Spiritual Science and Medicine

GA 312/1920-03-24 · 1920-03-24 · original · 31 passages · 6408 words
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## GA 312 — 24 March 1920, Dornach

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### Vierter Vortrag

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Die Auseinandersetzung gestern nachmittag hier war gewiß außerordentlich interessant, doch im Zusammenhange mit der Frage, die ich eben jetzt hier sehe, bin ich genötigt, doch noch einmal, was ich ja schon getan habe, zu betonen, daß eine zulängliche Methode, um den Zusammenhang zwischen den einzelnen Heilmitteln und den einzelnen Krankheitserscheinungen aufzufinden, erst wird gegeben werden können, nachdem wir vorher in diesen Betrachtungen gewisse Vorfragen werden erledigt haben, die uns erst in den Stand setzen, die Tragweite von Erkenntnissen über den Zusammenhang zwischen dem Menschen und dem Außermenschlichen zu ermessen, also auch jenem Außermenschlichen, aus dem die Heilmittel entnommen werden. Insbesondere ist es nicht möglich, ohne Erledigung solcher Vorfragen über den Zusammenhang einzelner Heilmittel mit einzelnen Organen zu sprechen, aus dem einfachen Grunde, weil dieser Zusammenhang kein vollständig einfacher, sondern ein etwas komplizierter ist und man seinen eigentlichen Sinn erst ermessen kann, wenn man eben gewisse Vorfragen, die wir heute und vielleicht auch noch zum Teil morgen werden zu erledigen haben, erledigt hat. Dann wird sich aber die Möglichkeit ergeben, wirklich einen konkreten Zusammenhang zwischen einzelnen Heilmitteln und namentlich Heilverfahren und einzelnen Organerkrankungen auseinanderzusetzen. Im besonderen möchte ich aber gleich heute einleitungsweise noch etwas sagen, was ich Sie bitte, doch vorläufig aus dem Grunde hinzunehmen, weil von da aus auf manches ein gewisses Licht fallen könnte. Und weil natürlich solche Dinge zunächst schockieren, muß ich schon betonen, daß sie eben etwas schockierend sind. Ich möchte gerade in Anknüpfung an das gestern nachmittag hier Erörterte sagen, daß ich Sie bitten möchte, die andere Seite der Sache ins Auge zu fassen.

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Zu gewiß unserer tiefsten Befriedigung sind gestern hier zahlreiche sehr lehrreiche Fälle angeführt worden von ganz bestimmten Heilungen. Nun kann ich Ihnen ein sehr einfaches Mittel angeben, wodurch diese Heilungen viel seltener und seltener werden würden. Aber nur aus dem Grunde möchte ich dieses Mittel angeben, damit Sie es nicht gerade gebrauchen — und es liegt so nahe, es zu gebrauchen. Ich kann von diesem Mittel natürlich nur in einem Kreise von anthroposophisch vorgebildeten Persönlichkeiten sprechen. Dieses Mittel würde darinnen bestehen, daß Sie alle Hebel in Bewegung setzen würden, um die Ritiersche Therapie zu einer allgemeinen Angelegenheit zu machen. Sie berücksichtigen bei den Heilerfolgen nicht, daß Sie als einzelne Ärzte dastehen. Ja, vielleicht mag gewiß der Einzelne sich dessen bewußt sein, daß Sie als einzelne Ärzte dastehen, zu kämpfen haben gegen die große Masse der anderen Ärzteschaft und daß Sie in dem Augenblicke, wo Sie die Rittersche Therapie zu einer Universitätsangelegenheit machen, wo Sie durchsetzen würden, daß Sie nicht mehr in der Opposition ständen, sondern daß von - ich will gar nicht einmal sagen allen —, sondern von sehr vielen so geheilt werden würde, Sie die Erfahrung machen würden, daß Ihre Heilerfolge sich beträchtlich zurückzögen. So sonderbar sind die Dinge im wirklichen Leben. Die Dinge sind nämlich zuweilen ganz anders, als man sich sie vorstellt. Als einzelner Arzt hat man selbstverständlich das größte Interesse, den einzelnen Menschen zu heilen, und die moderne materialistische Medizin hat sich in dieser Weise sogar, ich möchte sagen, eine Art Rechtsgrund ausgesucht, um nur ja darauf losgehen zu müssen, den einzelnen Menschen zu heilen. Ja, aber dieser Rechtsgrund besteht darin, daß man sagt: Es gibt überhaupt keine Krankheiten, sondern kranke Menschen. Selbstverständlich, wenn die Menschen auch in bezug auf die Krankheit so isoliert wären, wie das äußerlich aussieht heute, dann würde dieser Rechtsgrund ein wirklicher Grund sein. Aber das, was wirklich stattfindet, ist, daß die Menschen tatsächlich nicht so isoliert sind, daß solche Dinge eine große Bedeutung haben, wie das gestern von Ihnen, Herr Dr. Ederle, Angeführte, daß gewisse Krankheitsspannungen ganze breite Territorien umfassen, und daß Sie niemals konstatieren können, wenn Sie einen Einzelnen geheilt haben, wie vielen anderen Sie vielleicht die Krankheit in einem anderen Falle aufgehalst haben. Sie stellen sich nicht den einzelnen Krankheitsfall in den ganzen Prozeß hinein, und daher sind solche Dinge im einzelnen außerordentlich frappierend. Aber derjenige, der das Ganze des Heiles der Menschheit im Auge hat, der muß, ich möchte sagen, doch aus einer anderen Ecke heraus sprechen.

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Das ist dasjenige, was eben notwendig macht, daß man nicht einseitig, bloß therapeutisch sich orientiert, sondern daß man die Therapie vollständig herausarbeitet aus der Pathologie. Das ist es gerade, was wir hier versuchen wollen, daß eine gewisse Ratio hineinkommt in dasjenige, was sonst doch nur ein empirisch-statistisches Denken ist.

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Nun wollen wir heute ausgehen von einer allbekannten Tatsache, die aber durchaus im Zusammenhange des naturwissenschaftlichen medizinischen Denkens nicht gewürdigt wird und welche die Grundlage abgeben kann für eine Beurteilung des Verhältnisses des Menschen zu der außermenschlichen Natur. Das ist die Tatsache, daß der Mensch als ein dreigliedriges Wesen, als Nerven-Sinneswesen, als Zirkulationswesen, als rhythmisches Wesen also, und als Stoffwechselwesen, durch sein Stoffwechselwesen in einem negativen Verhältnis steht zu dem, was draußen in der Natur, in der Pflanzenwelt vorgeht. Sie wollen sich bitte die Tatsache vor die Seele rücken, daß draußen in der Natur, wenn wir zunächst nur die Pflanzenwelt innerhalb dieser Natur beobachten, in der Flora sich die Tendenz bemerkbar macht, gewissermaßen den Kohlenstoff zu konzentrieren, den Kohlenstoff zur Grundlage der gesamten Flora zu machen. Wir sind umgeben, indem wir von Pflanzen umgeben sind, von Organismen, von Formgebilden, deren Wesenheit auf der Konzentration des Kohlenstoffes beruht. Vergessen Sie nicht, daß dasjenige, was dieser Bildung zugrunde liegt, auch im menschlichen Organismus auftritt, daß aber der menschliche Organismus es in seinem Wesen hat, diese Bildung in der Bildung, gewissermaßen in einem weitergehenden Status nascendi, aufzuheben, zu zerstören und die entgegengesetzte Bildung an deren Stelle zu setzen. Wir haben den Anfang dieses Prozesses in uns in dem, was ich in diesen Tagen den unteren Menschen genannt habe. Wir setzen den Kohlenstoff ab, beginnen gewissermaßen aus unseren eigenen Kräften heraus den Prozeß des Pflanzenwerdens und müssen uns, veranlaßt durch unsere obere Organisation, gegen dieses Pflanzenwerden wehren. Wir heben es auf, indem wir dem Kohlenstoff den Sauerstoff entgegensetzen, ihn zur Kohlensäure verarbeiten und dadurch in uns den entgegengesetzten Prozeß des Pflanzenwerdens ausbilden müssen.

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Auf diese Gegenprozesse gegen die äußere Natur bitte ich Sie überall zu achten. Denn wenn Sie darauf achten, so werden Sie zu einem gründlicheren und gründlicheren Verständnis des wirklichen Menschen kommen. Sie verstehen den Menschen als solchen nicht, wenn Sie ihn abwiegen — das nur symbolisch gesprochen für das andere Untersuchen nach physikalischen Untersuchungsmethoden —, Sie verstehen aber sofort etwas selbst über die Mechanik des Menschen, wenn Sie erwägen, daß das Gehirn sein bekanntes Gewicht hat von, sagen wir durchschnittlich 1300 Gramm, daß es aber nicht mit diesem Gewichte auf die untere Fläche des Schädels drücken kann, denn wir würden sofort alles das, was da an feinen Äderchen sich ausbreitet, zerdrückt bekommen, wenn wir das Gehirn drückend hätten mit seinem eigenen Gewicht. Das Gehirn drückt höchstens mit etwa zwanzig Gramm auf seine Unterlage. Das rührt davon her, daß das Gehirn nach dem bekannten archimedisch-hydraulischen Prinzip einen Auftrieb erfährt, indem es eigentlich in Wirklichkeit im Gehirnwasser schwimmt, so daß die ganze überwiegende Masse des Gehirngewichtes einfach nicht wirkt, sondern durch den Auftrieb aufgehoben wird. Wie da die Schwere überwunden wird und wir nicht in dem physischen Gewichte unseres Organismus leben, sondern in der Aufhebung, in der dem physischen Gewicht entgegengesetzten Kraft, so ist es auch bei den anderen Prozessen des Menschen. Wir leben in der Tat nicht in dem, was die Physis mit uns macht, sondern in dem, was von der Physis aufgehoben wird. Und so leben wir auch in Wahrheit nicht in den Prozessen, welche wahrgenommen werden als Prozesse, die auch in der äußeren Natur sind, die im Pflanzenreiche ihre Endglieder erleben, sondern wir leben von der Aufhebung des Pflanzenwerdeprozesses. Das kommt natürlich ganz wesentlich in Betracht, wenn wir die Brücke schlagen wollen zwischen dem menschlichen Organismus in seinem Kranksein und den Pflanzenheilmitteln.

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Nun könnte man, ich möchte sagen, diese Sache schön novellistisch ausführen. Man könnte sagen, wenn wir unseren Blick richten auf all das, was uns umgibt als schöne Flora der Welt, so sind wir hoch erfreut, ganz hoch erfreut, mit Recht. Anders, wenn wir ein Schaf öffnen und unmittelbar nach dem Öffnen gleich von einer anderen Flora erfahren, die ganz entschieden auch ihre Entstehungsursache in ähnlicher Art hat, wie die Entstehungsursachen der äußeren Flora sind, wenn wir dadurch, daß wir ein Schaf öffnen nach dem Tode, den ganzen Verwesungsgeruch des Inneren dieses Schafes auf uns zuduftend finden, da sind wir über die Entstehung der intestinalen Flora, der Darmflora, ganz gewiß weniger erfreut. Und darauf ist es nötig, sein Hauptaugenmerk zu richten. Denn da ist es handgreiflich, wie einfach dieselben Ursachen, die draußen in der außermenschlichen Natur die Flora in die Wege leiten, im Menschen bekämpft werden müssen, wie da die intestinale Darmflora nicht entstehen darf. Denn hier eröffnet sich ein außerordentlich weites Forschungsgebiet, und jüngeren Medizinern, die noch im Studium sind, möchte ich es empfehlen, für ihre Doktorarbeiten ja recht viel aus diesem Gebiete zu verwenden, vor allen Dingen viel aus diesem Gebiete der vergleichenden Forschung über die Darmgestaltung bei den Formen der verschiedenen Tiere, über die Säugetiere herauf bis zum Menschen. Da wird sich ein außerordentlich reiches Feld ergeben, denn auf diesem Gebiete ist noch vieles außerordentlich Wichtige nicht erforscht. Versuchen Sie vor allen Dingen einmal, dahinter zu kommen, warum ein Schaf durch seine Darmflora, wenn wir es öffnen, so furchtbaren Verwesungsgeruch ausduftet und warum das selbst bei den aasfressenden Vögeln nicht der Fall ist, die, wenn man sie öffnet, verhältnismäßig angenehm sogar riechen.

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In diesen Dingen liegt ungeheuer viel, was bis heute ganz und gar wissenschaftlich noch nicht durchgearbeitet ist. Es liegt ferner sehr viel auf diesem Gebiete für eine Untersuchung der Darmformen. Bedenken Sie einmal, daß das ganze Vogelgeschlecht einen wesentlichen Unterschied von dem Säugetiergeschlecht und auch von dem Menschen aufweist. Bei dem Vogelgeschlechte findet sich — und materialistische Ärzte, wie zum Beispiel der Pariser Arzt Metschnikoff, haben die größten Irrtümer gerade über diese Dinge gedacht — ein außerordentlich kümmerliches Entwickeln der Blase und des Dickdarms. Erst da, wo die Vögel zu Laufvögeln werden, sehen wir, daß sich die Dickdarmformen, auch gewisse Ausbuchtungen in Blasenform ausbilden. So daß wir auf die wichtige Tatsache hingewiesen werden, daß die Vögel nicht die Gelegenheit dazu haben, ihre Ausscheidungen abzulagern, eine Weile im Organismus zu behalten, um sie dann bei willkürlicher Gelegenheit auszuschalten, sondern es findet ein kontinuierliches Ausgleichen zwischen dem Aufnehmen und dem Ausscheiden statt.

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Es ist eine der oberflächlichsten Anschauungen, wenn man in der ganzen Flora und, wie wir sehen werden, auch in der Fauna, die im Darm auftritt, die überhaupt im menschlichen Organismus auftritt, so etwas sieht wie die Ursache des Krankseins. Es ist schon wirklich eigentlich schrecklich, wenn man heute an die Prüfung der pathologischen Literatur herangeht und bei jedem Kapitel aufs neue darauf stößt: für diese Krankheit ist der Bazillus entdeckt, für jene Krankheit ist der Bazillus entdeckt und so weiter. Das sind alles außerordentlich interessante Tatsachen für die intestinale Botanik und Zoologie des menschlichen Organismus, aber für das Kranksein hat das keine andere Bedeutung als höchstens die eines Erkennungszeichens, eines Erkennungszeichens insofern nämlich, als man sagen kann: Wenn die oder jene Krankheitsform zugrunde liegt, so ist im menschlichen Organismus die Gelegenheit geboten, daß sich diese oder jene interessanten kleinen Tier- oder kleinen Pflanzenformen auf einem solchen Unterboden entwickeln, aber sonst weiter nichts. Mit der wirklichen Krankheit hat diese Entwickelung der kleinen Fauna und kleinen Flora in einem sehr geringen Maße etwas zu tun, höchstens in einem indirekten Maße. Denn sehen Sie, die Logik, die hier entfaltet wird innerhalb der heutigen Medizin, ist eine höchst eigentümliche. Denken Sie einmal, Sie entdecken eine Landschaft, in welcher Sie eine große Anzahl vorzüglich genährter und gut aussehender Kühe finden. Werden Sie dann sagen: weil diese Kühe irgendwie hereingeflogen sind, weil die Landschaft angesteckt worden ist durch diese Kühe, ist das alles, was Sie da sehen, so wie es ist? Es wird Ihnen wohl kaum einfallen, nicht wahr, sondern Sie werden genötigt sein, zu untersuchen, warum in dieser Landschaft fleißige Leute sind, warum ein besonders geeigneter Boden für diese oder jene Tierpflege da ist, kurz, Sie werden wohl bei allem möglichen, was die Ursache sein kann, daß da gut gepflegte Kühe sind, mit Ihren Gedanken Halt machen. Aber es wird Ihnen nicht einfallen, zu sagen: Dasjenige, was da geschieht, kommt davon her, daß die Landschaft angesteckt worden ist durch den Einzug von gut gepflegten Kühen. — Nicht anders aber ist die Logik, welche die heutige medizinische Wissenschaft mit Bezug auf Mikroben und dergleichen eigentlich entwickelt. Man sieht aus der Anwesenheit dieser interessanten Geschöpfe nichts weiter, als daß ein guter Mutterboden da ist, und auf die Betrachtung dieses Mutterbodens hat man selbstverständlich die Aufmerksamkeit zu richten. Daß dann indirekt das eine oder das andere vorkommen kann, wenn man zum Beispiel nun sagt: Hier in dieser Gegend sind gut gepflegte Kühe, geben wir ein paar mehr her, dann werden sich vielleicht einige Leute mehr noch dazu aufraffen, nun auch fleißig zu sein. — Das kann natürlich nebenbei eintreten. Es kann natürlich geschehen, daß ein gut vorbereiteter Mutterboden durch den Einzug von Bazillen angeregt wird, seinerseits nun auch in irgendwelche Krankheitsprozesse zu verfallen. Aber mit der eigentlichen Betrachtung des Krankseins hat diese gegenwärtige Betrachtung des Bazillenwesens in Wirklichkeit nicht das allergeringste zu tun. Würde man nur auf den Ausbau einer gesunden Logik Bedacht nehmen, so würde niemals eigentlich so etwas entstehen können wie das, was da zur Verheerung des gesunden Denkens gerade von offiziell betriebener Wissenschaft ausgeht.

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Dasjenige, was sehr in Betracht kommt, das ist, daß durch eine gewisse Beziehung des Oberen und Unteren im Menschen, wie ich sie in diesen Tagen charakterisiert habe, eben die Veranlassung gegeben werden kann, daß nicht das richtige Wechselverhältnis besteht zwischen dem Oberen und dem Unteren. So daß also durch eine zu geringe Gegenwirkung des oberen Menschen in dem unteren Menschen Kräfte tätig sein können, welche nicht aufhalten können den, ich möchte sagen, veranlagten und aufzuhaltenden Vegetationsprozeß, den Prozeß des Pflanzenwerdens. Dann ist auch die Gelegenheit zur Entstehung einer reichlichen Darmflora gegeben und dann wird die Darmflora zur Anzeige dafür, daß eben der Unterleib des Menschen nicht in entsprechender Weise arbeitet.

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Nun besteht das Eigentümliche, daß beim Menschen die Tätigkeiten, welche sich nach unteren Niveaus abspielen sollen, zurückgestaut werden, wenn sie sich dort nicht abspielen können. Wenn also im Unterleibe die Unmöglichkeit vorhanden ist, daß sich gewisse Prozesse, für die dieser Unterleib organisiert ist, abspielen, so werden diese Prozesse zurückgeschoben. Das mag manchem laienhaft ausgedrückt sein, ist aber wissenschaftlicher ausgedrückt als manches, was in den heute gebräuchlichen Pathologien steht. Es werden diese Prozesse, die sich regulär in den unteren Teilen des Menschen abspielen sollen, zurückgeschoben in die oberen Teile, und man hat den Ursprung sogar von Ausscheidungen der Lunge und anderer nach oben gelegener Teile wie Rippenfell und dergleichen durchaus so zu verfolgen, daß man nachsieht, wie es sich mit den normalen oder abnormen Ausscheidungsprozessen des menschlichen Unterleibes verhält. Das ist außerordentlich wichtig, daß man dieses Zurückschieben der organischen Prozesse durch den Unterleib nach dem Oberleib ordentlich ins Auge faßt, daß also vieles, was im Oberleibe vor sich gehen kann, nichts anderes als die zurückgeschobenen Prozesse des Unterleibes sind. Wenn nicht das richtige Wechselverhältnis zwischen dem oberen Menschen und dem unteren stattfindet, dann schieben sich diese Prozesse zurück.

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Nun beachten Sie zu diesem hinzu etwas anderes. Sie wissen ja wohl aus der gewöhnlichen Erfahrung, daß eine Tatsache besteht, wiederum eine Tatsache, die nur nicht genügend ausgewertet wird, und auf das Auswerten dieser Tatsache kommt es bei einer gesunden Wissenschaft an. Es besteht die Tatsache, daß in dem Augenblicke, wo Sie Gedanken haben über ein bestimmtes Organ, besser gesagt Gedanken, die mit irgendeinem bestimmten Organ zusammenhängen, eine gewisse Tätigkeit dieses Organes auftritt. Studieren Sie — und hier ist wiederum reiches Gebiet für künftige Doktordissertationen —, studieren Sie einmal den Zusammenhang gewisser im Menschen auftretender Gedanken mit, sagen wir, der Speichelabsonderung, der Schleimabsonderung im Darm, der Absonderung der Milch, der Absonderung des Urins, der Absonderung des Samens, studieren Sie, wie da auftreten gewisse Gedanken, deren Auftreten parallel geht mit diesen organischen Erscheinungen.

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Was haben Sie da für eine Tatsache vorliegend? Nicht wahr, in Ihrem Seelenleben treten die bestimmten Gedanken auf: organische Erscheinungen vollziehen sich als Parallelprozesse. Was heißt das? Das, was in Ihren Gedanken auftritt, das ist ganz in den Organen darinnen. Wenn Sie also einen Gedanken haben und irgendeine parallelgehende Drüsenabsonderung, so haben Sie die Tätigkeit, die dem Gedanken zugrunde liegt, die dem Denken zugrunde liegt, herausgeholt aus der Drüse. Sie verrichten sie abgesondert von der Drüse, Sie überlassen die Drüse ihrem eigenen Schicksal, und die Drüse widmet sich ihrer eigenen Tätigkeit, sie sondert ab. Dieses Absondern ist verhindert, das heißt dasjenige, was sonst von der Drüse entlassen wird, bleibt mit der Drüse vereinigt dadurch, daß der Gedanke es vereinigt hat. Sie haben also hier, ich möchte sagen, handgreiflich das Heraustreten der Bildetätigkeit aus dem Organ in den Gedanken hinein. Sie können sich sagen: Hätte ich nicht so gedacht, so hätte meine Drüse nicht abgesondert. Das heißt, ich habe die Kraft der Drüse entzogen, habe sie in mein Seelenleben versetzt, diese Kraft, und die Drüse sondert ab. — Da haben Sie im menschlichen Organismus selbst den offenkundigsten Beweis für das, was ich gesagt habe in den vorhergehenden Betrachtungen, daß dasjenige, was wir im Geistig-Seelischen erleben, eigentlich nichts anderes ist als die abgesonderten Bildungskräfte für dasjenige, was wir in der übrigen Naturordnung vor uns haben. Was draußen in der übrigen Natur vor sich geht durch dasjenige, was sich in der äußeren Natur als äußere Flora gegenüber unserer Darmflora parallel entwickelt, in dem stecken einfach drinnen die Bildungskräfte, die wir aus unserer Darmflora herausziehen. Sehen Sie draußen auf die Flora der Berge, auf die Flora der Wiesen, so müssen Sie sich eigentlich sagen: Da drinnen stecken dieselben Kräfte, die Sie in Ihren Gedanken entwickeln, wenn Sie im Vorstellen, im Fühlen leben. — Und Ihre Darmflora ist deshalb eine andere als die Flora draußen, weil der Flora draußen die Gedanken nicht weggenommen zu werden brauchen. Die bleiben in den Pflanzen drinnen stecken wie ihre Stengel, Blätter, Blüten. Hier bekommen Sie einen Begriff von der Verwandtschaft desjenigen, was in den Blüten, in den Blättern waltet, mit demjenigen, was in Ihnen selbst vorgeht, wenn Sie eine Darmflora entwickeln, der Sie nun nicht die Bildungskräfte lassen, sondern der Sie sie wegnehmen, indem Sie, wenn Sie sie nicht wegnehmen würden, kein denkender Mensch wären. Sie nehmen Ihrer Darmflora das weg, was draußen die Flora hat.

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Nicht minder ist es so der Fall bei der Fauna. Ebensowenig wie man ohne Einsicht in diese Dinge zu einem Zusammenhang zwischen dem Menschen und dem Pflanzenheilmittel kommen kann, ebensowenig kann man, ohne ein Bewußtsein davon, daß man als Mensch wegnimmt seiner eigenen Darmfauna die Kräfte, die drauBen in der Tierwelt formgebend sind, einen richtigen Begriff bekommen von der Anwendung der Heilsera.

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Sie sehen daraus, daß eine Ratio, eine Systematik dieser Dinge erst möglich ist, wenn man so den Zusammenhang des Menschen mit seiner Umgebung wirklich ins Auge faßt. Dann möchte ich Sie aber noch auf etwas aufmerksam machen, was außerordentlich bedeutend ist. Ich weiß nicht, ob viele unter Ihnen sind, die noch miterlebt haben, wie außerordentlich gräßlich es geworden ist, als vor einiger Zeit die lächerlichsten Spuckverbote überall geherrscht haben. Durch diese Spuckverbote wollte man die Tuberkulose, wie Sie wissen, bekämpfen. Nun, diese Spuckverbote sind aus dem Grunde lächerlich, weil jeder wissen sollte, daß schon das allergewöhnlichste diffuse Sonnenlicht in der kürzesten Zeit die Bazillen, die Tuberkelbazillen tötet, so daß also, wenn Sie ein Sputum nach einiger Zeit, nach ganz kurzer Zeit untersuchen, keine Tuberkelbazillen mehr drinnen sind. Das Sonnenlicht tötet sofort diese Bazillen. So daß also, selbst wenn die Voraussetzung der gewöhnlichen Medizin richtig wäre, selbst dann noch dieses Spuckverbot etwas außerordentlich Lächerliches sein würde. Solche Verbote haben höchstens einen Sinn für die ganz gewöhnliche Reinlichkeit, aber nicht für die Hygiene im weitesten Sinne.

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Aber für den, der nun wiederum anfängt, Tatsachen richtig zu werten, hat das eine sehr, sehr große Bedeutung, denn es weist uns ja darauf hin, daß der Angehörige der Tuberkel-Fauna oder -Flora, der Bazillus, am Sonnenlicht sich nicht halten kann. Er kann sich am Sonnenlicht nicht halten. Das paßt ihm nicht. Wann kann er sich halten? Wenn er im Innern des menschlichen Leibes ist. Und warum kann er sich da drinnen just halten? Nicht als ob er der eigentliche Schädiger wäre, aber dasjenige, was da drinnen tätig ist, das ist das, was man aufsuchen muß. Und da beachtet man etwas nicht. Wir sind fortwährend vom Licht umgeben, von dem Licht, das — wie Sie aus der Naturwissenschaft wohl behalten haben — die größte Bedeutung für die Entwickelung der außermenschlichen Wesen hat, namentlich die größte Bedeutung hat für die Entwickelung der gesamten außermenschlichen Flora. Wir sind von diesem Lichte umgeben. An der Grenze zwischen uns und der Außenwelt geschieht aber mit diesem Lichte, also mit etwas rein Ätherischem, etwas sehr Bedeutsames: es wird umgewandelt. Und es muß umgewandelt werden. Sehen Sie, gerade so, wie der Pflanzenwerdeprozeß vom Menschen aufgehalten wird, wie dieser Pflanzenwerdeprozeß, ich möchte sagen, abgebrochen wird und wie ihm entgegengearbeitet wird durch den Prozeß der Entstehung der Kohlensäure, so wird auch dasjenige, was im Lichtleben ist, im Menschen abgebrochen. Suchen wir daher das Licht im Menschen, so muß es etwas anderes sein, so muß es eine Metamorphose des Lichtes sein. Wir finden in dem Augenblicke, wo wir die Grenze des Menschen nach innen überschreiten, eine Metamorphose des Lichtes. Das heißt, der Mensch wandelt in sich nicht nur die gewöhnlichen äußeren ponderablen Naturvorgänge um, sondern der Mensch wandelt auch das Imponderable um, das Licht. Er macht es zu etwas anderem. Wenn sich nun der Tuberkelbazillus im Menschen wohl befindet, während er am Sonnenlichte sofort krepiert, so bezeugt eine solche Tatsache, wenn man sie richtig wertet, einfach, daß in dem Umwandelungsprodukt des Lichtes, das im Innern des Menschen auftritt, das Lebenselement dieses Bazillus schon ist, daß also, wenn er darinnen zu viel gedeiht, mit diesem umgewandelten Lichte es irgendwie nicht richtig stehen muß. Und Sie bekommen von da ausgehend eine Einsicht in die Tatsache, daß in den Ursachen der Tuberkulose es auch liegen muß, daß mit diesem umgewandelten Lichte, mit dieser Metamorphose des Lichtes, in dem Menschen etwas vorgeht, was eigentlich nicht vorgehen sollte, sonst würde er nicht zu viel von den ja immer vorhandenen Tuberkelbazillen aufnehmen. Sie sind ja immer da, nur daß sie sonst in einer ungenügenden Anzahl vorhanden sind; sie sind überreichlich vorhanden, wenn der Mensch der Tuberkulose unterliegt. Sonst würde sich der Tuberkelbazillus nicht überall vorhanden zeigen, wenn nicht etwas Unnormales da wäre in bezug auf die Entwickelung dieses metamorphosierten Sonnenlichtes.

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Nun wird es ja nicht schwer sein, wiederum durch eine genügende Anzahl von Dissertationen und Privatdozentenabhandlungen auf diesem Gebiete herauszubekommen — das empirische Material wird Ihnen nur so zufliegen für die Dinge, die ich hier natürlich nur als Gesichtspunkte geben kann —, daß dasjenige, was da eintritt, wenn der Mensch ein geeigneter Mutterboden für die Tuberkelbazillen wird, darinnen besteht, daß der Mensch entweder nicht genügend fähig ist, Sonnenlicht aufzunehmen, oder durch seine Lebensweise nicht genügend bekommt, so daß nicht ein ordentlicher Ausgleich zwischen dem auf ihn eindringenden Sonnenlicht und seiner Verarbeitung des Sonnenlichtes zu einer Metamorphose besteht, sondern daß er genötigt ist, Reserven zu holen aus dem immer in ihm aufgespeicherten metamorphosierten Licht.

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Das bitte ich Sie durchaus zu berücksichtigen, daß der Mensch einfach dadurch, daß er Mensch ist, fortwährend aufgespeichertes metamorphosiertes Licht in sich hat. Das ist nötig zu seiner Organisation. Vollzieht sich der Wechselprozeß zwischen dem Menschen und dem äußeren Sonnenlicht nicht in der richtigen Weise, dann wird ebenso, wie bei der Abmagerung dem Körper Fett entnommen wird, das er für sich braucht, ihm unter solchen Einflüssen das metamorphosierte Licht entzogen. Und der Mensch steht in einem solchen Falle vor einem Dilemma, entweder sein Oberes erkranken zu machen oder seinem Unteren zu entziehen dasjenige, was er für das Obere braucht, das heißt: das Untere erkranken zu machen, indem er ihm das metamorphosierte Licht entzieht.

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Sie sehen daraus, daß der Mensch einfach zu seiner Organisation nicht nur die von außen her kommenden und umgewandelten ponderablen Substanzen braucht, sondern daß eine richtige Betrachtung des Menschen uns darauf hinweist, daß in ihm auch imponderable Substanzen, ätherische Substanzen vorhanden sind, aber in Metamorphose. Daraus ersehen Sie aber, wie wir durch solche Grundlagen die Möglichkeit schaffen, gerade eine richtige Anschauung auszubauen für die heilende Wirkung des Sonnenlichtes, zum Beispiel auf der einen Seite dadurch, daß wir den Menschen direkt dem Sonnenlichte aussetzen, um wiederum zu regulieren seinen in Unordnung gekommenen Wechselprozeß mit dem umgebenden Sonnenlicht, oder ihn andererseits auszusetzen innerlich solchen Substanzen, welche dasjenige ausgleichen, was sich in Unregelmäßigkeit abspielt als Entziehen des metamorphosierten Lichtes. Dieses Entziehen des metamorphosierten Lichtes muß man paralysieren mit dem, was aus den Heilmitteln kommen kann. Da können Sie hineinschauen in die menschliche Organisation.

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Nun besteht für den, der überhaupt die Welt betrachten kann, das Eigentümliche, daß er — verzeihen Sie, wenn ich mich etwas undiplomatisch ausdrücke — nach einiger Zeit — es ist aber ganz objektiv, eigentlich ohne Sympathie und Antipathie gemeint, obwohl man scheinbar dem widersprechen könnte, was ich sage eine gewisse Wut bekommt auf alles Mikroskopieren, auf alles Untersuchen im Kleinen, weil das Mikroskopieren eigentlich eher wegführt von einer gesunden Auffassung des Lebens und seiner Störungen, als es zu ihr führen kann. Denn alle wirklichen Prozesse, die uns angehen im Menschen in seinem Gesund- und in seinem Kranksein, können wir viel besser studieren im Makroskopischen als im Mikroskopischen. Wir müssen nur im Makrokosmos die Gelegenheiten aufsuchen, um diese Dinge zu studieren.

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Da bitte ich Sie zu beachten, daß das Vogelgeschlecht infolge seiner mangelhaften Harnblase und seines mangelhaften Dickdarms einen fortwährenden kontinuierlichen Ausgleich hat zwischen Aufnehmen und Abscheiden. Der Vogel kann im Fluge abscheiden, er hält die Nahrungsüberreste nicht in sich auf, er lagert das nicht ab. Er hat dazu keine Gelegenheiten. Und würde er sie ablagern, so wäre es sogleich eine Krankheit, die ihn ruinieren würde. Insofern wir Menschen sind, physische Menschen sind, sind wir gewissermaßen — wie man entgegenkommend der heutigen Anschauung sagen kann — über den Vogel hinausgeschritten in seiner Entwickelung, wie man richtiger sagen könnte: unter den Vogel heruntergestiegen. Für den Vogel ist tatsächlich nicht nötig, daß er jene starken Kämpfe entwickelt gegen eine Darmflora, die in ihm gar nicht vorhanden ist, wie sie nötig ist beim höheren Tiere oder beim Menschen. Aber in bezug auf eine, ich möchte sagen, etwas höher gelegene Tätigkeit bei uns, in bezug auf die Tätigkeit der Umwandelung des Ätherischen zum Beispiel, was ich jetzt besprochen habe, der Umwandelung des Lichtes in seiner Metamorphose, da stehen wir auf dem Standpunkt des Vogels. Wir haben einen physischen Dickdarm und eine physische Blase, aber wir sind Vögel in bezug auf unseren Ätherleib, was diese Organe anbertrifft. Die sind tatsächlich im Kosmos dynamisch nicht vorhanden. Da sind wir darauf angewiesen, daß wir unmittelbar, indem wir das Licht empfangen, es auch verarbeiten und die Ausscheidungsprodukte wiederum abgeben. Und tritt da eine Störung ein, so ist sie eine Störung, der gar kein Organ entspricht, die wir also ohne Schädigung der Gesundheit nicht ohne weiteres ertragen können. So daß wir, wenn wir den Vogel mit seinem kleinen Gehirn betrachten, uns klar sein müssen, daß er im Makrokosmischen ein Abbild unserer feineren Organisation ist. Wollen Sie daher den Menschen studieren in bezug auf das, was als feinere Organisation sich abdrückt in seiner gröberen Organisation, die unter den Vogel heruntergeschritten ist, dann müssen Sie eben makrokosmisch die Vorgänge der Vogelwelt studieren.

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Nur möchte ich sagen — in der Klammer sei das bemerkt -: es wäre tatsächlich sehr traurig um das Leben der Menschen bestellt, wenn sie in ihrem ätherischen Organismus dieselbe Eigentümlichkeit gegenüber dem Vogelgeschlecht hätten, wie sie sie in ihrem physischen Organismus haben, da der ätherische Organismus nicht in dieser Weise von der Außenwelt abgeschlossen sein kann. Es würde bei der Ablagerung, sagen wir, des metamorphosierten Lichtes, wenn es dafür auch Geruchsorgane gäbe, etwas ganz Furchtbares herauskommen im Zusammenleben der Menschen. Doch, wie gesagt, das soll nur in Klammer bemerkt sein. Es würde das auftreten, was wir erleben, wenn wir eben ein Schaf nach seinem Tode öffnen und das Innere dann zu genießen haben, während wir tatsächlich in bezug auf unser Ätherisches als Menschen einander so gegenüberstehen, daß es sich vergleichen läßt mit dem durchaus nicht unangenehmen Geruch, der zum Beispiel beim Öffnen selbst eines aasfressenden Vogels — verhältnismäßig, relativ ist alles — auftritt, gegenüber dem Geruch, der auftritt, wenn wir namentlich einen Wiederkäuer öffnen, aber auch ein Tier, das erst die Anlage zum Wiederkäuer hat, wie zum Beispiel das Pferd — es ist kein wirklicher Wiederkäuer, aber es hat in seiner Organisation die Anlage zum Wiederkäuer.

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Es handelt sich also darum, nun zu untersuchen die Entsprechungen desjenigen, was in der äußeren Flora und Fauna vor sich geht, mit dem, was im menschlichen Organismus in der intestinalen Fauna und Flora vor sich geht, aber bekämpft werden muß. Und wollen wir den Zusammenhang zwischen irgendeinem Heilmittel und einem Organ feststellen, dann müssen wir von der allgemeinen Charakteristik, die wir heute entwickelt haben, zu der besonderen Charakteristik der folgenden Vorträge übergehen.

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Aber nun gehen Sie von hier aus, wie wir auf der einen Seite zu der Bekämpfung gehen mußten der innermenschlichen, der intestinalen Fauna und Flora, indem wir im Zirkulationsprozeß etwas entgegengesetzt finden ein Kämpfen gegen das Entstehen des Pflanzenwerdens, nun über zu dem eigentlichen Nerven-Sinnesmenschen. Er ist doch viel bedeutender für das Gesamtleben des Menschen, als man gewöhnlich glaubt. Dadurch, daß man die Wissenschaft zu einer solchen Abstraktion erhoben hat, hat man gar nicht die Möglichkeit gehabt, das in der entsprechenden Weise zu berücksichtigen, daß dieser Nerven-Sinnesmensch, durch den zum Beispiel das Licht und die mit ihm verbundene Wärme eigentlich doch eindringt, mit dem inneren Leben innig zusammenhängt, weil die Imponderabilien, die da mit dem Lichte eindringen, in den Organen metamorphosiert werden müssen und die Imponderabilien ebenso organbildend sind wie dasjenige, was in dem ponderablen Reiche existiert. Man hat gar nicht berücksichtigt, daß der NervenSinnesmensch für die Organisation des Menschen von besonderer Bedeutung ist. Aber während wir, wenn wir tiefer hineinsteigen in den unteren Menschen, aus der Darmflora bildenden Kraft in die Darmfauna bildende Kraft hinuntersteigen, kommen wir, wenn wir mehr hinaufsteigen in den Menschen, aus der Region, wo bekämpft wird die innere Flora, in das Gebiet, wo bekämpft werden muß fortwährend das Mineralischwerden des Menschen, ich möchte sagen, das Sklerotischwerden des Menschen. Sie können da, ich möchte sagen, schon äußerlich an der stärkeren Verknöcherung des Hauptes studieren, wie der Mensch, je mehr er sich nach oben entwickelt, durch seine Organisation eben zum Mineralischwerden neigt.

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Dieses Mineralischwerden, das hat aber für die ganze Organisation des Menschen eine große Bedeutung; denn sehen Sie, hier ist es, wo man immer wiederum darauf aufmerksam machen muß — ich habe das sogar in Öffentlichen Vorträgen schon getan —, daß man, wenn man den Menschen nun teilt in die drei Glieder: Kopfmensch, Rumpfmensch, Gliedmaßenmensch, man ja doch wahrhaftig nicht denken soll, daß diese drei Glieder so nebeneinander stehen und äußere räumliche Grenzen haben. Der Mensch ist natürlich ganz Kopfmensch, qualitativ eingeteilt. Dasjenige, was Kopf ist, dehnt sich wiederum über den ganzen Menschen aus, ist nur hauptsächlich im Kopfe. Ebenso ist es mit den anderen, Zirkulation, Gliedmaßen und Stoffwechsel, es dehnt sich immer über den ganzen Menschen aus. So daß selbstverständlich dasjenige, was für den Kopf- oder Hauptesmenschen vorhanden sein muß, als Anlage im ganzen Menschen vorhanden ist, und diese Anlage des Mineralischwerdens im ganzen Menschen bekämpft werden muß. Da liegt eben durchaus ein Gebiet, wo, wenn der heutige Mensch alte Werke aufschlägt, die noch aus atavistischem Hellsehen hervorgegangen sind, er gar nichts mehr verstehen kann. Denn schließlich die wenigsten lesen heute noch was Ordentliches heraus, wenn sie beim Paracelsus vom Salzprozesse lesen. Aber der Salzprozeß liegt auf dem Gebiete, das ich jetzt eben charakterisiere, geradeso wie der Schwefelprozeß auf dem Gebiete liegt, das ich vorhin charakterisiert habe.

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Also es handelt sich darum, daß der Mensch in sich die Tendenz hat, sich zu mineralisieren. Nun, geradeso aber, wie gewissermaßen selbständig werden kann dasjenige, was dem Fauna- und Floraprozeß zugrunde liegt, so kann für den ganzen Menschen diese Mineralisierungstendenz selbständig werden. Dieser Mineralisierungstendenz, wie ist ihr entgegenzuarbeiten? Ihr ist nicht anders entgegenzuarbeiten als dadurch, daß man sie zersprengt, daß man in sie gewissermaßen fortwährend kleine Keile hineintreibt. Und hier haben Sie das Gebiet, wo Sie betreten müssen den Übergang von der Serumtherapie durch die Pflanzentherapie zu der Mineraltherapie, ohne die Sie doch nicht auskommen, weil Sie nur in den Beziehungen der Mineralien zu dem, was im Menschen selbst Mineral werden will, einen Anhaltspunkt haben, um all dasjenige zu unterstützen, was unterstützt werden muß in dem Kampfe des Menschen gegen die mineralisierende Tendenz, gegen das allgemeine Sklerotischwerden. Da können Sie nun nicht auskommen — und dieses Kapitel muß dann ausführlich besprochen werden —, indem Sie einfach das Mineral in seinem äußeren Zustande in den menschlichen Organismus einführen. Da tritt dasjenige ein, was auf irgendein homöopathisches Prinzip in irgendeiner Form hinweist, was darauf hinweist, daß gerade aus dem Mineralreich diejenigen Kräfte bloßgelegt werden müssen, welche der Wirksamkeit des äußeren Mineralreiches entgegengesetzt sind.

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Es ist ja aufmerksam darauf gemacht worden, und es ist richtig, daß man einfach den Blick hinzuwerfen braucht auf den ganz geringen mineralischen Gehalt mancher Quellen, die heilwirkend sind, und man hat in diesen Quellen einen Homöopathisierungsprozeß, der ganz auffällig ist, der eben zeigt, daß tatsächlich in dem Augenblicke, wo man befreit den mineralischen Zusammenhang von den Kräften, die wir äußerlich überschauen, ganz andere Kräfte herauskommen, die man erst besonders loslösen muß dadurch, daß man eben homöopathisiert. Doch dieses, wie gesagt, soll in einem besonderen Kapitel besprochen werden. Aber dasjenige, was ich Ihnen doch heute noch sagen möchte, das ist nun das Folgende. Wenn Sie wirklich das ausführen — den jüngeren Herren lege ich das besonders ans Herz —, daß Sie vergleichende Studien machen über die Umformung des ganzen Darmsystems, sagen wir, von den Fischen herauf über die Amphibien, Reptilien — besonders die Beziehungen der Amphibien, Reptilien in bezug auf das Darmsystem sind außerordentlich interessant —, hinauf zu dem Vogel auf der einen Seite, zu dem Säugetiere und dann bis herauf zum Menschen auf der anderen Seite, so werden Sie finden, daß merkwürdige Umformungen der Organe stattfinden, das Auftreten zum Beispiel der Blinddärme, desjenigen, was dann beim Menschen zum Blinddarm wird, bei niederen Säugetieren oder da, wo die Vogelorganisation etwas aus sich herausfällt und Blinddarmansätze beim Vogel auftreten, die ganze Art und Weise dann, wie sich aus dem bei den Fischen ja ganz und gar nicht vorhandenen Dickdarme — man kann nicht reden von einem Dickdarm bei den Fischen —, durch den Heraufgang durch sogenannte vollkommenere Ordnungen das ergibt, was Dickdarm ist, was dann Blinddärme und beim Menschen Blinddarm ist — gewisse andere Tiere haben mehrere Blinddärme —: da finden Sie ein merkwürdiges Wechselverhältnis.

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Auf dieses Wechselverhältnis müßte eigentlich ein vergleichendes Studium sehr scharf hinweisen. Sie können einfach äußerlich fragen — ja, Sie wissen, wie oft gefragt wird: Wozu ist denn nun überhaupt so etwas, was sich dann nach außen abschließt, wie der Blinddarm beim Menschen vorhanden? Es wird oftmals nach dieser Sache gefragt. Wenn man eine solche Frage aufwirft, so beachtet man gewöhnlich das Folgende nicht: daß sich tatsächlich der Mensch als eine Dualität offenbart und daß, was entsteht, auf der einen Seite im Unteren immer das Parallelorgan ist für etwas, was entsteht im Oberen, daß im Oberen gewisse Organe nicht entstehen könnten, wenn sich nicht die Parallelorgane, gewissermaßen die entgegengesetzten Pole im Unteren entwickeln könnten. Und je mehr das Vorderhirn in der Tierreihe die Gestalt annimmt, welche es beim Menschen dann entwickelt, desto mehr gestaltet sich der Darm gerade nach der Seite hin aus, die zur Ablagerung der Nahrungsüberreste führt. Es ist ein inniger Zusammenhang zwischen der Darmbildung und der Gehirnbildung, und würde nicht im Laufe der Tierreihe Dickdarm, Blinddarm auftreten, so könnten auch nicht zuletzt denkende Menschen entstehen physischer Natur, weil der Mensch sein Gehirn, sein Denkorgan auf Kosten, durchaus auf Kosten seiner Darmorgane hat. Und die Darmorgane sind die getreue Reversseite der Gehirnorgane. Damit Sie auf der einen Seite entlastet werden von physischer Tätigkeit für das Denken, müssen Sie auf der anderen Seite Ihren Organismus belasten mit demjenigen, wozu Veranlassung ist zur Belastung durch den ausgebildeten Dickdarm und die ausgebildete Blase. So daß gerade die in der menschlichen physischen Welt vorkommende höchste geistigseelische Tätigkeit, insoferne sie gebunden ist an eine vollkommene Ausbildung des Gehirnes, zugleich gebunden ist an die dazu gehörige Ausbildung des Darmes. Das ist ein außerordentlich bedeutsamer Zusammenhang, ein Zusammenhang, der auf das ganze Schaffen der Natur ungeheuer viel Licht wirft. Denn Sie können sich, wenn es auch etwas paradox klingt, nun sagen: Warum haben denn die Menschen einen Blinddarm? — Damit sie in entsprechender Weise menschlich denken können, können Sie sich zur Antwort geben. Denn dasjenige, was sich da im Blinddarm ausbildet, das hat sein Entgegengesetztes im menschlichen Gehirn. Alles auf der einen Seite entspricht dem anderen.

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Das sind Dinge, die man auf eine neue Art des Erkennens sich wiederum erobern muß. Wir können natürlich heute nicht den alten Ärzten nachplappern, die noch auf atavistischem Hellsehen gefußt haben; denn wir würden da nicht zu viel kommen. Aber wir müssen uns diese Dinge wieder erobern. Für die Eroberung dieser Dinge ist zunächst die reine materialistische Ausbildung der Medizin, die solche Beziehungen überhaupt nicht sucht, eigentlich ein rechtes Hindernis. Für die heutige Naturwissenschaft und Medizin ist halt das Gehirn ein Eingeweide und ist auch das, was im Unterleib ist, ein Eingeweide. Daß man da denselben Fehler macht eben, wie wenn man sagen würde: positive und negative Elektrizität sind halt dasselbe, sind Elektrizität, das beachtet man gar nicht. Und es ist um so wichtiger, das zu beobachten, weil geradeso, wie zwischen positiver und negativer Elektrizität Spannung entsteht, die sich Ausgleiche sucht, fortwährend im Menschen Spannung vorhanden ist zwischen dem Oberen und dem Unteren. In der Beherrschung dieser Spannung liegt eigentlich dasjenige, was man vorzugsweise auf medizinischem Felde zu suchen hat. Diese Spannung, sie drückt sich auch aus — ich will das heute andeuten, Sie werden das in späteren Betrachtungen hier weiter ausgeführt finden — in den Kräften, die auf zwei Organe konzentriert sind, in der Zirbeldrüse und in der sogenannten Schleimdrüse. In der Zirbeldrüse drücken sich alle diejenigen Kräfte aus, die die oberen Kräfte sind, und stehen gespannt gegenüber den Kräften der Schleimdrüse, der Hypophysis cerebri, die die unteren Kräfte sind. Da ist ein wirkliches Spannungsverhältnis. Würde man aus dem Gesamtbefinden des Menschen immer sich eine Ansicht bilden über dieses Spannungsverhältnis, dann hätte man sehr gute Grundlagen für den weiteren Heilungsprozeß.

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Davon wollen wir dann morgen weiter reden. Sie werden schon sehen, daß ich die Fragen alle hineinarbeite. Aber ich muß eben, wie schon gesagt, dazu Grundlagen schaffen.

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Cite: GA 312/1920-03-24 · edition original