Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1914-03-27
## GA 266/3 — 1914-03-27, Berlin
Berlin, 27. März 1914 Aufzeichnung Α Erst wurde ausgesprochen, wie schwer es sei, daß er [Rudolf Steiner] nicht mehr diesen Winter mit uns zusammen sein könne, daß man aber nur um so intensiver fühlen müsse, daß man im Geiste ja immer vereint sei. Dann wurde darauf eingegangen, daß, wenn man nur ernst und intensiv genug seine Übungen mache, man auch Fortschritte auf dem esoterischen Weg mache, auch wenn man es nicht merke. Man müsse nur aufmerksamer werden auf sich und immer mehr die Empfindung bekommen: Nicht ich denke, sondern es denkt mich, so daß nicht der physische Leib denkt, sondern der Ätherleib. Der physische Leib ist nur der Spiegel oder ein Echo. Wie man - indem man vor den Spiegel hintritt - nur achtet auf das Spiegelbild und vergißt die wirkliche Gestalt, so achtet man auch beim Echo nicht auf das, was man ruft, nur auf den Gegenruf. So bemerkt man nicht, daß das Denken im Ätherleib geschieht und sich nur am physischen Leib spiegelt. Je mehr wir unsern Ätherleib verselbständigen, erleben wir zweierlei, einmal, daß unser Ich sich ausdehnt in die Weiten, ein andermal, daß man sein Inneres erlebt in der Vereinsamung, und in der Tiefe man sein anderes Selbst findet. Der Mensch in seiner Haut ist nur wie in einer Hülle, in welcher es stürmisch auf- und abwogt von geistigen Kräften; es ist, als ob unsere Gedanken wie Gestalten aus uns heraustreten und sich um uns stellen. Wir werden dann erleben unser Gutes und unser Böses: Unser Gutes so, daß es in die Zukunft weist und dort ein sprossendes pflanzenartiges Leben führt; unser Böses, das nicht bis zur Handlung kommen darf, sondern rein gedankenhaft bleibt, damit es in der Zukunft als Nahrung für das Gute diene. Die Nahrung für unsere drei Reiche ist nur dadurch entstanden, daß die Wesen, die auf dem alten Mond ihre Menschheitsstufe durchmachten, ihr Böses meditativ bewußt erlebten, ohne es zur
Tat werden zu lassen. Das Böse ist entstanden auf der Erde dadurch, daß zurückgebliebene Mondenwesen, luziferische Wesen, ihr Böses nicht auf dem Mond, sondern jetzt auf der Erde meditieren und es dem Menschen einimpfen. Andrerseits müssen wir unser Ich immer mehr sich ausbreitend im Raume fühlen, nicht innerhalb unserer physischen Hülle. Die Umwelt der Sinneswelt im Verhältnis zum Geistigen erleben wie die Luftblasen im Wasser, als kugelförmiges Nichts. Dies oft und immer wieder gedankenhaft in uns erleben. Dazu sollen uns die Hilfsmittel gegeben werden: drei Formeln, die wir morgens und abends und sonntags durchmeditieren, sie werden uns in dieser nächsten Zeit helfen, den Ätherleib zu verselbständigen. Die erste Formel [Strophe] drückt aus, was in Ex Deo nascimur gesagt ist; die zweite Formel In Christo morimur; die dritte Formel Per Spiritum Sanctum reviviscimus: Zu den Dingen wend ich mich Wend ich mich mit meinen Sinnen; - Sinnensein, du täuschest mich! - Was als nichts das Dasein flieht: Dir ist3s Sein und Wesenheit; Was dir nichtig scheinen muß, Offenbare meinem Innern sich. - Geisteslicht erwarme mich Lass in dir mich wollend fühlen. Gutgedachtes, Wahr Erkanntes Wie erlebt dich leuchtend Ich Irrtumsweben, bös erdachtes Zeige dich der Leuchte-Seele Dass ich webend in mir sei. Leuchtend Ich und Leuchte-Seele Schwebet über wahrem Werdewesen Das Erdachte, das Erkannte
Wird jetzt dichtes Geistessein. Und wie leichte Daseinsperlen Lebt im Meer des Göttlich-Wahren Was den Sinnen Dasein täuscht. Aufzeichnung Β Auch wenn wir physisch nicht viel beisammen sein können, können wir doch immer das Bewußtsein haben, geistig zusammen zu sein. Wir sind nicht getrennt, denn in der Ätherwelt, in der unsere Gedanken einander berühren, besteht die Trennung nicht, die in der stofflichen Welt ist. Und mehr und mehr werden wir uns dessen bewußt werden, daß unser Ich gleichsam in unseren Gedanken sich ausdehnt und allumfassend wird. Das ist einer der Fortschritte, auf die der Esoteriker achten soll, denn das Selbständigwerden des Gedankenlebens ist ein Beweis dafür, daß wir Fortschritte machen durch unsere Übungen und Meditationen. Wir empfinden, als ob die Gedanken gleichsam selbständig in uns gedacht werden; nicht so wie früher, als ob wir selbst unsere Gedanken hervorbringen würden, sondern als ob wir das Gedankenleben in uns von einer sich immer weiter ausdehnenden geistigen Atmosphäre umgeben fühlten, als ob wir einen Teil unseres Ich gleichsam wie hinausschicken in die Gedanken und dadurch geistig vereinigt sind mit dem, wovon wir physisch getrennt sind. Wir weiten uns gleichsam in unsere ganze Umgebung aus. Und in diesem Geistig-sich-vereinigt-Fühlen mit den Dingen kann es uns auch allmählich klar werden, daß das wahre Sein der Dinge in dieser unsichtbaren, aber als real empfundenen Geistesatmosphäre liegt, während das, was die Dinge stofflich sind, uns mehr und mehr seinen Charakter der Irrealität enthüllen wird. Um dieses immer mehr innerlich zu realisieren, können wir die Formel meditieren:
Zu den Dingen wend ich mich Wend ich mich mit meinen Sinnen; - Sinnensein, du täuschest mich! - Was als nichts das Dasein flieht: Dir ist's Sein und Wesenheit; Was dir nichtig scheinen muß, Offenbare meinem Innern sich. - Aber dann gibt es auch Zeiten, in denen wir das gewissermaßen Entgegengesetzte machen müssen. Wir müssen uns dann ganz in uns selbst fühlen, fühlen, wie wenn das zweite Selbst aus uns erstände, welches unser wahres Ich ist und welches mehr und mehr Kraft erhalten muß. (Diese zwei Zustände müssen [miteinander abwechseln.) - Und dann, so in Einsamkeit uns selbst durchfühlend und Stärke in uns selbst gewinnend, werden wir allmählich fühlen, mächtiger als je zuvor, das Gute in uns selbst und auch das Böse in uns selbst. Das Gute in uns wird sich uns so offenbaren, daß wir es wie wachsend empfinden, wachsend in eine ferne Zukunft hinein, wo es Frucht tragen wird; und wir empfinden, wie das Böse, was noch in uns ist, was wir uns auch in Ideen klar vor den Geist stellen können, Nahrung werden muß für das wachsende Gute. Wir fühlen, wie das Böse etwas Absterbendes ist, während das Gute gerade etwas Wachsendes ist, jedoch wir empfinden auch, daß das kräftige Wachstum des Guten abhängt von der Nahrung, die es erhalten kann durch das absterbende Böse. Beides müssen wir gleichzeitig in uns fühlen können, das Gute und das Böse, und zu gleicher Zeit wissen, daß das Böse, was wir uns der Idee nach vorstellen können, niemals zur Handlung werden darf; daß wir wissen, aber nie tun sollen. Daraus sehen wir wiederum, wie ernsthaft die esoterische Schulung ist. Denn wenn wir uns die Möglichkeiten des Bösen in uns deutlich bewußt machen, wird gleichzeitig die Versuchung an uns herankommen, es auch zu tun. Und wir sollen wissen, daß ebenso gewiß, wie wir die Möglichkeiten des Bösen
in uns erkennen und zur Idee werden lassen müssen zum kräftigeren Wachstum des Guten, wir wissen müssen, daß wir niemals auch nur im geringsten das Böse zur Tat werden lassen dürfen. Was wir um uns herum sehen in den Naturreichen und was uns Menschen zur Nahrung dient, ist da, weil die Götter auf dem alten Mond das Böse wie auch das Gute gedacht haben, so wie wir es nun auch tun müssen. So wie der mineralische Boden die Nahrungsstoffe liefert für die Pflanzenwelt, so werden unsere Vorstellungen vom Bösen in uns der Boden, woraus das Gute sich nährt. Das Mineralreich der Erde ist entstanden dadurch, daß die Elohim auf dem Mond das Böse, den Irrtum gedacht haben; daraus ist der Stoff, das Mineralreich der Erde entstanden, und aus diesem Stoff hat Jahve den Menschen machen können, ihm seine stoffliche Umhüllung gegeben. - Daß wir aber in unserer Erdentwicklung auch das Böse in dieser Gestalt haben, als böse Handlungen und alles, was schlecht ist, das kommt durch die luziferischen Götter, die nicht auf dem Mond das Böse dachten (wo es an seinem Platz gewesen sein würde, zu Nahrung geworden wäre), sondern auf der Erde. Und so ist das «Das-Böse-Denken» der luziferischen Geister auf der Erde der Anlaß für die bösen Handlungen und Irrungen der Menschen. Dieses starke Sich-in-sich-selbst-Bewußtwerden dieses lebendigen Ichs, das anfängt, sich webend, leuchtend, lebendig in sich selbst zu fühlen, mit deutlicher Einsicht in alles, was es als Zukunftsblüte des Guten in sich trägt, das aber auch in klaren Ideen seine Möglichkeiten des Bösen erfaßt, die niemals in Taten übergehen sollen, dieses Bewußtwerden wird ausgedrückt in der zweiten Formel: Geisteslicht erwarme mich Lass in dir mich wollend fühlen. Gutgedachtes, Wahr Erkanntes Wie erlebt dich leuchtend Ich Irrtumsweben, bös erdachtes
Zeige dich der Leuchte-Seele Dass ich wehend in mir sei. Und dann kann das sich seiner selbst bewußt gewordene Ich sich wieder nach außen wenden. Dann ist es jedoch wiedererstanden aus sich selbst und erkennt die Dinge in ihrer geistigen Bedeutung. Es vergegenwärtigt sich, daß da, wo die Sinne Gegenstände sehen, eigentlich nichts ist, daß da Öffnungen sind in einem viel realeren und dichteren Sein rings umher. Wie runde Löcher, wie «Daseinsperlen» erlebt es nun die Sinneswelt; sich selbst fühlt es lebend und webend in der dichten Geisteswelt, die reales Leben geworden ist da, wo die Sinnesorgane nichts wahrnehmen. So kann man dann mit der dritten Formel, die man hierfür meditiert, sich selbst auf die Probe stellen. Wenn die beiden anderen Formeln beispielsweise morgens und abends jeden Tag meditiert werden, die erste Strophe morgens und die zweite Strophe abends, dann kann man sonntags außer diesen beiden in einer Zeit dazwischen die dritte Strophe nehmen, wie um zu probieren, inwieweit dies alles Wirklichkeit geworden ist. Dies ist dann wiederum eine Bekräftigung einer anderen Formel, die eigentlich in diesen drei enthalten ist: E.D.N. - I.C.M. - P.S.S.R. In der ersten Formel können wir fühlen das, was als wahre schöpferische Mächte dem Sinnensein zugrundeliegt: E.D.N. - In der zweiten gehen wir in die Einsamkeit, als stürben wir ab, um in uns zu finden dasjenige, was sich mit dem Christus vereinigt weiß: I.C.M. - Und in der dritten auferstehen wir aus uns selbst, werden wiedergeboren in den Geist und erkennen das Geistessein: P.S.S.R. - Wir müssen uns als Ichwesen zu einem Organ der geistigen Welt entwickeln. Leuchtend Ich und Leuchte-Seele Schwebet über wahrem Werdewesen Das Erdachtey das Erkannte Wird jetzt dichtes Geistessein. Und wie leichte Daseinsperlen Lebt im Meer des Göttlich-Wahren Was den Sinnen Dasein täuscht. Diese Formeln müssen jedoch meditiert werden, dann bringen sie sehr voran. Es ist nicht genug, den Inhalt davon zu wissen: Selbst der weitest fortgeschrittene Esoteriker, der das alles schon lange weiß, muß sie immer wieder wechselnd meditieren. Aufzeichnung C* Meine lieben Schwestern und Brüder. Einem jeden von uns liegt am Herzen der Fortschritt in der esoterischen Entwicklung und mancher Schüler fragt sich: Komme ich auch wirklich voran in meiner Entwicklung zum Geistigen? Ja, ein jeder Schüler, der wirklich gewissenhaft die Übungen, die er vom Lehrer empfangen hat, anwendet, schreitet vorwärts; und mancher, der seine Übungen pünktlich und gewissenhaft macht, kommt vielleicht mehr voran, als er glaubt. Er darf nur nicht glauben, daß irgend etwas Tumultuarisches auftreten würde innerhalb seiner Übungen, oder als Resultat derselben, denn leise und intim tritt die geistige Welt an uns heran. Freilich, eines ist gewiß: daß ein jeder, der den Weg in die geistige Welt finden will, umdenken muß, sein ganzes Wahrnehmungs- und Empfindungsleben muß ein ganz andres werden. Nur wird aber das «Anders-werden» so oft falsch verstanden. Die Menschen denken so gern, daß sie das, was sie sich an Kenntnissen angeeignet haben auf dem physischen Plan, auch übertragen können auf die geistigen Welten; mit denselben Mitteln, mit denen er sich innerhalb der physischen Welt zu einem gescheiten Menschen gemacht hat, glaubt der Mensch auch wissend in der geistigen Welt werden zu können. Der Esoteriker * Diese Aufzeichnung hat die Orts- und Datumsangabe «Berlin und Wien, 27. März und 14. April 1914».
muß einsehen lernen, daß es ganz andere Mittel sind, durch die man auf dem physischen Plan weiterkommt, als die, die man anwenden muß, um in die geistige Welt einzudringen. Immer mehr muß der Schüler lernen, sich hineinzutasten in die geistige Welt durch seine hingebungsvollen Gefühle, er muß lernen, sich zu sagen, daß es beim Meditieren nicht so sehr auf den Inhalt der Gedanken ankommt, als auf die ganze Gesinnung, die Stimmung der Seele, aus welcher heraus die Meditation gemacht wird. Die sind es, die die Seele umformen und nach und nach die Organe der Seele herausbilden. Eine solche hingebungsvolle, andächtige Stimmung der Seele arbeitet nicht nur hinein in den Astralleib, sondern der Esoteriker wird auch immer mehr dahin gelangen, seinen Ätherleib zu fühlen. Und das ist ein sehr wichtiger Augenblick für die esoterische Entwicklung, wenn dieser Moment eintritt. Macht Euch folgendes klar, meine lieben Schwestern und Brüder: Ich strecke meine Hand aus, ich stoße mich hier an der Tafel. Im Physisch-Sinnlichen würde man sagen, da ist ein Gegenstand, an dem meine Hand einen Widerstand gefunden hat. So ist es richtig für die physische Anschauung. Im Geistigen ist da aber, wo ich anstoße an die Tafel, ein Nichts. Da ist in der geistigen Welt ein Loch, eine Lücke. Nichtse, Löcher sind für die geistige Welt da, wo im Physischen Gegenstände sind. Aber bevor meine Hand an dies «Nichts» herankommt, strecke ich sie hindurch durch eine geistige Welt, die wiederum für das physische Anschauen leer, ein Nichts ist. Die ist aber geistig ganz mit Realitäten - mit geistigen Wesenheiten - angefüllt. Wenn wir das eben Angedeutete als Schüler der geistigen Wissenschaft durchdenken, so müssen wir lernen, uns zu sagen: Also sehe ich, wenn ich ein Physisches anschaue, in Wirklichkeit die Umrisse der geistigen Welt. Zu solcher Erkenntnis muß er [der Schüler] sich durchringen. Hinter allem muß er den Geist sehen, dann sieht er auch erst das Physische in der rechten Weise. Schaut er hin auf eine Herbstlandschaft, was sieht er da? Ein Vergehendes, Absterbendes im Physischen - aber hinter ihm erahnt er schon die neuen, lebendigen Keime, die sich aus dem Absterbenden losringen: das neue Leben, das sich dem Tod entringt; das noch geistig ist, das sich aber im Frühling mit Materie umkleiden wird. Ein ganz einfaches Beispiel kann uns übrigens zeigen, daß da, wo im physisch-sinnlich Wahrnehmbaren Gegenstände sind, im Geistigen lauter Nichtse sind: Nehmen Sie eine Flasche Selterswasser. Sie sehen das Wasser nicht. Sie sehen es nicht vor den leuchtenden Kugeln der perlenden Kohlensäure. Die sind nur Luft: Nichtse. Das Wasser, das Physische, sehen Sie nicht vor diesen Perlen der Kohlensäure. So sieht man auch das Geistige nicht inmitten des Physischen. Die schillernden Dinge der Wahrnehmungswelt decken es uns zu. Hat sich der Esoteriker eingelebt in diese fundamentale Wahrheit, daß er im Physisch-Sinnlichen von lauter Nichtsen umgeben ist, so wird ihm auch bald eine zweite Wahrheit aufgehen, die Wahrheit: Es denkt mich, nicht: Ich denke. So lange hat er geglaubt, daß seine Gedanken in der Welt einen Wert haben, jetzt lernt er nach und nach, daß im Geistigen eine Weltenmacht da ist, die, indem sie denkt, erschafft. Und daß alles Menschendenken nur ein schattenhafter Abglanz ist dieses Weltendenkens, das erzeugt wird von einer erhabenen Geistwesenheit, der das Denken in demselben Grade zu eigen ist, wie dem Menschen das sinnliche Anschauen. Er lernt, daß diese Menschengedanken nur Schatten sind, die sich am physischen Leibe spiegeln und nur den Wert von Schatten haben, die wohl für die physische Welt eine Notwendigkeit sind, die er aber umwandeln muß durch seine Meditation, so daß aus den Schattengebilden Realitäten werden. Er lernt, auf sein stolzes Denken mit immer größer werdender Bescheidenheit hinzuschauen. Er fragt sich: Wie wandle ich es um, so, daß ich mir durch die Umwandlung dieser Schattengedanken ein Werkzeug schaffen kann, um in eine geistige Welt nach und nach hineinzukommen! Der Schüler, indem er so darauf hinstrebt, sich von diesen Schattengedanken loszulösen, wird allmählich dazu gelangen,
sein Selbst im Ätherleib zu konzentrieren. Nicht mehr wird er sich nur in seinem physischen Leib als Menschenwesen erfühlen. Er wird den physischen Leib ebenfalls immer mehr als einen Schatten empfinden, in dem er sich hier auf dem physischen Plan erleben muß. Wenn der Mensch plötzlich vor einen Spiegel tritt - der gibt ihm den äußeren Eindruck seiner physischen Gestalt, aber das ist nicht der Mensch selber, es ist nur ein Reflex des Menschen. Tritt er von dem Spiegel zurück, so ist auch das Bild - er selbst - nicht mehr. Aber er ist dennoch da, auch ohne den Spiegel. Der gibt nur ein Schattenbild seiner äußeren Gestalt. Hat der Schüler sich dahin erzogen, das Schattenhafte unserer Gedanken in uns selbst zu erkennen - zu erkennen, wie diese Gedankenschatten in der äußern, physischen Welt, in der Wissenschaft, im Sozialen da sind, wie wir selbst als physische Menschen nur Schatten sind unserer eigenen inneren Wesenheit -, wenn er das als eine Grundstimmung seiner Seele anerzogen hat, dann wächst er hinein in eine geistige Welt. Er blickt zurück in die Vergangenheit, aus der heraus er das geworden ist, was er in diesem Moment seiner seelischen Entwicklung in sich erfühlt. Und er schaut hinein in eine Zukunft, die vor der Menschheit liegt. Und er erkennt: Aus Gedanken der erhabenen Geistwesenheit ist alles entstanden. [Wie kann ich mich aus all dem schattenhaftem Denken um mich herum herauslösen?] Wie kann ich so denken lernen, daß ich als Mensch, indem ich mich dieser Wesenheit in Andacht nahe, von ihr angenommen werde! Er erkennt, daß alles, was wir auf Erden an Gedanken der Güte, des Wohlwollens, des Edlen, der Liebe erzeugen, sich zu bleibenden, unvergänglichen Daseinswerten umsetzt, die nicht vergehen wie verwehende Schatten - die weiter bestehen werden. Wir sehen sie vor uns - in vielleicht noch weiter Ferne, in der Zukunft. Da leben sie, da sind sie wirksam zum Heile der Menschheit! Und wir sehen: Auch alles Böse, Schlechte, Lügenhafte lebt weiter! Es vergeht nicht! Alle niederen, egoistischen Gedanken der Menschen, wir sehen sie in der Ferne, aber wir erkennen: das sind Abfallprodukte der Menschenentwicklung, sie sind unfruchtbar an sich. Aber sie haben doch ihre Aufgabe: diese Abfallprodukte dienen als Nahrung für das, was als das Gute sich entwickeln soll. Alles Böse, Schlechte wird zu dem, was sich als Nahrung für die Keime des Guten entwickeln soll. Wie hier auf dem physischen Plan der mineralische Boden die Nahrung abgibt für die Pflanzenwelt, wie der «Dünger» der Steine die Pflanze möglich macht, wie sich das eine immer von dem andern ernährt, so wird alles Bös-Gedachte, alles SchlechtErkannte der Bodensatz sein für die in der elementaren Welt aufkeimenden Gedanken des Guten, Edlen, Wahren. Durch ein solches Wissen kann der Okkultist sich das Schlechte, Irrtümliche, Böse, das er in der Welt sieht, so gut ausdeuten. Er sieht es um sich herum, er soll es sich in Gedanken vorstellen, aber er weiß, daß er nicht weiter gehen darf als bis zu diesem Punkt, wo es Gedanke ist. Er läßt es nicht in die Tat übergehen, die immer luziferisch-ahrimanisch ist. Er schaut sich in Gelassenheit an alles Schlechte und Böse, wissend, daß es einstmals den Boden abgeben wird, auf dem der Keim des Guten dereinst erwachsen soll. So hat es sich eigentlich in der Evolution der Erde auch abgespielt. Denn wie ist das Mineralreich der Erde entstanden? Als die Erde noch nicht da war, auf dem alten Monde, da haben die Hierarchien, von den Wesen, die damals Menschen waren, bis hinauf zu den Geistern der Form, sich zu dem, was im Erdenzustande uns als Weisheit umgibt, erst nach und nach hinaufgearbeitet. Sie haben Irrtum über Irrtum gedacht. Das war da am Platze. Aber aus all diesen Irrtümern ist als Abfallprodukt das Stoffliche, das Mineralische auf der Erde entstanden. Und aus diesem Erdenstoff hat Jahve-Elohim den Menschen bilden, ihm seine physische Hülle geben können. Luzifer aber, der ja auf ähnlicher Stufe ist wie die Elohim, will dasselbe noch immer ausführen. Aber er kann sich zu seinem Werk nur der Menschen bedienen, indem er den Irrtum, die Lüge, nur im Innern der Menschen denken lassen kann.
Meine lieben Schwestern und Brüder, ich möchte Euch heute drei Meditationsformeln geben zu Eurer Weiterarbeit auf Eurem Wege in die geistigen Welten hinauf. Ihr könnt sie nach Belieben meditieren, zum Beispiel die erste am Morgen, die zweite am Abend, die dritte sonntags. Oder auch die erste und zweite donnerstags und montags und die dritte ab und zu als Prüfung für das an den ersten beiden Erlebte. Nach und nach wird Euch die ganze Tiefe dieser Meditationen klar werden. I. Zu den Dingen wend ich mich Wend ich mich mit meinen Sinnen; ~ Sinnensein, du täuschest mich! - Was als nichts das Dasein flieht: Dir ist's Sein und Wesenheit; Was dir nichtig scheinen muß, Offenbare meinem Innern sich. - [Erste Zeile:] Zu den Dingen ... - wirklich soll sich die Seele wie mit einer inneren Geste zu den Dingen der Außenwelt wenden. Die zweite Zeile: Wend ich mich ... soll die erste verstärken. Man soll das wirklich innerlich erfühlen, wie man sich mit einem inneren Ruck den Dingen der Außenwelt zuwendet, nicht nur flüchtig hinschauend, sondern sie in ihrem Wesen erkennen wollend. In der dritten Zeile wird der Sinnenschein selbst angeredet. Die Seele soll lernen, für Momente sich intensiv frei zu machen von diesen Nichtsen der Sinneswelt, und indem sie immer mehr den Nichts-Charakter der Sinneswelt erkennt, wird sie ihre Stellung innerlich zum Physisch-Materiellen ganz verändern. Sie wird lernen, das Materielle zwar als notwendig anzusehen für das Leben in der Sinneswelt, aber zugleich sich zu erheben über dasselbe zu dem, was als schöpferisches Weltensein hinter ihnen [den Nichtsen] ist. Und sie wird allmählich lernen, sich so loszulösen von ihnen, daß sie sich wie mit Seelenschwingen weit ausbreitet in den Raum hinaus. Da wird sie schauen
und empfinden: Alles Materielle ist vergänglich - aber das Gute, Wahre in mir ist nicht vergänglich. Das ist ewig! Ich darf mitschaffen am Ewigen, mitbilden an dem Samen für ein Künftiges, indem meine Seele lebt in den Fluten des Göttlich-Wahren, Guten. In dem, was als Göttlich-Schöpferisches seit Urzeiten schafft und wirkt in der Welt. - E.D.N. II Geisteslicht erwarme mich Lass in dir mich wollend fühlen. Gutgedachtes, Wahr Erkanntes Wie erlebt dich leuchtend Ich Irrtumswehen, bös erdachtes Zeige dich der Leuchte-Seele Dass ich webend in mir sei. Haben wir uns in der ersten Strophe erhoben wie mit Seelenschwingen über das bloß Irdische, läßt uns diese zweite Strophe den Weg finden in unser eigenes Selbst. Wir versenken uns tief hinein in die Einsamkeit der Seele. Immer enger zieht sich das Ich zusammen! Es erkennt immer mehr, was es an guten und edlen und auch an bösen und törichten Gedanken in seiner Seele trägt. Und es erkennt an, daß beides im Entwicklungsgang des Erdenmenschen notwendig ist. Es ergibt sich dem Meditanten die Mission des Bösen: daß es die künftige Nahrung ist für das Gute. Daß dies Gute sich ernähren wird wie ein sprossender Keim aus dem Bodensatz des Bösen, daß es alles Böse, Lasterhafte verzehrt und selbst ein ewiges Dasein begründet. Und die Seele erkennt: Beides, das Böse und das Gute, wird von dem Christus entgegengenommen. Er wird es scheiden! Ihm müssen wir entgegentragen unser ganzes Seelendasein, damit es Früchte der Ewigkeit einst bringen kann; wir müssen lernen, es in den Christus hineintragen, hineinsterben zu lassen. - I. — M.
III. Leuchtend Ich und Leuchte-Seele Schwebet über wahrem Werdewesen Das Erdachte, das Erkannte Wird jetzt dichtes Geistessein. Und wie leichte Daseinsperlen Lebt im Meer des Göttlich-Wahren Was den Sinnen Dasein täuscht. Man könnte es für einen Fehler halten, daß hier [Zeile 1] zwei Subjekte sind, trotzdem das Verbum [Zeile 2] im Singular steht. Ich muß gestehen, daß mir das zuerst nicht auffiel, als die Meditation mir aus der geistigen Welt gegeben wurde. Man nimmt das zuerst nur entgegen und wird sich erst später klar darüber. In der geistigen Welt gibt es aber nichts, das theoretisch zu bewerten wäre. Da ist alles erlebt und empfunden.* Ebensowenig liegt auch eine Absicht darin, daß jede dieser drei Meditationsstrophen aus sieben Zeilen besteht. Diese letzte, dritte Strophe soll uns ein Prüfstein sein für die beiden ersten. Wenn wir sie meditieren, soll diese dritte Strophe uns zeigen, wie die beiden ersten sich fruchtbar erwiesen haben. Haben sie Früchte getragen, dann können wir erleben, wie unser ganzes Sein sich formt wie zu einem Kelch. Und wir erleben, daß unser Seelenkelch aufnimmt in sich, sich vereinigt mit dem das Universum durchwebenden und durchflutenden Weltengeist - den Heiligen Geist; den Auferwecker nimmt die Seele in sich auf, in ihm erwacht sie zu einem neuen Dasein - P.S.S.R. Wenn wir wirklich lernen, zu leben in diesen drei mantrischen Sprüchen, so erleben wir zugleich in immer neuer Form den unerschöpflichen Inhalt unseres aus zehn Worten bestehenden Rosenkreuzer-Spruches, der ja von so unendlich tiefer, mannigfacher Bedeutung ist. * Siehe hierzu auch München, 31. März 1914.
Aufzeichnung D* Einem jeden von uns liegt am Herzen der Fortschritt in der esoterischen Entwicklung. Jeder, der gewissenhaft übt, schreitet vorwärts; mancher, der seine Übungen pünktlich und gewissenhaft macht, kommt vielleicht mehr voran, als er glaubt. Wir müssen nur fein beobachten; leise und intim tritt die geistige Welt an uns heran. Freilich, das eine ist gewiß, daß jeder, der den Weg in die geistigen Welten finden will, umdenken muß. Sein ganzes Wahrnehmungs- und Empfindungsleben muß ein anderes werden. Dies «Anders-werden» wird nur so oft falsch verstanden. Die Menschen denken, daß sie das, was sie sich an Kenntnissen angeeignet haben auf dem physischen Plan, auch übertragen können auf die geistigen Welten. Der Esoteriker muß einsehen lernen, daß es andere Mittel sind, durch die man auf dem physischen Plan weiterkommt als die, durch welche man in die geistigen Welten eindringt. Immer mehr muß er sich hineinfühlen in die geistige Welt, sich sagen, daß es beim Meditieren nicht so sehr auf den Inhalt, die Gedanken ankommt, als auf die Gesinnung, die Stimmung der Seele, aus welcher heraus die Meditation ausgeführt wird. Sie sind es, die die Seele umformen und die Organe der Seele herausbilden. Wenn sich der Esoteriker in einer solchen richtigen Seelenverfassung befindet, so wird er auch immer mehr dahin gelangen, seinen Ätherleib zu fühlen. Wenn ich die Hand ausstrecke und mich an der Tafel hier stoße, so würde man im Physisch-Sinnlichen sagen: Da ist ein Gegenstand, an dem meine Hand einen Widerstand gefunden hat - im Geistigen ist da gerade ein Nichts; es sind da Löcher, Lücken in der geistigen Welt, wo sinnlich wahrnehmbare Gegenstände im Physischen sind. Aber bevor ich an diesen Widerstand komme, dringe ich hindurch durch die geistige Welt, die * Die Aufzeichnung hat die Orts- und Datumangabe: «Berlin, 27. März 1914 (Wien, 11. April 1914)».
ganz mit Realitäten, mit geistigen Wesenheiten angefüllt ist. In Wahrheit sehen wir nicht die Gegenstände im Raum, sondern die Umrisse der geistigen Welt. Zu solcher Erkenntnis muß sich der Esoteriker durchringen. Hinter allem muß er den Geist sehen. Steht er einer Herbstlandschaft gegenüber, so muß er in dem Vergehenden, Absterbenden schon die neuen lebendigen Keime erahnen, sie sich losringen sehen, die im Frühling sich opfern, indem sie sich mit Materie umkleiden werden. Ein ganz einfaches Beispiel kann uns übrigens zeigen, daß da, wo im Physischen sinnlich wahrnehmbare Gegenstände, im Geistigen lauter Nichtse sind - man nehme eine Flasche Selterswasser: Wie man das Wasser, obgleich es doch dichter ist, nicht sieht vor den leuchtenden Kugeln der perlenden Kohlensäure, die doch nur Luft, ein «Nichts» sind -, so sieht man auch das Geistige nicht vor den schillernden Dingen der sinnlichen Wahrnehmungswelt. Hat sich der Esoteriker in diese Wahrheit, daß er im Physisch-Sinnlichen von lauter Nichtsen umgeben ist, eingelebt, so wird ihm auch bald eine zweite Wahrheit aufgehen, die des Es denkt mich, nicht ich denke, nämlich daß alle unsere Gedanken nur schattenhaft sind. Wir sind gewohnt zu glauben, daß das Denken im physischen Leibe verläuft; dem ist aber nicht so. In Wahrheit ist der Ätherleib der Urheber unserer Gedanken. Der physische Leib hat nur insofern damit zu tun, als er der Spiegel ist, der die im Ätherleib erzeugten Gedanken zurückwirft. Wenn der Mensch in einen Spiegel schaut, so hat er vor sich sein Spiegelbild: Der Spiegel gibt ihm den äußeren Eindruck seiner physischen Gestalt wieder; ohne ihn, seine Person, könnte auch kein Spiegelbild da sein; dieses ist also nur ein Schattenbild seiner äußeren Gestalt. - Ebenso sind die Gedanken, die im Ätherleib ihren lebendigen Sitz haben, wenn wir sie denken in unserem physischen Gehirn, nur Spiegelbilder-Schatten. Wir sollen durch Meditation, Konzentration dahin gelangen, uns von diesen Schattengedanken loszulösen durch das Konzentrieren
unserer Seele, unseres Selbstes im Ätherleib, damit wir so durchdringen zu dem wahren, eigentlichen Urgrund unserer Gedanken, die im Ätherleib ihr Leben haben. Haben wir uns dahin erzogen, das Schattenhafte unserer Gedanken und unserer äußeren Umgebung zu erkennen und immer mehr fallen zu lassen, dann wachsen wir hinein in die geistige Welt. Dann werden wir auch erkennen, daß alles, was wir auf Erden an Gedanken der Güte, des Wohlwollens, des Edlen erzeugen, sich zu bleibenden, unvergänglichen Daseinswerten umsetzt, die weiterbestehen werden. Wir sehen sie vor uns in der Ferne, in der Zukunft, da leben sie zum Heile der Menschheit. Und auch alles Böse, Schlechte, Lügenhafte lebt, alle niederen egoistischen Gedanken - wir sehen sie vor uns wie in der Ferne, aber sie sind als Abfallprodukt zurückgeblieben, sie sind Nahrung für das Gute. Alles Böse, Schlechte wird zu dem, was an sich unfruchtbar ist, was aber zur Nahrung wird für das, was sich aus dem Keime des Guten entwickeln soll. Wie hier auf dem physischen Plan der mineralische Boden die Nahrung abgibt für die Pflanzen und sich das eine immer von dem andern ernährt, so wird alles bös Gedachte, alles schlecht Erkannte der Bodensatz für die in der elementaren Welt aufkeimenden Gedanken des Guten, Edlen, Wahren. Daher kann auch der Okkultist das Schlechte, Irrtümliche sich so gut ausdeuten; er soll es sich in Gedanken vorstellen, aber er weiß, daß er nicht weiter gehen darf als bis zu diesem Punkt, wo es Gedanke ist; er läßt es nicht in die Tat, die Wirklichkeit übergehen, die immer luziferisch und ahrimanisch ist; er weiß, daß es den Boden abgibt, auf dem der Keim des Guten dereinst erwachsen soll. So ist es eigentlich in der Evolution der Erde auch geschehen, so ist das Mineralreich der Erde entstanden. Auf dem alten Monde haben die Hierarchien vom Menschen aufwärts bis zu den Geistern der Form den Irrtum gedacht. Das war da am Platz und daraus ist das Stoffliche, Mineralische auf der Erde entstanden. Und aus diesem Erdenstoff hat Jahve-Elohim den Menschen bilden, ihm seine physische Hülle geben können. Luzifer aber, der ja auf ähnlicher Stufe ist, wie die Elohim auf dem Monde waren, will dasselbe noch immer ausführen. Er kann sich dazu aber nur des Menschen bedienen, er kann den Irrtum nur im Innern des Menschen denken lassen. Da es mir momentan nicht möglich ist, mit einzelnen zu sprechen, so möchte ich hier drei Formeln geben, die nach Belieben meditiert werden können. Zum Beispiel die erste am Morgen, die zweite am Abend, die dritte sonntags, oder auch die erste und zweite montags und donnerstags und die dritte nur ab und an als Prüfung des in den zwei anderen Meditationen Erlebten; sie werden uns dann ganz klar werden. I. Zu den Dingen wend ich mich Wend ich mich mit meinen Sinnen; — Sinnensein, du täuschest mich! - Was als nichts das Dasein flieht: Dir ist's Sein und Wesenheit; Was dir nichtig scheinen muß, Offenbare meinem Innern sich. - Zu den Dingen ... - wirklich soll sich die Seele wie mit einer inneren Geste zu den Dingen wenden. Die zweite Zeile: Wend ich mich ... - verstärkt die erste; ich soll das wirklich innerlich fühlen. In der dritten Zeile rede ich das Sinnensein an. Die Seele soll sich frei machen vom Physischen, von dem Nichts der Sinnenwelt. Sie soll sich vom Physisch-Materiellen erheben zu dem, was hinter den Dingen ist. Sie soll sich weit ausbreiten in den Raum hinaus und empfinden: Das Gute in mir ist ewig; es ist der Same für Künftiges - Ex Deo Nasamur IL Geisteslicht erwarme mich Lass in dir mich wollend fühlen. Gutgedachtes, Wahr Erkanntes
Wie erlebt dich leuchtend Ich Irrtumswehen, bös erdachtes Zeige dich der Leuchte-Seele Dass ich wehend in mir sei. Bei dieser Strophe sollen wir uns in uns selbst versenken, in die Einsamkeit der Seele. Das Ich zieht sich aufs engste zusammen; es erkennt, was es an guten und edlen, an bösen und törichten Gedanken in seiner Seele trägt; aber es empfindet: Böses und Gutes, beides ist notwendig; das Böse ist die künftige Nahrung für das Gute, denn das Gute wird sich ernähren wie ein sprossender Keim, der das Böse, das Lasterhafte verzehrt und selbst ewig bleibt. Beides wird vom Christus aufgenommen und in die Zukunft hineingetragen. Soll das Gute, das wir erzeugt haben, da Früchte bringen, so müssen wir es in den Christus hineintragen - In — morimurl III. Leuchtend Ich und Leuchte-Seele Schwebet über wahrem Werdewesen Das Erdachte, das Erkannte Wird jetzt dichtes Geistessein. Und wie leichte Daseinsperlen Lebt im Meer des Göttlich-Wahren Was den Sinnen Dasein täuscht. Man könnte es für einen Fehler halten, daß hier zwei Subjekte sind und trotzdem das Verb im Singular steht. Ich muß gestehen, daß mir das zuerst nicht auffiel, als die Mantrams mir aus der geistigen Welt gegeben wurden. Man nimmt das so hin und wird sich erst später klar darüber. In der geistigen Welt gibt es so wenig Theoretisches, alles ist erlebt gefunden. Ebensowenig liegt auch Absicht dabei vor, daß jede der drei Strophen aus sieben Zeilen besteht.
Die dritte Strophe soll ein Prüfstein sein für die zwei anderen. Prüfen sollen wir uns, wie weit das Meditieren über die zwei anderen frachtbar gewirkt hat. Dann werden wir einen Kelch erblicken; wie in geistiger Kommunion wird sich unsere Seele vereinigen mit dem das Universum durchwebenden und durchflutenden Weltengeist. Auferweckt sollen wir werden durch den Heiligen Geist - Per Spiritum Sanctum reviviscimus. Wenn wir wirklich in diesen drei Mantrams leben, so erleben wir zugleich, was in den drei Gliedern unseres aus zehn Worten bestehenden Rosenkreuzerspruchs gesagt ist, der ja von so unendlich tiefer und mannigfaltiger Bedeutung ist.
Cite:
GA 266c/1914-03-27/p004-p007 · edition original