Siebenter Vortrag
## GA 348 — 20 December 1922, Dornach
### Siebenter Vortrag
Meine Herren, wir wollen heute die Frage von neulich fertig beantworten.
Sehen Sie, durch seine Haut ist eigentlich der Mensch im ganzen ein Sinnesorgan. Schon die Haut des Menschen ist etwas außerordentlich Kompliziertes, etwas ganz Wunderbares. Wenn man die Haut von außen nach innen verfolgt, so hat man ganz außen zunächst eine durchsichtige Schichte, die sogenannte Hornschicht der Oberhaut. Durchsichtig ist sie nur bei uns weißen Europäern, während die Oberhaut bei Negern und Indonesiern, Malaien, eben mit Farbkörnchen durchsetzt und dadurch gefärbt ist. Bei uns Europäern ist es aber eine durchsichtige Haut, die Hornschicht der Oberhaut. Hornschicht heißt sie, weil sie tatsächlich aus demselben Stoff besteht, nur ist er etwas anders angeordnet, aus dem die Hörner der Tiere und aus dem auch unsere Nägel und Haare bestehen, denn unsere Nägel wachsen eigentlich aus dieser äußeren Hornschichte der Haut heraus. Unter dieser Hornschicht liegt die sogenannte Lederhaut, die eigentlich wiederum aus zwei Schichten besteht, einer oberen Schichte (siehe Zeichnung, rot) und einer unteren Schichte, die ich hier vielleicht grünlich machen will. So sind wir also als Menschen eigentlich zugedeckt und umkleidet mit einer dreifachen Haut, mit einer äußeren Hornschicht, mit der mittleren Lederhaut und mit der inwendigen unteren Lederhaut.

Nun, sehen Sie, diese unterste, hier grün gezeichnete Lederhaut, die ist eigentlich zur Ernährung der ganzen Haut da. Da drinnen werden die Nahrungsstoffe der Haut abgelagert. Aber die mittlere, die ich hier rot gezeichnet habe, die ist mit allerlei Zeug ausgefüllt; vor allen Dingen aber ist sie mit Muskelfasern ausgefüllt. Aber was für uns ganz besonders wichtig ist: es sind da drinnen in dieser Haut lauter kleine Zwiebelchen, eines neben dem andern; so daß man da überall kleine Zwiebelchen (gelb), eines neben dem andern; so daß man da überall kleine Zwiebelchen hat. Solche haben wir Tausende und Tausende in unserer Haut drinnen, solche kleinen, ich kann sie Zwiebelchen nennen; denn eine Zwiebel, die ist ja besonders ausgezeichnet dadurch, daß sie Schalen hat, die äußere Schale, die zweite Schale, dritte Schale und so weiter, viele Schalen. Und diese kleinen Körperchen hier, die ein Italiener, Pacini, entdeckt hat, und die daher Pacinische Körperchen heißen, diese kleinen Körperchen, die haben solche Zwiebelschalen, bestehen aus solchen richtig so, daß die Zwiebelhaut nach außen ist, und der andere, der dünnere Teil,geht nach innen zu, wie ich es auch außen gezeichnet habe.

Nun, sehen Sie, um solche winzigkleinen Körperchen - sie sind ja winzig, man sieht sie ja nur durch die Mikroskope - sind zwanzig bis sechzig solche Schalen! Sie können sich denken, wie kleinwinzig das ist. Also der Mensch ist eigentlich so, daß er an seiner ganzen Körperoberfläche lauter solche kleinwinzigen Zwiebeln ausstreut. Am meisten, nicht nur bei den Schlangen, sondern auch beim Menschen, sind an der Zungenspitze. Das ist nämlich geradezu komisch: am meisten sind an der Zungenspitze! Viele sind auch an den Fingerspitzen, an der Hohlhand im Innern, an anderen Körperteilen; aber eben, wie gesagt, am meisten sind an der Zungenspitze. Wenn man zum Beispiel die vielen kleinen Zwiebelchen an der Zungenspitze und diejenigen, die man in den Fingerspitzen hat, vergleicht, so sind in den Fingerspitzen ungefähr siebenmal weniger als an der Zungenspitze.
Sehen Sie, von jedem solchen Zwiebelchen geht ein Nervenfaden aus. Der Nervenfaden, der geht zunächst auf irgendeinem Weg — er sucht sich schon seinen Weg - ins Rückenmark hinein, und vom Rückenmark ins Gehirn. Und Sie können sich vorstellen: Vom Gehirn gehen lauter solche Nervenfäden aus, überall in den Körper hin, und bilden da an der Körperoberfläche solche Zwiebeln, also auch zu der Zunge her solche Zwiebeln - überallhin. So daß ich den Menschen auch so zeichnen kann, daß im Gehirn alle diese Nervenfäden anfangen und überall hingehen, und am Ende in der Haut drinnen, in der Lederhaut, solche Zwiebeln bilden.
Das ist deshalb sehr interessant, weil man sich das wirklich vorstellen kann — und man stellt sich etwas Richtiges vor, wenn man sich das wirklich vorstellen kann -: Nehmen Sie an, da ist der Erdboden (siehe Zeichnung links); da drinnen haben wir eine wirkliche richtige Zwiebel; die wächst heraus aus dem Erdboden und bildet da oben die Zwiebelblüte. Ja, meine Herren, so ähnlich ist es nämlich im menschlichen Körper.

Da (siehe Zeichnung rechts) sind die Zwiebeln drinnen, und der Stengel, der ist nur innen — in den Nerven (der Zunge) ist er ja auch kurz, aber bei den anderen Nerven ist er manchmal furchtbar lang; die Zwiebelfädennerven, die von den Füßen gehen durch das Rückenmark ins Gehirn, sind furchtbar lang. Und von alldem, wovon wir in der Haut die Zwiebeln haben, haben wir eigentlich die Blüte in unserem Gehirnschädel drinnen. So daß Sie sich vorstellen können: Der ganze Mensch ist in seiner Haut eigentlich eine Art Erdboden, nur kurios gestaltet, aber er ist eine Art Erdboden. Außen hat er die Hornschichte, in der sogar allerlei Kristalle und so weiter eingelagert sind. Das sind unten die festen Körpermassen, darüber die «Humus»-Schichte. Beim Menschen liegt nur von außen nach innen unter der harten Hornhaut die Lederhaut. Das ist der Erdboden. Und aus dem Erdboden wachsen alle diese Zwiebeln heraus und haben im Gehirn ihre Blüte. Sie haben ihren Stiel bis ins Gehirn hinein und haben im Gehirn ihre Blüte.

Ja, meine Herren, bei uns mehr alten Kerlen, bei denen ist das so, daß man eigentlich die ganze Geschichte nicht mehr richtig verfolgen kann, nur beim Schlaf; aber beim Kind ist das noch sehr viel mehr der Fall. Da ist es so, daß tatsächlich das Kind, solange sein Verstand nicht aufgeweckt ist, also im ganzen ersten Jahre, eine sehr lebhafte Zwiebeltätigkeit in sich, in den Nerven hat. Und geradeso wie die Sonne hinscheint über die Blüten bei den Zwiebeln, so scheint beim Kind, das noch nicht das Außenlicht, das es aufnimmt, in den Verstand umsetzt, das Licht hinein, und das ist allerdings so, wie wenn die Sonne im Kopfe sich verbreiten würde und alle diese Zwiebelblüten entfalten würde. Es wächst in der Tat in den Nerven ein ganzes Pflanzenleben in uns. Wir tragen da tatsächlich in den Hautnerven ein ganzes Pflanzenreich in uns. Nur hört später, wenn wir in die Volksschule kommen, eigentlich dieses lebhafte Wachsen auf. Da verwenden wir die Kräfte, die vorher aus den Nerven geworden sind, zum Denken - die ziehen wir heraus, verwenden sie zum Denken. Das ist sehr interessant. Denn man glaubt gewöhnlich, die Nerven denken. Die Nerven denken nicht. Die Nerven kann man nur so zum Denken verwenden, daß man ihnen gewissermaßen ihr Licht abstiehlt. Die menschliche Seele stiehlt den Nerven das Licht ab, und was sie abstiehlt, das verwendet sie zum Denken. Es ist schon so. Derjenige, der wirklich über diese Sache nachdenkt, der kommt in jedem Punkt dazu, einfach die selbständig wirkende Seele anzuerkennen.
Nun, sehen Sie, solche im Innern wachsende Zwiebelpflanzen, die haben wir eigentlich so ziemlich mit allen Tieren gemeinschaftlich. Alle Tiere, selbst die niedersten, die eigentlich nur, sagen wir, aus Schleimmasse bestehen, die etwas gestaltet sind, sehen und so weiter, alle diese Tiere haben eigentlich solche Gefühlsnerven, die in einer Art von Zwiebeln an der Oberfläche auslaufen. Je weiter wir nun zum Menschen heraufkommen, desto mehr werden einzelne von diesen Nervenzwiebeln dann besonders umgestaltet. Und solche umgestaltete Hautnerven sind zum Beispiel unsere Geschmacksnerven.
Also vorne an der Zunge — das habe ich schon das letzte Mal erwähnt —, da haben wir diese Gefühlsdrüsen. Daher ist die Zunge vorne so stark empfindlich. Aber hinten an der Zunge, da schmecken wir, und am weichen Gaumen schmecken wir und so weiter; also an Gaumen und Zunge hinten, da sind auch solche Zwiebelchen eingestreut. Aber die sitzen nämlich in einem Grübchen darinnen. Und in diesen Grübchen darinnen, da ist es diese Zwiebel, die in die Nerven hineingeht; die schiebt sich einfach als eine Zwiebel in die Lederhaut herein. Im hinteren Teil der Zunge bildet sich erst so ein kleines Grübchen; da schiebt sich dann in dieses Grübchen hinein, bis an die Oberfläche heraus, diese Zwiebel, so daß man die Wurzeln da durchschauen sieht. Da sind also an der Zungenwurzel furchtbar viele solche kleine Gruben, und in jeder Grube wächst auch von unten herauf solch eine Zwiebel, und dadurch können wir schmecken.
Und mit dem Gefühl, also mit diesen Zwiebeln, die an unserer Körperoberfläche sind, können wir überall alles wahrnehmen. Aber Sie werden ja selber wissen, daß man sich an das nicht viel erinnert. Wenn ich einen rauhen Stuhl habe, so weiß ich mit meinem Gefühl, daß er rauh ist, weil ich mit so und so viel Zwiebeln, die immer sich verändern, fühle, daß er rauh ist. Ich kann das, aber unser Gedächtnis strengt sich nicht viel an durch dieses Gefühl, strengt sich auch nicht sehr beim Geschmack an - wohl ein bißchen besser, aber unbewußt. Die Menschen, die Feinschmecker sind, wissen ja schon immer vorher, was gut ist, nicht erst, wenn sie es kosten; deshalb verschaffen sie sich es auch.
Nun, diese Zwiebeln gehen durch das Rückenmark, gehen direkt zum Gehirn und bilden dort ihre Blüte. Alles, was wir schmecken wollen, muß aber zuerst durch den Mundschleim aufgelöst werden. Nichts können wir schmecken, was nicht erst in Wasser verwandelt worden ist. Dann können wir aber fragen: Was schmeckt denn da eigentlich? Wir würden überhaupt nicht schmecken können, wenn wir nicht selber Wasser in uns hätten. Unser fester Mensch, das, was fest an uns ist, das schmeckt nämlich nicht. Es ist so, daß wenn da hier die Zungenzwiebel ist, da geht erst das Wasser um die Zungenzwiebel; das innere Wasser, aus dem der Mensch besteht, vermischt sich mit demjenigen, was in der Speise aufgelöst wird, und wir können sagen: unser eigenes Wasser vermischt sich mit dem Wasser von außen. Es ist also gar nicht der feste Mensch, der schmeckt, sondern wir bestehen doch, wie ich Ihnen schon gesagt habe, etwa zu neunzig Prozent aus Wasser. Das Wasser machen wir besonders flüssig hier um die Zungenwärzchen. Wie aus einem Geysir, wie aus einer solchen Erdgrube das Wasser aufspritzt, so haben wir wirklich solches Wasseraufspritzen an unserer Zungenwurzel.
Wenn ich Wasser, das Schleim des Mundes ist, ausspucke, dann ist es nicht mehr zum Menschen gehörig, es hat sich abgetrennt; aber solange das Wasser in meinen Zungengrübchen drinnen ist, da gehört es zu mir als Mensch, geradeso wie meine Muskeln zu mir gehören. Ich bestehe nicht bloß aus festen Muskeln, sondern ich bestehe aus Wasser. Und dieses Wasser ist es, was eigentlich schmeckt, weil es sich vermischt mit dem, was als Wasser von außen kommt.
Schleckt man Zucker — wie ist denn das? Wenn man Zucker schleckt, so treibt man Wasser von innen in die Zungengrübchen (Geschmackswärzchen), und in dieses Wasser fällt der aufgelöste Zucker herein, und der flüssige Mensch durchzieht sich mit dem Zucker, und da ist es ihm halt wohl, während der Zucker sich in seiner eigenen Flüssigkeit ausbreitet, weil der Zucker sich erst fein in diesen Zungengrübchen absondert.
Nun, sehen Sie, wir Menschen, wir können nur schmecken. Aber warum können wir nur schmecken? Hätten wir Flossen und wären wir Fische — es wäre auch ein interessantes Dasein —, dann würde jedesmal, wenn wir schmecken, der Geschmack auch durch die Flossen wirken. Aber wir müßten im Wasser schwimmen, damit wir recht gut immer alles aufgelöst hätten, auch die feinen Stoffe, denn der Fisch schmeckt alle die feinen Stoffe, die im Wasser sind, und nach seinem Geschmack richtet er sich; das geht immer gleich in die Flossen herein, und er schwimmt weiter mit den Flossen. Wenn ihm also von irgendeiner Seite etwas Angenehmes zuschwimmt, so schmeckt er das, und seine Flossen bewegen sich gleich dahin.
Wir Menschen können das nicht, was die Fische können. Wir haben keine Flossen. Die sind ganz verkümmert bei uns. Jetzt können wir den Geschmack nicht dazu verwenden, um uns zu bewegen; und deshalb verinnerlichen wir ihn. Die Fische haben einen feinen Geschmackssinn, aber keinen innerlichen Geschmack. Wir Menschen verinnerlichen den Geschmack; den erleben wir, währenddem die Fische eigentlich in dem ganzen Wasser drinnen leben, mit dem Wasser zusammen den Geschmack erleben. Daher ist es bei den Fischen auch so — die Leute haben sich darüber gewundert —, daß sie weit ins Meer hinausschwimmen, wenn sie ihre Eier absetzen wollen. Sie schwimmen sogar in den Atlantischen Ozean, an ganz andere Erdflächen. Und die Jungen kommen dann langsam wieder zurück in die europäischen Flüsse. Warum ist das so? Nun, die europäischen Flüsse, in denen die alle herumschwimmen, die sind Süßwasser. In dem süßen Wasser können die Eier nicht ausreifen. Die Fische schmecken, wie ein bißchen Salz herankommt gegen die Mündung zu; das schmecken diese Fische und schwimmen ins Meer hinaus. Und wenn auf der anderen Seite die Sonne anders auf die Erde scheint, schmecken sie das, und nach dem Geschmack schwimmen sie über die halbe Erde hinüber. Und die Jungen erst wiederum schmecken sich zurück, dahin, wo die Alten gelebt haben. Die richten sich also überhaupt nach dem Geschmack.
Das ist eine außerordentlich interessante Sache: das Wasser, das auf der Erde in Flüssen fließt und im Meer ist, das ist eigentlich voller Geschmack. Und wie die Fische da drinnen herumschwimmen, das ist eigentlich fortwährend dasjenige, was der Geschmack des Wassers tut. Der Geschmack des Wassers ist es eigentlich, der die Fische zum Schwimmen bringt, der ihnen auch die Richtungen gibt. Natürlich, wenn auf irgendein Stückchen Wasser die Sonne drauf scheint, so wird durch diese Sonnenwärme dort gleich alles das, was im Wasser drinnen ist, fein aufgelöst. Das wird in einen andern Geschmack verwandelt. Und deshalb sieht man die Fische da drinnen zappeln. Das ist alles der Geschmack.
Ja, meine Herren, diese Geschichte ist eigentlich sehr merkwürdig. Wir Menschen sollten eigentlich auch schwimmen, wenn wir uns bloß nach dem Geschmack richten würden. Wenn ich den Zucker schmecke, so will eigentlich etwas in mir, nämlich der wässerige Mensch, dorthin schwimmen. Der Drang zum Schwimmen ist schon da. Der Mensch will eigentlich fortwährend nach dem Geschmack schwimmen. Nur der feste Körper, der hält ihn wieder zurück. Und von dem, was da schwimmen will und nicht kann — wir haben eigentlich fortwährend einen Fisch in uns, der schwimmen will und nicht kann -, von dem, was nicht schwimmen kann, behalten wir das zurück, was unser innerlich Seelisches von dem Geschmack ausmacht. Denn mit dem Geschmack leben wir eigentlich ganz im Ätherleib drinnen, nur daß der Ätherleib festgehalten wird durch das Wasser, das wir haben, und das Wasser wird wieder festgehalten. Und es ist das Natürlichste, sich zu sagen: Der Mensch hat einen Ätherleib, der eigentlich gar nicht zum Gehen auf der Erde veranlagt ist, der nur zum Schwimmen veranlagt ist, der eigentlich ein Fisch ist, nur daß ihn der Mensch aufstellt, und dadurch wird er etwas anderes. Aber der Mensch hat diesen Ätherleib in sich, der eigentlich nur in seinem flüssigen Menschen drinnen ist. Und es ist schon so, daß eigentlich der Mensch fortwährend gern schwimmen möchte, schwimmen in dem feinen Wasser, das ja auch immer in der Luft ist. Da möchten wir eigentlich fortwährend schwimmen. Aber wir verwandeln dieses Schwimmen in das innere Geschmackserlebnis.
Sehen Sie, solche Sachen, die führen einen erst dahin, den Menschen zu begreifen. Das können Sie in keinem heutigen wissenschaftlichen Buch finden, weil die Menschen eigentlich nur den Leichnam des Menschen beobachten, nicht den lebenden Menschen. Wenn wir natürlich den Leichnam vor uns haben, so will der nicht mehr schwimmen. Aber der beteiligt sich auch nicht am Leben. Wir beteiligen uns deshalb am Leben, weil wir eigentlich alles zusammen, was in der Welt ist, sind. Wir sind Fische, und der Dunst, der Wasserdunst, der da eigentlich ist, der ist uns ja ähnlich. Aber in dem wollen wir fortwährend schwimmen, und daß wir es nicht können, das bewirkt, daß wir das alles nach innen gießen und schmecken. Die Fische sind ja eigentlich sehr kalte Wesen. Sie könnten wunderbar schmecken, was alles im Wasser aufgelöst ist. Sie tun es nicht, weil sie gleich ihre Flossen bewegen. Würden die Flossen der Fische weggenommen, dann würden die Fische höhere Tiere werden; sie würden anfangen zu schmecken.

Nun, wieder anders umgewandelte Zwiebeln, Nervenzwiebeln, sind die, von denen ich Ihnen das letzte Mal, am Samstag, geredet habe. Die gehen in die Nasenschleimhaut hinein. Aber diese Zwiebeln, die sind nun nicht in einem Grübchen, wo immer das Wasser sprudelt, sondern die gehen ganz an die Oberfläche heraus. Daher können diese Zwiebeln nur dasjenige wahrnehmen, was an sie herangeht, das heißt, wir müssen den Rosenduft herankommen lassen an die Nervenzwiebeln unserer Nase; nachher riechen wir ihn. So ist ein Stückchen vom menschlichen Leib dazu verwendet, daß es diese Zwiebeln, die aber über unsere ganze Haut ausgebreitet sind, besonders dazu ausbildet, dasjenige, was in der Luft liegt, aufzunehmen.
Aber, meine Herren, trotzdem, wenn Sie in der Nase des Menschen solch eine Zwiebel nehmen, die da in die Nase hereingeht, ja, da ist sie von der äußeren Luft umweht, die weht heran; aber außerdem weht von innen heraus die Atemluft. Es geht ja fortwährend der Atem durch die Nase. In diesem Atem drinnen lebt der Luftmensch. Wie ich Ihnen früher gesagt habe, wir sind Wasser, so sind wir auch Luft. Wir haben wirklich nicht bloß die Luft zum Spaß in uns. Geradeso wie ich Wasser in mir habe, so habe ich Atem in mir; der ist nicht fest. Und wie wenn ich meine Hand ausstrecke und fühle, ich habe etwas Festes ausgestreckt, so strecke ich, was ich in meinem Luftorganismus habe, in die Nase hinein. Das ist eine luftförmige Hand. Und da erfasse ich den Rosenduft oder den Nelkenduft. Ich bin nämlich nicht bloß ein fester Mensch, sogar nur zu zehn Prozent fester Mensch; ich bin eine Wassersäule, und fortwährend ein Luftmensch. Solange die Luft in uns ist, sind wir sie nämlich selber. Da lebt sie, die Luft. Und wir strecken diese Lufthände durch unsere Nase, strecken sie entgegen dem Rosenduft und Nelkenduft, natürlich auch dem Mistduft. Das greifen wir an; aber nicht mit der Hand greifen wir das an, sondern durch die Zwiebeln, die von innen den Atem anziehen, so daß der Atem den Rosenduft angreifen kann.
Das ist also so, daß es sich sogar beim Hund zeigt: Da riecht die Nase, und gleich wedelt der Schwanz, habe ich Ihnen gesagt. Geradeso wie beim Fisch die Flosse in Bewegung kommt, so kommt beim Hund der Schwanz in Bewegung. Aber was will denn der Schwanz tun, der nur wedeln kann? Es ist nämlich interessant: der Hundeschwanz kann nur wedeln. Aber was will er denn eigentlich tun? Sehen Sie, meine Herren, der Hund würde nämlich etwas ganz anderes tun; wenn er nicht ein Hund, sondern ein Vogel wäre, würde er nämlich fliegen unter dem Einfluß des Geruches! Geradeso wie der Fisch schwimmt, so würde der Hund fliegen, wenn er ein Vogel wäre. Nun, der Hund, der hat keine Flügel, und so benutzt er das Ersatzorgan und kann bloß wedeln. Es reicht ihm nicht; aber es ist dieselbe Kraftentfaltung. Und bei uns Menschen ist es auch so. Weil wir fortwährend fein riechen — wir bemerken es gar nicht —, wollen wir eigentlich immer fliegen. Geradeso wie wir fortwährend schwimmen wollen, wollen wir fortwährend fliegen.
Denken Sie sich nur einmal die Schwalben. Die Schwalben leben bei uns im Sommer. Da gefällt ihnen dasjenige, was aufsteigt als Düfte aus den Blumen und so weiter. Das gefällt ihnen eben im Geruchsorgan, und da bleiben sie da. Wenn aber bei uns der Herbst kommt, oder der Herbst nur herannaht, näher herankommt, ja, wenn da die Schwalben untereinander sich verständigen könnten, dann würden sie sagen: Da fängt es an, übel zu riechen! Der Geruchssinn der Schwalbe, der ist furchtbar fein. Und wie ich Ihnen gesagt habe, daß die Menschen bis Arlesheim wahrnehmbar sind, so ist der Geruch, der dem Süden entströmt, für die Schwalben wahrnehmbar, wenn der Herbst herankommt; der breitet sich aus bis nach dem Norden. Da unten riecht es gut; da oben fängt es an, mistig zu riechen! — Da fangen die Schwalben an, dahin zu fliegen, wo der gute Geruch sie anzieht, denn der kommt herauf vom Süden nach dem Norden.
Meine Herren, es sind ganze Bibliotheken geschrieben worden über den Vogelflug. Aber die Wahrheit ist, daß die Vögel selbst bei diesen großen Wanderungen im Herbst und Frühling sich nach der furchtbar feinen Verteilung der Gerüche in der ganzen Luftschichte unserer Erde richten. Durch ihre Geruchsorgane werden die Schwalben nach dem Süden geführt, und dann wiederum nach dem Norden. Wenn bei uns der Frühling kommt, da fängt es wiederum da unten an, mistig zu riechen für die Schwalben. Die feinen Frühlingsdüfte kommen zu ihnen nach dem Süden, und da fliegen sie herauf nach dem Norden. Es ist wirklich so, daß die Erde eigentlich ein ganzes lebendiges Wesen ist, und die anderen Wesen gehören dazu.
Sehen Sie, in unserem Leibe ist es so eingerichtet, daß das Blut zum Kopfe fließt und wiederum wegfließt. Auf der Erde ist es so eingerichtet, daß gewisse Vögel, die Zugvögel, nach dem Aquator hinfliegen und wieder zurückfliegen. Die Luft, die wir atmen, die treibt das Blut zum Kopfe. Wir sind ganz durchsetzt von Geruch, insofern wir ein Luftmensch sind. Und derjenige, der zum Beispiel, sagen wir, über den Acker geht, der gerade gemistet worden ist, der geht eigentlich mit seinem Luftmenschen dahin; denn der feste Mensch und der flüssige Mensch, die merken nichts von dem Miste. Aber der luftförmige Mensch, der merkt das, und da entsteht in ihm — aus dem, was ich gesagt habe, werden Sie es schon begreifen —, da entsteht in ihm begreiflicherweise eigentlich der Drang, er möchte fortfliegen. Eigentlich möchte der Mensch fortwährend wegfliegen in die Luft hinauf, wenn über dem Acker der Mist stinkt. Das kann er nicht, weil er keine Flügel hat. Und deshalb verinnerlicht der Mensch dasjenige, wovon er nicht fortfliegen kann. Er verinnerlicht es. Es wird seelisch. Und die Folge davon ist, daß der Mensch, insofern er Luftmensch ist, ganz innerlich erfüllt wird von dem Mistgeruch, von den gasförmig, dunstförmig gewordenen Ausdünstungen des Mistes. Er wird selber ganz mistig. Und da sagt er: das ekelt ihn. Seelisch ist das der Ekel.
Geradeso wie in dem flüssigen Menschen dieser feinere Mensch lebt, den man eigentlich dem flüssigen Menschen abstiehlt, durch den man schmeckt, so lebt er in diesem luftförmigen Menschen, den wir in uns fortwährend erneuern, weil wir einatmen, ausatmen, den wir wieder abstoßen, der eigentlich in jedem Augenblick geboren wird, achtzehnmal geboren wird in einer Minute, wiederum stirbt, achtzehnmal in einer Minute, Sonst, nicht wahr, werden wir geboren, werden unter Umständen alte Kerle; es dauert jahrelang für den festen Menschen, bis er stirbt. Beim luftförmigen Menschen ist es so: der wird achtzehnmal in der Minute geboren beim Einatmen, und stirbt wieder beim Ausatmen. Es ist ein fortwährendes Geborenwerden und Sterben. Es ist geradeso. Und das, was da drinnen nun herausgenommen wird, das nennen wir den Astralleib, damit wir ein Wort haben. Aber es ist eben da. Und wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, daß dasjenige, was eigentlich da unten sein müßte, hinaufgeschoben, hinaufgeschoppt wird und dem Geruchssinn entgegenwächst, was uns da zum Denken bewegt, ist eben unser Astralleib, der das da hinaufschoppt. Kein Mensch kann das Gehirn richtig verstehen, das der Nase entgegenwächst durch den Astralleib, der eben nicht die ganze Sache so betrachtet, wie ich sie jetzt betrachtet habe. Das ist das, was aus einer richtigen Betrachtung unserer Sinne gerade hervorgeht.
Wir Menschen möchten eigentlich fortwährend fliegen durch unsern Geruch. Aber wir können nicht fliegen, weil wir höchstens diese festen Schulterblätter haben. Aber der Vogel kann fliegen. Warum kann der Vogel fliegen? Meine Herren, der Vogel hat etwas ganz Eigentümliches, wodurch er fliegen kann; der Vogel hat nämlich hohle Knochen. Da ist Luft drinnen. Und die Luft, die er durch sein Geruchsorgan aufnimmt, die kommt als Luft in Verbindung mit der Luft, die er in seinen Knochen drinnen hat. Der Vogel ist also wirklich hauptsächlich ein Luftwesen. Das Hauptsächlichste am Vogel ist eigentlich das, was aus Luft besteht. Das andere, das wächst nur an. Und wenn Sie einen Vogel anschauen, der viel Federn hat, werden Sie sehen, daß eigentlich alles abgedorrt ist. Aber das Wichtigste in ihm ist, selbst beim Strauß, daß in jeder solcher Flaumfeder noch etwas Luft drinnen ist, und mit dieser ganzen Luft, aus der er selber besteht, steht die äußere Luft selber in Verbindung. Der Strauß geht ja noch, weil er sonst zu schwer ist, um zu fliegen; aber die anderen Vögel fliegen eben.
Wir Menschen haben nur diese Schulterblätter, die noch dazu höchst ungeschickt, ganz festgefügt sind, an unserem Rücken. Mit denen möchten wir zwar fortwährend fliegen, aber wir können nicht, und so schieben wir das ganze Rückenmark ins Gehirn hinein und fangen an zu denken. Die Vögel denken eben nicht. Man braucht nur richtig die Vögel zu betrachten, so wird man sehen, daß alles bei ihnen in den Flug hineingeht. Es schaut sehr gescheit aus; aber das macht es eigentlich, was in der Luft ist. Die Vögel denken nicht. Wir denken, weil wir nicht fliegen können. Unsere Gedanken sind eigentlich die umgewandelten Flugkräfte. Das ist das Interessante am Menschen, daß sein Geschmack sich in die Gefühlskräfte verwandelt. Wenn ich sage: Ich fühle mich wohl -, so möchte ich eigentlich schwimmen. Aber ich kann nicht schwimmen, und da verwandelt sich das in das innere Wohlgefühl. Wenn ich sage: Mich ekelt -, so möchte ich eigentlich fliegen. Ich kann aber nicht fliegen; so verwandelt sich das in den Gedanken: Mich ekelt, der Mistgeruch ist ekelhaft. - Und so sind alle unsere Gedanken eigentlich im Grunde genommen umgewandelte Gerüche. Und der Mensch ist deshalb ein so vollkommener Denker, weil er all das, was der Hund in der Nase erlebt, im Gehirn erlebt mit dem, was ich da vorstelle. Wir verdanken als Menschen eigentlich unserer Nase außerordentlich viel. Sehen Sie, wenn Menschen keinen Geruch haben, wenn ihre Nasenschleimhaut also verkümmert ist — es gibt solche Menschen, die keinen Geruch haben -, fehlt ihnen eigentlich auch ein gewisses Erfindungsvermögen. Die können nur durch dasjenige denken, was sie vererbt haben von ihren Eltern. Es ist ja immer gut, daß wir auch etwas ererben, sonst könnten wir überhaupt nicht leben, wenn wir nicht alle Sinne ausgebildet hätten. Der Blindgeborene hat auch das Innere, was das Auge hat, ererbt, und hat es überhaupt dadurch, daß er nicht bloß ein fester Mensch ist, sondern auch ein flüssiger und ein luftförmiger Mensch ist.
Wir haben aber jetzt gesehen, wie merkwürdig das ist: Das Feste, das nehmen wir mit unserem Gefühl wahr durch die Zwiebeln, die überall nach der Haut hingehen; und das Flüssige, das Wässerige, das nehmen wir mit unserem Geschmackssinn wahr. Das Luftförmige, das Gasförmige, das nehmen wir wahr durch unsere Zwiebeln, die in die Nasenschleimhaut gehen. Wir spüren auch noch etwas anderes um uns herum, aber so im ganzen mehr: das ist Wärme und Kälte. So wie wir eigentlich als Mensch ein Stückchen fester Mensch sind, ein Stückchen Wasser als Mensch, ein Stückchen Luft als Mensch, so sind wir auch ein Stückchen Wärme. Wir sind ja auch wärmer als die äußere Welt.
Aber sehen Sie, die Wissenschaft weiß wirklich nicht richtig, daß das Schmeckende eigentlich der wässerige Mensch ist, und das Riechende der luftförmige Mensch ist. Die Wissenschaft denkt immer nach darüber: Da kommen die Geschmacksnerven in die Zungenwärzchen hinein, und eigentlich ist alles so, als wenn der Nerv schmecken oder riechen würde. Das ist aber ein Unsinn. Im Munde schmeckt das Wasser vom Wassermenschen, und in der Nase schmeckt die Luft oder riecht die Luft vom Luftmenschen. Und wenn wir Kälte oder Wärme wahrnehmen, so wird diese durch das Stückchen Wärme wahrgenommen, das wir selber sind. Direkt die Wärme in uns nimmt die äußere Wärme wahr. Und das ist eben beim Wärmesinn der Unterschied von den anderen Sinnen, daß es die Wärme selber ist, die von allen Organen abgesondert wird. Wir haben da als Menschen ein Stückchen Wärmewelt in uns, und diese Wärmewelt nimmt die andere Welt um sich herum wahr. Nur, wenn wir etwas angreifen, das heiß oder kalt ist, nehmen wir es natürlich nur an der Stelle wahr, wo wir es angreifen. Aber wenn es im Winter kalt ist, nehmen wir die ganze Kälte um uns herum wahr als Mensch, sind ein ganzes Sinnesorgan, und ebenso im Sommer die Hitze.
So sehen wir schon, wie falsch die Wissenschaft eigentlich auf diesem Gebiete ist. Wenn Sie irgendwo ein wissenschaftliches Buch aufschlagen, so ist es so, als wenn der ganze Mensch so irgendein festgestaltetes Gebilde wäre. Es werden eben hineingezeichnet die Knochen, die Muskeln, die Nerven. Aber das ist ja alles Unsinn. Das ist ja nur ein Zehntel von dem Menschen überhaupt. Das andere ist ja zu neunzig Prozent Wasser, und auch Luft ist da drinnen, und sogar ein Stückchen Wärme. Also eigentlich müßte in die Figuren, die da gezeichnet werden durch die materialistische Wissenschaft ein zweiter Mensch hineingezeichnet werden, der Wassermensch, und ein dritter Mensch, der Luftmensch, und ein vierter Mensch, der Wärmemensch. Anders ist der Mensch gar nicht zu begreifen. Und nur dadurch, daß wir auch ein Stückchen Weltenwärme sind, wärmer als unsere Umgebung, fühlen wir uns selbständig in der Welt. Wären wir so kalt wie ein Fisch oder eine Schildkröte, so hätten wir kein Ich, würden wir gar nicht zu uns «Ich» sagen. Geradeso wie wir niemals denken könnten, wenn wir nicht den Geruch in uns umgewandelt hätten, also keinen Astralleib hätten, so hätten wir kein Ich, wenn wir nicht ein Stückchen Wärme in uns hätten.
Sie können jetzt sagen: Aber die höheren Tiere haben ja auch eine eigene Wärme. Ja, meine Herren, diese höheren Tiere, die tragen auch an dieser Wärme! Die höheren Tiere, die wollen nämlich ein Ich werden und können es nicht. So wie wir nicht schwimmen oder fliegen können, so möchten die höheren Tiere ein Ich werden und können es nicht. Und deshalb sind diese höheren Tiere so gebildet, wie sie eben sind. Man sieht ihnen an, sie möchten eigentlich ein Ich werden und können es nicht. Und dadurch haben sie ihre verschiedenen Gestalten.
Aber wir Menschen, wir haben einmal diese vier Teile in uns: den festen Menschen, der der eigentlich physische Mensch ist, der materielle Mensch; den wässerigen Menschen, der den Lebenskörper, den Ätherkörper, den feineren Körper in sich trägt; den luftförmigen Menschen, der den astralen Körper in sich trägt, der fortwährend stirbt und wieder erneuert wird im Physischen, aber als astralischer Mensch bleibt das ganze Leben hindurch; und das Stückchen Wärme, das wir in uns haben, das ist der Ich-Mensch.
Der Wärmesinn ist ja eigentlich auch auf den ganzen Menschen verteilt, aber er ist fein. Und die Wissenschaft, die macht da etwas Eigentümliches durch. Wenn man den Menschen rein materiell absucht, so findet man halt eben diese Gefühlszwiebeln, die ich Ihnen geschildert habe. Nun sagen sich die Leute: Wenn ich also die Schachtel hier angreife, da fühle ich durch diese Gefühlszwiebeln die Schachtel, das Feste. Wenn die Schachtel recht kalt ist, da müßte ich die Kälte ja auch durch eine solche Gefühlszwiebel fühlen. Ja, da suchen sie fortwährend diese Wärmezwiebeln und diese Gefühlszwiebeln und finden sie nicht! Alle Augenblicke kommt einer und untersucht ein Stückchen Haut. Da sehen manche von diesen Gefühlszwiebeln ein bißchen anders aus, und da meint man, die gehören nun zu etwas anderem. Aber das ist ein Unsinn. Wärmezwiebeln sind nicht da, weil der ganze Mensch eben diese Wärme wahrnimmt. Wir haben nur diese Zwiebeln, die für das Feste, für das Flüssige, also für den Geschmackssinn, und für das Luftförmige, also für den Geruchssinn da sind. Wo der Wärmesinn beginnt, da sind wir schon außerordentlich leicht-sinnige Wesen, nämlich bloß ein Stückchen Wärme, das eben die äußere Wärme wahrnimmt. Wenn wir von einer solchen Wärme umgeben sind, daß wir gerade recht zu uns «Ich» sagen können, dann fühlen wir uns wohl; wenn wir aber von Kälte umgeben sind, daß wir frieren, so nimmt uns die äußere Kälte dieses Stückchen Wärme, das wir sind, weg. Unser Ich will uns verloren gehen. Die Bangigkeit in unserem Ich, die macht uns dieses Stückchen Kälte wahrnehmbar. Wenn einer friert, so ist er eigentlich immer bange um sein Ich, und er hat einen Grund, bange zu sein, denn dann schiebt er das Ich schneller aus sich heraus, als er eigentlich soll.
Das sind eben die Dinge, die uns nach und nach immer mehr hinführen von den Betrachtungen des Physischen zu den Betrachtungen des Nichtphysischen, des Nichtmateriellen. Und auf diese Weise können wir erst den Menschen verstehen.
Wir werden nun, nachdem wir das vorausgeschickt haben, recht interessante Betrachtungen daran knüpfen können. Damit wollen wir das nächste Mal dann fortsetzen.