sinnlichen Bildern vorstellen: wie die Wärme in unserem Blut, wie eine schöne Symphonie und dergleichen. Aber indem der Gedanke fortwährend wiederholt wird, fällt das Sinnliche, das noch an ihm haftet, von selbst ab, und das Übersinnliche bleibt bestehen. Die am meisten sinnlichkeitsfreien Gedanken in der Welt sind noch die mathematischen; aber sogar wenn der heutige Mensch ein Dreieck denkt, denkt er es sich mit Farbe und einer gewissen Dicke, nicht abstrakt genug. Man kommt aber den übersinnlichen Gedanken schon näher, wenn man auf Verhältnisse achtgibt. Einen Ton sich erinnern, ist noch die Erinnerung an etwas Sinnliches; eine Melodie sich erinnern, ist schon mehr etwas, das

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in einem Verhältnis von Tönen zueinander besteht, was als solches nicht zu der sinnlichen Welt gehört. Oder man stelle sich einen Bösewicht vor und daneben einen anderen - oder auch zwei gute Menschen -, und der eine [Bösewicht] sei ein noch größerer Bösewicht als der andere, oder der eine Gute sei großer im Guten als der andere: dann liegt in diesem Verhältnis etwas, was nicht von der physisch-sinnlichen Welt ist, etwas, was uns hinaufführt in die geistige Welt. Wenn der Mensch an einen Bösewicht denkt oder einen sieht, dann wird es ihn unangenehm berühren; aber wenn er in einem Schauspiel zwei Bösewichter nebeneinander sieht, dann wird der ärgste Bösewicht immer besser gefallen als der weniger Schlimme, weil das Große immer anzieht. Darauf beruht zum Beispiel die Wirkung von verschiedenen Shakespeareschen Dramen. - Daher ist es so wichtig, daß wir die Verhältnisse in der Außenwelt beobachten und studieren, denn das führt uns vom Sinnlichen ab. Ein anderes Mittel, sinnlichkeitsfrei [im Denken] zu werden, besteht darin, daß man Prozesse umgekehrt ablaufen läßt, zum Beispiel das Vaterunser rückwärts aufsagt oder die umgekehrte Rückschau unserer Meditation.* Nur auf diese Weise kann der Mensch sein Gedächtnis verbessern. In den letzten vier bis fünf Jahrhunderten ist das Gedächtnis enorm zurückgegangen, und es wird das noch viel mehr in Zukunft der Fall sein, wenn die Menschen nicht die Gelegenheiten, die jetzt geboten werden, ergreifen werden, es zu verbessern. Die Zeit ist für diese Gelegenheiten jetzt besonders günstig, und später werden sie einfach nicht mehr da sein. Das Gedächtnis wird dann etwas anderes werden als das bloße Warten, ob die Dinge aus einem dunklen Grunde auftauchen wollen. Es wird sein wie ein Hintasten nach der Vergangenheit, wie gewissermaßen das Aussenden von Fühlern, die nach dem Vergangenen wie nach etwas Wirklichem greifen werden. Für diese Entwicklung und für die esoterische Entwicklung überhaupt ist die Zeit jetzt besonders günstig. _____________ * Gemeint ist die abendliche Rückschau auf das Tagesleben in umgekehrter Reihenfolge, von hinten nach vorn.

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Aufzeichnung B Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Hierarchien haben periodisch immer wieder denselben Gedanken festgehalten respektive denselben Gedanken weiter ausgearbeitet und wirkten dadurch schöpferisch. So sind unsere ganzen Körper und wir selbst durch Denken geschaffen - eigentlich selbst nur Gedanken. Das Denken über das Vorhandene ist nicht schöpferisch, sondern zerstörend für unsere Nerven, auch für den Ätherleib, das eigentliche Organ für die fortschreitende Entwicklung. In diesen hinein [geht] die störende Wirkung des Astralleibes über Tag. Der physische und der Ätherleib müssen in der Nacht - befreit vom Astralleib (Gedanken) - schöpferisch wieder hergestellt werden, ebenso der Astralleib selbst. Nur wenn wir Übersinnliches denken, wirken wir selbst als Menschen-Hierarchie schöpferisch, schaffen durch hundert- und tausendfache Wiederholung die Lotusblumen. Dann wirken wir auch in den Ätherleib im Sinne der hohen Hierarchien hinein. Wenn auch die Meditationsbilder dem Sinnlichen entnommen sind, so streifen sie durch stete Wiederholung und dadurch Vertiefung das Sinnliche ab. Auch schon die Relation zwischen sinnlichen Dingen und zwischen guten und schlechten Menschen, selbst das Umdrehen der Zeitfolge bei der Rückschau des Abends verhilft zum sinnlichkeitsfreien Denken.

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* So zeigt es sich, wie unser Leib eine Maja ist, Gedanken von Wesenheiten, die selber wieder Gedanken sind. Der Gedanke denkt den Gedanken, das ist ein Meditationssatz von höchster Bedeutung. Nicht unser Gehirn denkt, nicht unser Äther- oder Astralleib, sondern Gedanke selber denkt Gedanken. Das ist es auch, was aus unserem Spruche klar hervorgeht: Im Geiste lag der Keim meines Leibes ... Vertiefen in: Aufzeichnung C Die Hierarchien haben periodisch immer wieder denselben Gedanken festgehalten (dauernde Gedanken, die befestigen das, was in schwankender Erscheinung lebt), sie arbeiten denselben Gedanken immer weiter aus. Dadurch wirken sie schöpferisch. So sind unsere verschiedenen Körper und unser in diesem Körper wohnendes Geistig-Seelisches durch dies Götterdenken geschaffen - eigentlich selbst nur Gedanken der Götter. Unser Denken, das wir mit Hilfe des Gehirns vollziehen, ist nicht schöpferisch, sondern zerstörend, sowohl für unsere Nerven, als auch für unseren Ätherleib. Dieser ist das eigentliche Organ für die fortschreitende Entwicklung. Während des Tages wird er durch die zerstörende Wirkung des Astralleibes beschädigt, es muß während der Nacht physischer und Ätherleib befreit werden von diesem Zerstörenden des Astralleibes und durch die schöpferischen Gedanken wieder hergestellt werden. Ebenso der Astralleib selbst. - Nur wenn wir als Menschen-Hierarchie uns fühlen, d.h. Weltgedanken denken, wirken wir selbst nicht zerstörend, sondern schöpferisch. Wir schaffen durch tausendfache Wiederholung von solchen Weltgedanken - Inhalten, wie sie uns in der Meditation gegeben werden - zunächst die Lotosblumen. Da wirken wir auch in den Ätherleib hinein im Sinne der Hierarchien. Die Bilder und Worte des Meditationsinhaltes sind wohl dem Sinnlichen entnommen, doch durch die stete Wiederholung und Vertiefung, die in das hinter

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* Der Gedanke denkt den Gedanken. Wir sollen die jetzige Zeitperiode zum Emporsteigen benützen; nicht immer bietet die Zeit solche Gelegenheit. dem Wort und Bild verborgene Wesenhafte hineindringt, streifen Wort und Bild das Sinnliche ab. Und wenn man so weit vordringt, in dem Wesenhaften zu ruhen, das in der Tiefe von Wort und Bild verborgen ist, dann kommt man durch die Meditation hinein in eine andere Welt. Ein Sich-Vertiefen in den Gedanken: Der Gedanke denkt den Gedanken verhilft dazu. Erkenntnis wird immer als Licht angesprochen; Weisheit unter einer Art von flüssigem Element, dem Wasser (okkult). Ergänzende Hinzufügung durch die Herausgeber: Was unter dem letzten Satz: «Weisheit unter einer Art von flüssigem Element, dem Wasser (okkult)» zu verstehen ist, findet sich etwas ausführlicher dargestellt in Notizen vom Vortrag am 24. Mai 1905 in Berlin (GA 323a). Darin heißt es: «Derjenige, welcher eine wirkliche Anschauung des vierdimensionalen Raumes sich erwerben will, muß ganz bestimmte Anschauungsübungen machen. Er bildet sich zunächst eine ganz klare, vertiefte Anschauung vom Wasser. Eine solche Anschauung ist nicht so ohne weiteres zu bekommen, man muß sich sehr genau in die Natur des Wassers vertiefen; man muß sozusagen hineinkriechen in das Wasser. Das zweite ist, daß man sich eine Anschauung von der Natur des Lichtes verschafft; das Licht ist etwas, was der Mensch zwar kennt, aber nur so, daß er es von außen empfängt; durch das Meditieren kann er das innere Gegenbild des Lichtes bekommen, wissen, woher Licht entsteht, und daher selbst Licht hervorbringen. Das kann derjenige, der reine Begriffe wirklich meditativ auf seine Seele wirken läßt, der ein sinnlichkeitsfreies Denken hat. Dann geht ihm die ganze Umwelt als flutendes Licht auf, und nun muß er gleichsam chemisch die Vorstellung, die er sich vom Wasser gebildet hat, mit der des Lichtes verbinden. Dieses von Licht ganz durchdrungene Wasser ist ein Körper, der von den Alchemisten <Merkurius>

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* genannt wurde. Das alchemistische Merkur ist aber nicht das gewöhnliche Quecksilber. Erst muß man in sich die Fähigkeit erwecken, aus dem Begriff des Lichtes Merkurius zu erzeugen. Merkurius, lichtdurchdrungene Wasserkraft ist dasjenige, in dessen Besitz man sich dann versetzt. Das ist das eine Element der astralen Welt. Das zweite entsteht dadurch, daß Sie sich ebenso eine anschauliche Vorstellung von der Luft machen, dann die Kraft der Luft durch einen geistigen Vorgang heraussaugen, sie mit dem Gefühl in sich verbinden, und Sie entzünden so den Begriff <Wärme>, <Feuer>, dann bekommen Sie <Feuerluft>. Also das eine Element wird herausgesogen, das andere wird von Ihnen selbst erzeugt. Dieses: Luft und Feuer nannten die Alchemisten <Schwefel>, Sulfur, leuchtende Feuerluft. Im wäßrigen Elemente, da haben Sie in Wahrheit jene Materie, von der es heißt, <und der Geist Gottes schwebte über den Wassern».

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Damit in Zusammenhang dürfte stehen, daß unter den Angehörigen der Esoterischen Schule ein «Rosenkreuzer-Wasserspruch» zirkulierte. Der Wortlaut ist entnommen der Rosenkreuzerschrift «Geheime Figuren der Rosenkreuzer aus dem 16ten und 17ten Jahrhundert», Altona 1785, Nachdruck Berlin 1919 (der Spruch trägt dort die Überschrift «Aqua Philosophorum h.e. Mercurius Primatenalis Catholicus»). Faksimile der handschriftlichen Abschrift Rudolf Steiners (NZ Archiv-Nr. 3019) siehe S.140: Wasser ist Wasser und bleibet Wasser. Vom Himmel der Weisen regnet Wasser Der Weisen Stein weinet Thränen-Wasser Dennoch achtet die Welt nicht solch ein Wasser, Ihr Feuer brennet im Wasser Und lebet im Wasser Mach aus Feuer Wasser Und koche das Feuer im Wasser So wird ein feurig Wasser Wie ein scharf gesalzen Meer-Wasser Ist deinen Kindern ein lebendig Wasser! Verzehrt doch Leib und Seel zu Wasser - Wird stinkend, grün, faul, blau wie Himmel-Wasser Digerir, calcinir, solvir und putreficier das Wasser; Such der Philosophen vierfach bleibend Wasser, Und wenn es am besten gemacht ist, Wird die Kunst zu Wasser. Vgl. hierzu auch die esoterische Stunde vom 14. März 1908 über den «Rosenkreuzer-Feuerspruch» (GA 266/1, S. 340-361 und 589f.).

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