Vierter Vortrag

GA 316/1924-04-24 · 1924-04-24 · original · 23 passages · 5256 words
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.
p001

## GA 316 — 24 April 1924, Dornach

p002

### Vierter Vortrag

p003

Meine lieben Freunde!

p004

Ich habe mir zunächst gedacht, daß wir das Begonnene dadurch fortsetzen, daß wir einiges von dem, was ich gestern angeschlagen habe, nach einer andern Seite hin ergänzen, vielleicht werden sich gerade dadurch die Fragen, die Sie gestellt haben und von denen mir Frau Dr. Wegman gesprochen hat, in der entsprechenden Weise formulieren können.

p005

Sehen Sie, Sie wachsen hinein durch Ihre allgemeine menschliche Schicksalslage in das Medizinische, in den Heilerberuf. Sie finden vor eine gewisse Strömung, die im Heilberuf heute drinnen ist und in die Sie eigentlich so hineinwachsen, daß Sie eine innerliche Gemütsopposition dagegen mit vollem Rechte verspüren. Nun müssen Sie bedenken, daß die oft objektive Gründe hat, und die werden sich Ihnen ergeben, wenn Sie immer mehr verstehen werden, daß die heutige medizinische Strömung eigentlich in einem gewissen Sinne sogar ein Fremdkörper in vielem ist, was in der europäischen, in der abendländischen Zivilisation überhaupt drinnen lebt. Man sieht diese Sache dann erst ganz ein, wenn man weiß, daß unsere Naturwissenschaft und vieles auch von dem Streben in der neueren Geistesentwickelung dadurch zustande gekommen ist, daß maßgebendste Persönlichkeiten für den medizinisch-naturwissenschaftlichen Fortgang unseres Geisteslebens wiederverkörperte Individualitäten aus der arabischmohammedanischen Kultur waren. Diese Dinge sind hier am Goetheanum in der letzten Zeit ja viel behandelt worden und sind auch sonst angeschlossen an dasjenige, was jetzt durch die anthroposophische Bewegung geht, aber sie sind auch für den Mediziner durchaus von großer Bedeutung. Ich habe schon an verschiedenen Orten gesagt, wie wir genötigt sind, den Blick hinzuwenden auf diejenige Geistesstätte, die in derselben Zeit geblüht hat, wo in Europa auf primitive Weise sozusagen geistiges Leben geherrscht hat unter Karl dem Großen. Da blühte drüben im Orient die geistige Kultur, die zusammengehalten wurde von Harun al Raschid. Er hatte eigentlich viele der damaligen Weisen, unter denen auch viele Mediziner der damaligen Zeit waren, an seinem Hofe gehabt. Und Sie merken, wir berühren ja, indem wir so etwas auseinandersetzen, schon die Zeit, in der das Christentum gewirkt hat Jahrhunderte hindurch. Nun, das Christentum selbst ist als etwas in die Welt getreten, das erst langsam und allmählich verstanden werden kann, und es ist eigentlich für ein äußeres Anschauen, nicht für ein inneres, sehr merkwürdig, wie die tiefen Seiten des Christentums eigentlich gar nicht bisher von den Menschen durchdrungen worden sind. Das Christentum kam als eine objektive Tatsache in die Welt, und die menschlichen Fähigkeiten, die Aufnahmefähigkeiten waren nicht stark genug, um das, was eigentlich im Christentum liegt, nach allen Seiten auszubilden. Daher ist der objektive Gang so, daß überall im Unterbewußtsein das Christentum lebt, aber der Mensch seit drei bis vier Jahrhunderten dieses Christentum vollständig verdarb. Die Menschen verdarben das Christentum durch das, was sie wissen, was im Intellekt, im Bewußtsein sitzt. Wir haben jetzt außerdem die schauderhaft dilettantischen Einrichtungen, die in der letzten Zeit mit den Universitäten getrieben worden sind. Es gab früher traditionell vier Fakultäten: die Philosophie, Theologie, Jurisprudenz und Medizin. Was dann noch angereiht worden ist, ist eigentlich nur auf Grundlage des äußersten finstersten Mißverständnisses geschehen. Denn eine staatswissenschaftliche Fakultät, eine nationalökonomische Fakultät stammen aus Gedanken, die gar nichts mehr wußten von dem, um was es sich handelte. Das, was nicht verstanden worden ist, dessen Verstehen heute vollständig verdunkelt worden ist, das ist, daß durch Christus ausgesandt worden sind zunächst vier, um das Christentum der Welt zu verkünden: der Theologe Matthäus, der Jurist Markus, der Arzt Lukas und der Philosoph Johannes. In diesem Zusammenhang, der etwas ganz Tiefes ist, wurzelt, was einmal heraufkommen muß. Es sind die Dinge nur in den Keimen vorhanden, blühen und Früchte tragen müssen sie noch. Das, was tief wurzelt im Geistesleben, das ist, daß die Evangelien nicht übereinstimmen können dem Wortlaute nach, weil das eine vom Standpunkte des Theologen, das andere vom Standpunkt des Philosophen, das dritte vom Standpunkt des Juristen und das vierte vom Standpunkt des Arztes geschrieben ist. Das ist etwas, was durchaus verstanden werden muß; und weil das Lukas-Evangelium überhaupt noch nicht in Wirklichkeit als eine innere Anweisung für den Heilerwillen genommen worden ist — es ist die Sache nicht verstanden worden -, deshalb ist es gekommen, daß eigentlich innerhalb unserer heutigen Denkweise gar nicht ein christlicher Heilerwille lebt, sondern jener Heilerwille, der sich hineinversenkt hat in die Geisteskultur durch den Arabismus, der ja das Christentum wie mit einer Zange umfaßt hat. Es ist sehr interessant, nicht wahr! Das Christentum, das in Asien entstanden ist, nimmt seinen Weg herüber nach Europa, breitet sich in Europa aus. Aber nun sehen Sie sich einmal an den Hof des Harun al Raschid, wo alte Medizin lebte, da lebte in der menschenkundlichen Auffassung eigentlich das alte Mysterienwesen; dies war in der Tradition noch vorhanden. Da lebten nun zwei Menschen; Harun al Raschid selber, der die ganze Sache organisierte, diese riesige Geistesakademie, die unter seinem Einflusse wächst; da lebte ein anderer, der in früheren Zeiten ein Eingeweihter war; in der Zeit kam die Einweihung nicht heraus. Harun al Raschid kam wieder als Lord Bacon, Baco von Verulam. Mit einer durchaus im Arabismus drinnenstehenden Denkweise erneuerte er das naturwissenschaftliche Denken vom Westen herüber. Während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt nahm die Seele diesen Weg (es wird gezeichnet). Wenn Sie Baco von Verulam studieren würden, würden Sie sehen, wieviel gerade dadurch in die Medizin hereingekommen ist, Sie würden staunend dastehen. Auf der andern Seite hat sich der andere, der Eingeweihte, verkörpert in der Seele des Amos Comenius. Wir sehen, ein nach dem Geiste hinstrebendes Leben war da in Comenius, aber er hat das alles nach intellektuellen Anschauungen getrieben. So sehen wir auch, wie der Arabismus in einer andern Persönlichkeit, die nicht gerade zur selben Zeit wie Harun al Raschid gelebt hat, aber in der Schlacht von Jeres de la Frontera eine Rolle gespielt hat, als Darwin wiederkommt. Und so sind alle in der Naturwissenschaft Wirkenden, und namentlich in der Medizin Wirkenden, Wiederverkörperungen dessen, was in alten Anschauungen, aber mit Ausschluß des Christentums — nicht in der Fortentwickelung des Christentums, sondern mit Ausschluß des Christentums -, nach Europa in dieser Umklammerung gekommen ist, die der Arabismus mit dem Christentum vorgenommen hat. Und so lebt gerade die Medizin als etwas, was am meisten in dieser Weise hereingekommen ist; während jener Impuls, der im Lukas-Evangelium für die Medizin enthalten ist, noch so da ist, daß man sagen muß, er muß noch aufgenommen werden. Dazu müssen Sie solche Dinge wie diejenigen, die ich gestern besprochen habe vom kosmischen Verstehen des Menschen, vom Verstehen des Menschen aus dem Kosmos herein, mit dem allergrößten Ernst nehmen können, und dann werden Sie sich hineingestellt fühlen in der richtigen Weise in die Aufgabe, die Ihnen heute durch Ihr Karma gestellt ist. Denn sehen Sie, die Sache liegt so: Betrachten wir ungefähr dasjenige Medizinische, was da lebte am Hofe Harun al Raschids. Dadrinnen lebte auf der einen Seite durchaus das Gute der hippokratischen Denkweise. Diejenigen, die vielleicht den ersten Ärztekursus, den ich hier gehalten habe, gelesen haben, werden gesehen haben, daß ich dort gleich im Prinzip mich auseinandergesetzt habe damit, daß Hippokrates der Letzte ist, der auf Grundlage der alten Mysterienmedizin heilte. Nun ist beim Herüberverpflanzen in Asien drüben dasjenige, was hippokratische Medizin war, hineingekommen in eine starke Strömung der mongolischen Heilweise, die vom Nordosten Asiens herüber kam. Da ist vieles von dem hineingeflossen, wogegen sich in Europa nicht nur die Denkweise auflehnen mußte, sondern sich auch auflehnen muß die innere Organisation des Menschen selber, denn die innere Organisation des Menschen paßte nicht zu dem, was dort als mongolisch-tatarischer Einfluß hineingekommen ist in das medizinische Denken. Das kann herauskommen, wenn man zu einer ursprünglichen kosmischen Denkweise über den Menschen kommen kann.

p006

Nun werden Sie sich auf der einen Seite erinnern können an die Entwickelungsbetrachtung, die Sie finden können in dem Umriß meiner «Geheimwissenschaft», wo durchgeleitet wird die Entwickelungsströmung durch die Saturn-, Sonnen-, Mondenentwickelung, dann folgt die Erdenentwickelung. Der Mensch hat eigentlich alle diese Entwickelungsstadien durchgemacht; und Sie haben aus dem, was in diesen Tagen schon gesagt wurde, entnehmen können, daß im Menschen zuerst die Vererbungsströmung enthalten ist, die im Modell wirkt, und die individuelle Strömung, die aus früheren Erdenleben kommt. Das, was in der Vererbung wirkt, geht zurück auf frühere Zeiten, ist aber ahrimanisch zurückgeblieben, ist vertrocknet. Das ist also das, was in der Vererbung liegt. Mit dieser arbeitet einzig und allein im Grunde genommen die heutige offizielle Medizin und berücksichtigt nirgends dasjenige, was nun die andere Seite ist, die erarbeitet wird im zweiten Menschenleben, zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, derjenigen Epoche im Menschenleben, die schon statistisch als die gesündeste aufgefaßt werden kann, weil da der Mensch am wenigsten fähig wird zu erkranken; die Fähigkeit der Erkrankung wird da ausgeschaltet. Man möchte sagen, die heutige Medizin möchte sich am allerwenigsten mit der Gesundheit verbinden, sondern am liebsten in der Krankheit wühlen. Das ist radikal ausgesprochen, aber es ist so. Um aber sich mit der Gesundheit zu verbinden, ist es notwendig, daß man dieses Erfassen des ganzen Kosmos im Menschen wirklich bis dahin bringt, im Menschen auch den Kosmos zu sehen. Dazu braucht man die Einzelheiten, welche dieses Wahrnehmen der kosmischen Entwickelung im Menschen wirklich vermitteln können. Im Menschen steckt ja noch die alte Saturnentwickelung, die alte Sonnenentwickelung, die alte Mondenentwickelung drinnen. Und erst wenn man diese drei Vorentwickelungen zur Erdenentwickelung begreift, erst dann versteht man, was man im Erdenmenschen eigentlich vor sich hat. Aber wir haben heute so viele Wissenschaften — eine eigentliche Saturnwissenschaft, eine eigentliche Sonnenwissenschaft, eine eigentliche Mondenwissenschaft haben wir nicht, weil wir im allgemeinen Naturleben uns gar nicht mehr erinnern können an das, was in der instinktiven Urweisheit da war. Was also bei Hippokrates in der stärksten Weise gelebt hat, dem können wir uns nicht mehr nähern, weil es zur Phrase geworden ist. Das muß wieder lebendig werden. So werden Sie ein wichtiges Wort aus alten Zeiten herübertönend haben, aber Sie werden dieses alte Wort überhaupt im allgemeinen nicht achten, und am wenigsten es achten in seiner wunderbaren orientierenden Art, wie es auf die Medizin wirken kann. Es ist das Folgende.

p007

Die göttlichen Weltenmächte haben angeordnet das Leben nach Maß, Zahl und Gewicht. Sie finden es als ein Bibelwort. Aber wer achtet heute auf solche Worte anders, als daß er es als allgemeine Phrase nimmt, als ob da einmal ein alter Weltenbaumeister gewesen wäre, der nach Maß, Zahl und Gewicht angeordnet hat. Für den Arzt aber handelt es sich darum, wirklich Maß, Zahl und Gewicht im Menschen zu finden. Schauen wir hin auf das Saturnwesen! Sehen Sie, der Mensch hat die Saturnentwickelung in sich, aber wir finden diese Saturnentwickelung natürlich nicht in dem tatsächlich vorhandenen heutigen Menschen, denn in dem sind alle Entwickelungsstufen synthetisch vereinigt, sie sind verbunden, so daß die einzelnen verschwinden in der Verbindung, in der Harmonie. Aber die Krankheit ruft die eine oder die andere Erscheinung in ihrer besonderen Gestaltung hervor. Und nun muß ja das eintreten, daß man das, was ich in der «Geheimwissenschaft» angegeben habe, wirklich nicht mit dem Verstand allein auffaßt, sondern es auffaßt in der Art, wie es dort geschildert ist: daß man überall darinnen fühlt, wie während der Saturnentwickelung eine kosmische Wärme durchgreifend wirkt. Überall muß man, wenn man die Saturnentwickelung studiert, auf das Wärmeelement rekurrieren, man muß zum Wärmeelement hinführen. Der Saturn wirkt im Menschen, und das, was von der Saturnentwickelung beschrieben worden ist, wirkt im Menschen, aber es tritt im Erdenmenschen nicht hervor, wenn er in sich harmonisiert diese Dinge alle ineinander enthält. Es wirkt aber, wenn der Mensch krank ist. Da trennen sich die Dinge, die sich sonst harmonisch zusammenfügen, da wirkt das Saturnelement für sich und es wirkt im Fieber. Wir werden erst dann eine Fieberwissenschaft haben, wenn wir diese Fieberwissenschaft eben kosmisch machen, wenn wir eingehen können darauf, wie der alte Saturn im Menschen wirkt, so daß tatsächlich verstanden werden muß, wie in der Erscheinung des Fiebers das Kosmische auf dem Wege der Saturnkräfte hereinwirkt, die wir geistig innerhalb der Erde eingesogen gefunden haben. Wenn wir überall, am stärksten in den Bleikräften und sonst überall verteilt, die Saturnkräfte auf der Erdoberfläche finden, werden wir ein inneres Verständnis für das Fieber gewinnen, und wir müssen darin dasjenige sehen, durch das die göttlich-geistige Weltenordnung die Welt ordnet nach dem Maß. Im Maß des Fiebers drückt sich jenes Maß aus, das lebt in der Weltenordnung, indem Wärme in die Weltenordnung überhaupt einströmt, jenes Maß, das aufgeht in den andern, sich harmonisiert. Aber wir müssen das Maß vor allen Dingen sehen in den Fiebererscheinungen. Daher müssen wir stark auf uns wirken lassen:

p008

> Fühle in des Fiebers Maß > Des Saturn Geistesgabe

p009

Es ist eigentlich der Geist des Menschen, der erscheint im Fieber, der sonst nur untergetaucht ist in die andern Elemente. Im Fieber macht sich der Geist des Menschen, der sich vereinseitigt, geltend. Der älteste Bestandteil der Menschennatur erscheint im Fieber an der Oberfläche des Daseins.

p010

Nun sehen Sie, nach der Saturnentwickelung steht die Sonnenentwickelung. Da wird auf der einen Seite das bloße Wärmeelement zur Luft verdichtet, aber auf der andern Seite zum Licht verdünnt. Licht und Luft wirken ineinander, die gehören zusammen. Den Rhythmus der Luft nehmen wir auf in der Atmung, das Licht nehmen wir auf; und Licht ist im okkulten Sinne nicht bloß das, was im Auge wirkt, sondern Licht ist ein allgemeiner Ausdruck für das, was durch die Sonne wirkt. Es ist nur das Auge der vorzüglichste Repräsentant für das, was durch die Sonne wirkt. Im Mittelalter wurde als geistige "Tinktur bezeichnet das, was im Lichte wirkt. Nun kommen wir an die Sonnenentwickelung, dann haben wir die Sonnenentwickelung auch im heutigen Menschen, und zwar verspüren wir sie sofort wie etwas, was nicht jetzt auf der Erde wirkt, sondern was die Nachwirkung ist der alten Sonnenwirkung, wenn wir richtig fühlend die Finger auf den Puls des Menschen legen. Die Zahl der Pulsschläge, sie drücken aus die alte Sonnenentwickelung in uns. Und daher haben wir als Zweites:

p011

> Fühle in des Pulses Zahl > Der Sonne Seelenkraft

p012

Es ist nicht gleichgültig, meine lieben Freunde, ob wir in dieser Richtung wirklich vorgehen oder nicht. Solch eine Sache kann man ernst nehmen oder nicht ernst nehmen. Aber es ist ein gewaltiger Unterschied, ob Sie sich wirklich darauf besinnen, wenn Sie sich der Ablesung des Fieberthermometers hingeben - es muß nur in innerer Praxis angeeignet werden -, welches Bild die Evolution darstellt zur Saturnzeit: Da erscheint Ihnen die ganze Welt, weil alles unter der Wärmeströmung steht, wie eine Geistesgabe, in der durch die Wärme die Liebe in alles einzelne hineinströmt. Und erkennen Sie in dieser Stimmung der religiösen Hingabe, wie da durch das Saturnhafte mit Hilfe der Wärme in die Welt strömt die Liebe, erkennen Sie in dieser dankbaren Hingabe an die wärmende, liebende Weltenschaffung, erkennen Sie in dem Augenblick, in dem Sie das Fieber prüfen, aus dieser Stimmung heraus das, was vorliegt, dann geht Ihnen eine Intuition auf über dasjenige, was Sie eben tun sollen.

p013

Ebenso sollte man nicht mit der handwerksmäßigen, schlächtermäßigen Art, wie man das oftmals tut, den Puls prüfen, sondern man sollte bei dem Puls tatsächlich sich versenken können in dasjenige, was als Weltenrhythmus von dem Sonnenhaften ausgeht. Man sollte empfinden können bei dem Pulsfühlen das Darinnenstehen des Menschen in dem Licht und Luft verbreitenden, die Welt durchstrahlenden Hellen. Dann ist es wiederum so, daß der ganze Mensch in Anspruch genommen wird in seinem Heilwillen. Der Heilwille kann nicht durch ein inneres Gebot erreicht werden, sondern kann nur erreicht werden durch ein hingebungsvolles Verhalten der Seele in der Welt.

p014

Und gehen Sie weiter, da kommen Sie dazu, nun die andern Symptome zu prüfen, die darin bestehen, daß Sie überall nachschauen, inwieferne dasjenige, was im Menschen wirkt, nicht menschliche Gestalt annimmt, sondern seine eigene Gestalt annimmt. Nehmen Sie, sagen wir die Zuckerharnruhr, die diabetischen Zustände. Worauf beruhen sie? Darauf, daß [nicht wie] im harmonisierten Menschen der Zucker eben durchmenscht ist, so daß er nicht durch seine eigene Kraft wirkt; sondern bis in seine intimste Atomizität hinein wird der Mensch zu schwach, um den Zucker ganz zu durchdringen. In seiner Ich-Organisation folgt der Mensch den Zuckerkräften, den außermenschlichen Kräften. Sehen Sie hin auf alle die Kräfte, die sich beim Menschen in der Zuckerharnruhr ausleben, die in den Rückständen des Urins erscheinen, die sich im Körper ablagern bei Migräne und andern Zuständen. Sehen Sie hin auf das alles, was im Körper auftritt als Stoffe, die ihren eigenen Gesetzen folgen und nicht den menschlichen Gesetzen, da können Sie zwei Fragen aufwerten.

p015

Erstens, warum ist das überhaupt in der Menschennatur möglich, daß eine Tendenz bestehen kann, den Stoff zu seiner eigenen Wirksamkeit innerhalb des Menschen zu bringen? Wenn das nicht der Fall wäre, hätte nie die Mondenentwickelung eingreifen können. Sie greift gerade ein, wenn das, was im Menschen an Stoffen ist, sich selber folgen will. Dann ergreifen die Mondenkräfte diese Stoffkräfte und bewirken gerade als Mondenkräfte im Menschen die Gestalt. Alles, was im Menschen durch die Gestalt auftritt, ist durchdrungen von den Mondenkräften. So wie der Saturn der Durchwärmer, die Sonne der Durchrhythmisierer, so ist der Mond der Gestalter des Menschen. Nun, sehen Sie, so ist es im ganzen Menschen. Denken Sie nur einmal an das, was ich immer betone. Unser Gehirn hat nicht sein eigenes Gewicht. Wenn wir es herausnehmen, hat es ein Gewicht von ungefähr 1500 Gramm; im Körper drinnen hat es nur ungefähr 20 Gramm, weil jeder Körper nach dem Archimedischen Prinzip so viel an Gewicht verliert, als die verdrängte Wassermasse wiegt. Nun, das Gehirn verdrängt, da es selber in der Gehirnflüssigkeit schwimmt, einen Teil des Gehirnwassers, es erleidet einen Auftrieb und drückt nur mehr mit ungefähr 20 Gramm auf seine Unterlage. So geht es mit allem. Es handelt sich eben darum, daß die Kräfte da sein müssen im Kosmos, die den Menschen bis zu dem Grad, wo es notwendig ist für die Stoffe, die er in sich trägt, das Gewicht nehmen. Das Gewicht muß geregelt werden, und in dem eigenen Stoffgewicht und seiner Regelung durch den Kosmos liegt das Dritte. Also, ob Sie nun untersuchen, was immer im Stoffwechsel wirkt, ob irgend etwas Stoffliches auftritt unter dem Einfluß seines eigenen Gewichtes, oder ob das Gewicht sich einreiht in das Gewicht des Kosmos, Sie untersuchen die Ordnung der göttlich-geistigen Welt nach dem Gewicht, und so haben Sie das Dritte:

p016

> Fühle in des Stoff’s Gewicht > Des Mondes Formenmacht:

p017

Das ist, was uns wieder durchdringen soll als eine Stimmung. Wir sollen fühlen können, wenn wir reden über Rheumatismus, Gicht, Obstipation, über Zuckerkrankheit, über Migräne, über alle die Zustände, die irgendwie zusammenhängen mit solchen Ablagerungen, welche die eigenen Gewichte der Stoffe erscheinen lassen, wir sollen fühlen, wie in unsere Empfindungen etwas eintritt, was man aussprechen kann mit den Worten: Die Erdenschwere hat den Menschen ergriffen. Es liegt viel in solchen Worten. Durchdringen Sie Ihre Untersuchungen mit solchen Empfindungen. Denken Sie nur, wie abstrakt, wie schlächtermäßig heute Untersuchungen gemacht werden über diese Dinge, wie gedankenlos! Dann bekommen Sie das, was heute fehlt, was trotz aller wunderbaren Konservierung alter Weisheit, alter Tugend, alten Könnens im Arabismus eben dadurch totgeschlagen worden ist, daß dasjenige, was als Trinität da war — Mond, Sonne, Saturn —, kaschiert, maskiert erschien als Vater, Sohn und Geist, und daß diese Trinität verschwunden ist und daß der Arabismus im Mohammedanismus einfach das alles abgelehnt hat mit den Worten — ich meine den Vordersatz, den Mohammed nicht ausgesprochen hat, den aber durchaus der Engel ausgesprochen hat, von dem er inspiriert wurde, der nicht gerade ein vorzüglicher Engel war, trotzdem er sehr weise war -: Ach was, alle Trinität! — Es ist nur ein Gott, den Mohammed verkündigen sollte. Darauf wird man gewiesen, auf das Verschwindenlassen aller Differenzierungen in der Welt. Dadurch sind die Dinge, die eigentlich gewußt werden sollten, verdunkelt worden und unsere Medizin ist eigentlich geworden eine arabisch-mohammedanische. Es war die europäische Menschheit zu schwach geworden, das Richtige zu finden. Heute müssen diese Dinge gewußt werden, sonst geht die Erdenmenschheit zugrunde, so daß Sie sich schon sagen müssen:

p018

> Fühle in des Fiebers Maß > Des Saturn Geistesgabe > Fühle in des Pulses Zahl > Der Sonne Seelenkraft > Fühle in des Stoff’s Gewicht > Des Mondes Formenmacht: > Dann schauest du in deinem Heilerwillen > Auch des Erdenmenschen Heilbedarf.

p019

Sehen Sie, blickt man so hin in die Welt, dann muß man diese Dinge wirklich gemütvoll auffassen. Da bekommt man einen Sinn dafür, daß ja im menschlichen Lebenslauf auf Erden hier die Tendenz eintritt, daß die Individualität, die herüberkommt von vorigen Erdenleben, das erfaßt, was aus der Vererbungsströmung nun wie ein Modell da ist. Ich habe Ihnen ja schon von dem Kampfe gesprochen, der da besteht zwischen dem, was da geformt wird nach dem Modell als der zweite Menschenleib gegenüber dem ersten modellhaften Menschenleib. Weiß man, daßß man einen Menschen vor sich hat, der da eigentlich an die Oberfläche sich arbeitet, dann weiß man, daß an diesem Menschen arbeitet, was aus früheren Inkarnationen herüberkommt. Und es ist wirklich so: Der diese Dinge mit seinem Herzen, mit seiner Seele durchdringende Mensch hat am meisten Gelegenheit, im kranken Menschen dasjenige, was aus früheren Inkarnationen herüberkommt, wahrzunehmen oder wenigstens ahnend zu empfinden. Denn worauf beruht das eigentlich, was in der Krankheit zutage tritt? Beim gesunden Menschen ist das eigentlich so: Da ist die Kopforganisation, die eigentlich äußerlich schon abgetrennt ist von der übrigen Organisation in seiner Gestaltung. Der Kopf ist ein Knochengehäuse, in das das Gehirn eingeschlossen ist. Was Fortsetzung des Kopfes ist, ist auch in Knochen eingeschlossen. Es ist für sich da, und dann schließt sich das andere an, was zum Menschen gehört. Aber in der feineren Organisation des Menschen ist etwas da, was abgrenzt voneinander diese beiden Partien. Sehen Sie, man kann nicht durch die äußere Anatomie und durch die äußere Physiologie das so leicht nachweisen, aber es ist ungeheuer viel zu beachten in dem, was in der Umwandlung der Nahrungsstoffe zum Beispiel darin besteht, daß diese Nahrungsstoffe in ihrer innerlichen Struktur nicht so, wie sie sind, in die Kopfesorganisation, nicht einmal in die Nervenorganisation hineingehen. Es ist eine Grenze scharf fixiert, die nicht überschritten werden kann. Von wem nicht überschritten werden darf? Nun, sehen Sie, in der Kopfesorganisation wirkt von Anfang der menschlichen Erdenentwickelung an am stärksten dasjenige, was von früheren Erdenleben an Kraft sich durch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt erhalten hat. Vom Kopfe geht das aus, was als Individualitätskraft des Kindes wirkt. Aber es darf nicht ungesiebt in die übrige Körperorganisation hinunter. Es muß ein Sieb da sein, eine Zwischenschichte. Es ist nicht äußerlich sichtbar, aber es ist in der Organisation da. Es geht nichts ungesiebt hinunter. Es darf nicht die Lunge als organisches Glied oder die Leber als organisches Glied unmittelbar ergriffen werden von dem, was aus früheren Inkarnationen an Kräften herüberkommt; die vertragen das nicht. Und es entsteht eigentlich im Menschen ein Furchtbares, wenn man sich sagen muß, an seine Leber kommt heran ganz ungesiebt die Kraft aus früheren Erdenleben. Das, was menschliche Individualität ist, das wandelt ja in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt die Kräfte, die in Lunge und Leber, im Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, zum Teil auch im rhythmischen System liegen, um in Kopfesorganisation. Die Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation wird erst wieder angegliedert von außen her. Da darf erst wieder die menschliche Individualität, die ewig ist, hinein, wenn der Mensch durch die 'Todespforte gegangen ist, wenn das Physisch-Stoffliche davon abfällt und nur die Kräfte von Lunge und Leber durch die Todespforte gegangen sind, so daß Schädigung im Menschen entsteht während des Erdenlebens, wenn die Individualität hineinkommt in gewisse Organe, an die sie nicht herankommen sollte.

p020

Deshalb sagt man sich gewissen Krankheitszuständen gegenüber mit einer solchen inneren Hingabe: Ach, da wirkt, weil keine richtige Trennung da ist, die Individualität aus dem vorigen Erdenleben auf das Organ, das jetzt nur von diesem Erdenleben beeinflußt werden sollte. — Deshalb sehen Sie im kranken Menschen herüberwirken die Individualität aus früheren Erdenleben. Diese Individualität, die sich selbst nur im Moralischen, im Schicksalsmäßigen ausleben sollte, die stehenbleiben sollte bei dem, was der Mensch tut und erfährt, und die nicht berühren sollte die Organisation in dem hauptsächlich irdischen Teile des Menschen, die wirkt teils in seinem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, teils in seinem rhythmischen System, teils in seinem Sinnes-Nervensystem, weil die Grenze schadhaft geworden ist. Sehen Sie, da entsteht ein Sich-Verhalten zum Menschen dadurch, daß man weiß, in der kranken Lunge wirkt die Individualität des Menschen. Wenn ich einen Lungenschwindsüchtigen ansehe, komme ich in ein ganz konkretes Mitleiden dadurch, daß unsere Zeit so materialistisch ist, den Menschen in der äußeren Welt ablenkt davon, wie sich sein Karma schicksalsmäßig ausleben sollte, ihn moralisch zurückstößt mit unserem ganzen ungeistigen Leben in seine eigene Körperlichkeit. Die Individualität, statt daß sie in das Moralische überginge, stößt unsere Zeit zurück; sie wird organisch, ergreift die Organe, ergreift vor allen Dingen die Lunge, die das ins Innere Gerichtete ist des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems, das seinerseits nach außen gerichtet ist. Es ergreift die Körperlichkeit unmittelbar die aus früheren Inkarnationen hereinspielende Individualität. Solche Dinge sind nicht dadurch so wichtig, daß man über sie theoretisiert, sondern daß man sich in der ganzen Stimmung in sie hineinversetzen kann, und dann entsteht eben das, was Heilwille ist und was sich in der richtigen Weise dann verbindet mit dem Heilbedürfnis des Menschen. Es ist eigentlich nach unserer heutigen materialistischen Kultur der heilende Mensch außerordentlich scharf getrennt von dem Menschen, der das Heilen sucht. Er kommt nicht heran, weil man mehr braucht zum Herankommen, weil man ein Gefühl haben muß für dasjenige, was als Ewiges im Menschen lebt. Und aus diesem Gefühl heraus entwickelt sich das rechte Verhältnis zwischen dem Heiler und dem zu Heilenden, und dann geht einem der Sinn dafür auf, wie man wirklich individualisieren muß; denn jeder Mensch hat sein eigenes Karma. Man muß individualisieren im Heilverfahren.

p021

Das sind die Dinge, sehen Sie, die wir vor allem gemüthaft auf uns wirken lassen sollen. Die Dinge werden dadurch esoterisch, daß man sie gemüthaft auf sich wirken läßt; und so etwas wie das Lukas-Evangelium enthält die ganze Stimmung, die man braucht, um in diesem Gefühl weiterzukommen. Daher ist es schon so, daß die Dinge objektiv entstanden sind, vier Fakultäten sind entstanden: eine Lukas-Fakultät, eine Matthäus-Fakultät, eine Markus-Fakultät und eine Johannes-Fakultät, aber man spürt heute nichts davon, weil der Arabismus besonders in der Medizin lebt. Eine Durchchristung wird stattfinden, wenn die Dinge so gefaßt werden, daß man wieder zum Kosmischen kommt. Da muß man sich auch bewußt sein seiner kosmischen Stellung als Arzt. Sie werden aus alledem ersehen haben, wie stark beteiligt die im Monde dirigierenden Kräfte auf die menschliche Gestalt sind. Wenn die mondendirigierenden Kräfte der menschlichen Gestalt zu unregelmäßig wirken, dann muß man den Sinn darauf lenken können, dann muß man sich klar sein können darüber, man heilt dadurch, daß man da das Stück Unregelmäßigkeit, das dadrinnen lebt in der Gestalt, wegläßt; und das geschieht dann, wenn man eben den Kranken so behandelt, daß das kosmische Bewußtsein mitspricht. Dann aber, sehen Sie, muß gewissermaßen überschaubar werden das andere. Man muß einen Gesichtspunkt gewinnen. Sie müssen von außen etwas anschauen. Sie können ja nicht das Auge anschauen von außen. Dasjenige, was uns von außen alles anschauen läßt, was da wirkt, das ist dasjenige, was uns auf der andern Seite klare Begriffe gibt von allem, aber in diese klaren Begriffe nicht gleich die Abstraktion hineinzieht, sondern unser Herz mitdenken läßt. Wir dürfen nicht in unseren Begriffen verworren werden, aber wir müssen auch nicht das Herz ausschließen aus unserem abstrakten Denken. Wir müssen dadurch Mensch sein, daß wir ein ganzer Mensch sind, daß das Herz immer mitdenkt. Wir müssen daher darnach streben, nicht bloß in die Welt hineinzudenken, abstrakt hineinzudenken, und das tut heute im Grunde genommen alles Denken. Wir müssen uns klar sein, daß wir untertauchen müssen mit unserem Denken, das Herz müssen wir in alles hineintragen. Wir müssen auch dasjenige, was sich um die Gedanken herzlich herumwindet, kennen, wir müssen den Merkurstab wieder handhaben lernen, und wir werden das nicht anders, als wenn wir vom Mond herübergehen zum Merkur. Das ist dasjenige, was ich für das allgemeine Kulturleben dazumal gemeint habe in den Vorträgen, die auch von Raphael gehandelt haben, denn Raphael ist gerade der christliche Merkur. Wenn Sie sich mit einem solchen Bewußtsein durchdringen, werden Sie die richtigen Gefühle bekommen für dasjenige, wofür Sie eigentlich wirken müssen, wenn Sie sich als junge Leute heute in die Medizin hineinversetzen. Überall in der Welt sprudelt ja das Gegenteil von dem hervor, was der Sache nach geschehen sollte, und gerade in bezug auf das medizinische Wesen ist ein Furchtbares im Grunde genommen in der letzten Zeit hervorgetreten. Das ist - verzeihen Sie, daß ich zu etwas Alltäglichem heruntersteige, aber es zeigt sich, wie das Gegenteil wirkt -, das ist das medizinische Krankenkassenwesen. Da ist der Arzt vor allem ausgeschaltet. In Deutschland hat man einen Ausdruck dafür, der bezeugt die Ausschaltung des Menschlichen im Arzt, der bezeugt, daß man meint, hier wirken die abstrakten Dinge und nicht der Mensch. In Wirklichkeit heilt der Arzt und nicht die Arztwissenschaft. Aber man meint, die Arztwissenschaft ist etwas, was herumfliegt ohne den Menschen. Der Mensch kommt nicht in Betracht; es wird dem Karma geradezu ins Gesicht geschlagen. Denn das Karma wirkt so, daß es nicht blindlings Mensch zu Mensch hinstellt, sondern daß tatsächlich, wo die Möglichkeit vorliegt, in der freien Ärztewahl ein karmisches Element zum Vorschein kommt. Aber in dem rein Ahrimanischen der Einrichtung der Krankenkassenärzte wird das Karma vollständig beseitigt, und der Mensch wird ausgesetzt den rein das Karma bekämpfenden ahrimanischen Mächten. Wenn wir noch einmal zusammenkommen, werde ich Ihnen erzählen, wie die ahrimaniischen Mächte darauf aus sind, das Karma des Menschen totzuschlagen, damit sie ihr Ziel erreichen. Aber das ist, was direkt im Krankenkassenwesen und der Einrichtung der nicht freien Ärztewahl liegt, und damit zeigt sich nur dasjenige an, was, nicht wahr, in der Sprache zum Ausdruck gekommen ist, indem man den Ausdruck «Heilgewerbe» gewählt hat. Ich glaube, er steht sogar im Gesetz über die Krankenkassen. Da geht so hervor die ganze Stimmung, die über dem Krankenkassenwesen, über dem Auffassen des Ärztewesens als «Heilgewerbe» liegt. Es liegt so in der Zeit, daß darinnen symptomatisch diejenige Kulturkrankheit herauskommt, die in zahlreichen andern Dingen heute erscheint und die bezeugt, wie gerade der Arzt unbedingt mithelfen muß an der Heilung dieser Kulturkrankheiten. Aber wenn er selbst in die Lage kommt, wo er am schärfsten ausgesetzt ist dieser Kulturkrankheit, dann wird der Arzt vollständig gelähmt. Und denken Sie, daß das furchtbare Faktum vorliegt in der Einrichtung der Krankenkassen. Sie haben ja auch ihr Gutes, wie das, was in der Welt auftritt und die Menschen versucht und irreführen will, gleißend auftritt, nicht so, daß es einem unbedingt mißfällt. Der Teufel nimmt immer Engelsgestalt an, wenn er erscheint. Derjenige, der den Teufel in Teufelsgestalt sieht in der Vision, kann überzeugt sein, daß es nicht der Teufel ist, denn der erscheint in Engelsgestalt. Wenn der Arzt ausgesetzt ist dem schärfsten Impuls einer Kulturerkrankung, dann muß im Grunde unsere Kultur in eine kranke übergehen. Daher ist es notwendig, daß Sie beachten Ihr Karma, wie es Sie hinstellt, um nicht nur mitzuarbeiten im Arzneiwesen, sondern im kranken Wesen des sozialen Organismus.

p022

Nun, dahingehend formulieren Sie sich bitte Ihre Fragen. Wir werden morgen noch einmal zusammenkommen. Ich habe auch gehört, daß Sie ein gewisses Bedürfnis haben, daß auseinandergesetzt wird, wie Sie sich in die allgemeine Jugendbewegung einfügen können. Wir werden manches von dem, was gerade von mir heute gesagt worden ist, ergänzen können. Aber das, was ich heute vorgebracht habe, wollte ich schon vorbringen, weil ich dachte, daß es notwendig sein könnte für Sie, zu wissen und verarbeitet zu werden.

p023

> Fühle in des Fiebers Maß > Des Saturn Geistesgabe > Fühle in des Pulses Zahl > Der Sonne Seelenkraft > Fühle in des Stoff’s Gewicht > Des Mondes Formenmacht: > Dann schauest du in deinem Heilerwillen > Auch des Erdenmenschen Heilbedarf.

Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/316/1924-04-24.json
Cite: GA 316/1924-04-24 · edition original