Achter Vortrag
## GA 275 — 4 January 1915, Dornach
### Achter Vortrag
Ich möchte heute meinen Ausgangspunkt nehmen von einer kleinen Betrachtung über das unserem Bau zugeordnete Heizhaus und mit einigen Worten das architektonische Prinzip dieses Heizhauses zur Darstellung bringen. Sie müssen, wenn Sie die Motivierung der architektonischen Formen dieses Hauses betrachten wollen, ins Auge fassen, daß dieses Haus ein dem ganzen Bau zugeordneter Teil ist, gewissermaßen also zu dem Bau gehört. Dieses ausgesprochene: Es ist das etwas, was zu dem Bau gehört -, muß schon in dem künstlerischen Gedanken des Baues, wenn dieser richtig sein soll, zum Ausdruck kommen. Das darf nicht eine Abstraktion sein, sondern es muß in der künstlerischen Form zum Ausdruck kommen.
Nun handelt es sich darum, einmal die Frage ins Auge zu fassen: Wie steht es denn überhaupt mit diesen zusammengehörigen künstlerischen Formen? — Wir kommen der Betrachtung dieser Frage am allernächsten, wenn wir jene große künstlerische Schöpfertätigkeit ins Auge fassen, die leider von den Menschen viel zu wenig ins Auge gefaßt wird, die große schöpferisch-künstlerische Tätigkeit, die wir vorgebildet finden, wenn wir imstande sind, die Natur geistig zu betrachten, das natürliche Schaffen als hervorgehend aus dem Geiste zu betrachten. Weil die Betrachtung sich verhältnismäßig noch am einfachsten darstellt, möchte ich Ihren Blick hinlenken auf diejenigen Formen, die sich im Knochensystem zum Ausdruck bringen. Alle übrigen Glieder organischer Wesenheiten sind in ihren Formen noch schwieriger zu studieren als beispielsweise das Knochensystem des Menschen.
Nun wissen Sie, daß es mein Bestreben war seit Jahrzehnten schon, ein wenig Verständnis hervorzurufen in der Welt für das Bedeutsame, das getan worden ist durch die großen anatomisch-physiologischen Entdeckungen, die Goethe gemacht hat, ich möchte sagen, als ein zweites großes Werk auf diesem Gebiete. Das erste will ich heute nicht berühren, ich will nur auf das zweite hinweisen. Diese zweite bedeutsame Entdeckung verdankt ihre Entstehung dem, was man in der äußeren materialistischen Welt die Verbindung eines Zufalls mit einer genialen Menschennatur nennen könnte. Goethe erzählt selber, daß er einmal beim Spazierengehen auf dem Judenkirchhofe in Venedig einen Schöpsen- oder Schafschädel fand, dessen einzelne Knochenteile auseinandergefallen waren nach ihren Nähten. Und als er diesen Schädel aufhob und ihn so betrachtete der Form der Knochen nach, da ging ihm ein Gedanke auf, der Gedanke: Ja, wenn ich mir so diese Kopfknochen anschaue, was sind sie denn eigentlich ? Sie sind umgebildete Rückenwirbelknochen.
Sie wissen ja, die Knochensäule, innerhalb welcher das Rückenmark des Menschen eingeschlossen ist als ein Nervenstrang, ist aus übereinandergelegten Ringen zusammengesetzt, aus bestimmt geformten Ringen, die Fortsätze haben. Und wenn man sich nun denkt, daß solch ein Ring sich ausdehnt, zunächst so ausdehnt, daß jenes Loch, durch welches das Rückenmark durchgeht — denn es sind übereinandergelegte Ringe —, zunächst größer wird und der Knochen entsprechend dünner wird und sich ausdehnt wie etwas Elastisches, nicht nur in horizontaler Richtung sich ausdehnt, sondern auch nach andern Richtungen, so entsteht aus diesen Ringknochen eine Form, welche nichts anderes ist als die Knochenform, die unsere Schädeldecke bildet. Unsere Schädelknochen sind also umgewandelte Rückenwirbelknochen.
Wenn wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, können wir diese Goethesche Entdeckung noch weiter ausbilden, und heute kann sie in viel weiter ausgebildeter Form gesagt werden, in der Weise gesagt werden, daß alle Knochen, die der Mensch überhaupt an sich trägt, Umbildungen, Metamorphosen einer einzigen Form sind. Man bemerkt dies nur aus dem Grunde nicht, weil man sehr primitive Anschauungen hat über das, was durch die Umbildung, durch die Umgestaltung entstehen kann. Wenn Sie, ich will sagen, einen Oberarmknochen ins Auge fassen, solch einen röhrenförmigen Oberarmknochen - Sie wissen ja, wie solch ein Knochen ausschaut -, so würde er Ihnen allerdings nicht ohne weiteres ähnlich erscheinen einem Knochen, den wir am Kopfe tragen. Das rührt aber nur davon her, weil man nicht weit genug ist im Durchdenken der Umformungsgedanken.
Zunächst denkt man, solch ein Röhrenknochen muß aufgeplustert werden, und wenn er aufgeplustert ist und er drinnen eine Höhle hat, so müßte sich die Form des Kopfknochens ergeben. So ist es aber nicht mit den Knochen, sondern einen Röhrenknochen müßte man erst umkehren, so daß man seine Ähnlichkeit mit dem Schädelknochen dann ersehen könnte, nachdem man ihn umgestülpt hätte wie einen Handschuh, den man umkehrt mit dem Inneren nach außen. Aber nicht wahr, nun ist der Mensch gewohnt, wenn man einen Handschuh umstülpt, daß das, was herauskommt, ähnlich ausschaut dem Früheren, aber der Handschuh ist nun etwas Totes und bei einem Lebendigen ist das nicht so der Fall. Zum Beispiel wenn der Handschuh etwas Lebendiges wäre, so würde durch das Umstülpen folgendes geschehen. Es würden zum Beispiel gewisse Veränderungen entstehen, es würden der Daumen und der kleine Finger sehr lang werden, der Mittelfinger sehr kurz und so weiter, die Handfläche würde sich zusammenziehen und so weiter. Dann würden durch das Umstülpen und durch die verschiedene Elastizität des Stoffes ganz verschiedene Änderungen eintreten, kurz, der Handschuh würde durch das Umstülpen eine ganz andere Form haben, obgleich es immer noch der Handschuh ist. So müssen Sie sich zum Beispiel einen röhrenförmigen Oberarmknochen umgestülpt denken und es würde dann ein Kopfknochen daraus entstehen.
So müssen Sie sich denken, die weisen, göttlichen Mächte im Kosmos haben eine größere Weisheit besessen, als sie jene zur Schädelbildung nötigen umformenden Kräfte ins Werk setzten, als der stolze Mensch sie heute hat. Darauf gerade beruht die innere Einheit alles Natürlichen, daß im Grunde genommen alle, auch die einander unähnlichsten Gebilde, Umwandlungen sind von einer Urgrundform. Es gibt nichts, das Lebensmöglichkeit haben sollte, was nicht auf diese Weise entstehen würde, daß es Umwandlungsform einer Grundform wäre. Bei diesem Umwandeln entsteht dann auch noch etwas anderes. Gewisse Teile der Grundform werden auf Kosten anderer größer, andere werden kleiner, es vergrößern sich einzelne Glieder, und nicht in demselben Maße vergrößern sich wieder andere Glieder. Dadurch entstehen Unähnlichkeiten, die aber doch nur Umformungen einer Grundform sind.
Nun nehmen Sie einmal die Grundform, die sich Ihnen ergeben kann, wenn Sie unseren ganzen Bau ins Auge fassen. Ich kann das, was ich Ihnen zu sagen habe, nur skizzenhaft zusammenfassen und nur einen der Gesichtspunkte andeuten, die in Betracht kommen.

Wenn Sie unseren Bau in Betracht ziehen, so finden Sie, daß er ein Doppelkuppelbau ist, so daß die Kuppeln auf einem zylindrischen Unterbau aufsitzen. Er ist ein Doppelkuppelbau. Das ist das Wesentliche, denn daß eine Doppelkuppel vorhanden ist, das drückt das Lebendige an der Sache aus. Wäre nur eine einzige Kuppel vorhanden, so wäre das Wesen unseres Baues tot. Das Lebendige unseres Baues kommt dadurch zum Ausdruck, daß gewissermaßen die eine Kuppel in der andern ihr Bewußtseinsspiegelbild hat, daß sich die beiden Kuppeln ineinander spiegeln, wie sich dasjenige, was von den Menschen in der Außenwelt vorhanden ist, durch die Organe des Menschen spiegelt. Der Grundgedanke der Doppelkugel muß festgehalten werden bei allem, was in innigem, organischem Zusammenhang steht mit unserem Bau, denn was nicht in irgendeiner, wenn auch noch so versteckten Form die Doppelkuppelform trüge, würde nicht das Wesentliche unseres Baugedankens zum Ausdruck bringen. Daher muß auch bei diesem Nebenbau der Doppelkuppelgedanke vorhanden sein.
Aber nun nehmen Sie die Doppelkuppel mit ihren Zubauten. Wir haben zunächst dasjenige, auf dessen Bedeutung schon öfter hingewiesen worden ist: die Durchdringung der beiden Kuppelmotive, die gewissermaßen ein Neues in der Baukunst darstellen und, wie Sie wissen, durch die Ingenieur-Mithilfe von Herrn Englert zustandegekommen ist. Dieses Durchdringen der beiden Kuppeln, das ist beim Hauptbau von besonderer Bedeutung aus dem Grunde, weil es ausdrückt das innig Zusammengehörige desjenigen, was sich gegenseitig zu spiegeln hat. Ich drücke diesen Spiegelungsgedanken zunächst abstrakt aus. In diesem Durchdringen der beiden Kuppelmotive liegt ein unendlich Mannigfaltiges, liegt unendlich viel. Nur dadurch, daß wir dieses Durchdringen der Doppelkuppelmotive zustande gebracht haben, wird für das weitergehende künstlerische Stadium unseres Baues das zustande kommen, was sich als Abglanz unserer geisteswissenschaftlichen Gedanken in dem Bau zum Ausdruck bringt. Also diese Durchdringung ist eben beim Hauptbau vorhanden. Und wenn wir, ich möchte sagen, die Durchdringung wieder aufheben, die Kuppelmotive auseinandernehmen, dann nähern wir uns mehr einem ahrimanischen Prinzip. Würden wir sie noch mehr nähern oder ganz ineinander drängen, würden wir sie so bauen, daß wir die eine in die andere hineinstellen, so würden wir uns in dem Bau dem luziferischen Prinzipe nähern.
Nun handelt es sich darum, daß das ahrimanische Prinzip herausgesondert wird aus diesem Bau. Es handelt sich also bei dem Nebenbau darum, die Kuppeln hier auseinanderzudrängen; denn auch hier bei diesem Nebenbau ist der Kuppelgedanke dennoch das, worauf es ankommt. Und nun denken Sie sich die Kuppeln auseinandergehalten, denken Sie sich auf der einen Seite dieses Seitenmotiv (Südportal am Hauptbau) ganz verkümmert, so daß die punktierte Linie fortfällt, und auf der andern Seite wesentlich vergrößert (zum Schornstein). Denken Sie sich den Hauptbau so, daß Sie hier (im Süden) die auseinandergeschobenen Kuppeln haben, hier einen Vorbau, hier die ganze Sache hereingeschoben (siehe Zeichnung a), hier dagegen die ganze Sache statt hereingeschoben herausgeholt (b), hier (a) also vollständig verkümmert, statt weiter ausgebildet. Auf der andern Seite denken Sie sich ihn (den Vorbau am Nordpotrtal) besonders ausgebildet, dann haben Sie das Umwandlungsmotiv für unseren Hauptbau in einem ihm zugeordneten Nebenbau in den Grundformen. Denn wenn Sie sich denken würden das Immer-kleiner-und-kleiner-Werden von diesem hier (dem Schornstein) und das Wiederherausgehen von diesem, und das Ganze zusammengeschoben, dann bekämen Sie dutch Metamorphose aus dem Nebenbau den Hauptbau.
Dieses wurde am Modell des Kesselhauses erörtert.

Es handelt sich also darum, daß wir hier eine Anpassung haben an dasjenige, was darin vorgehen soll, die durch Metamorphose aus unserem Hauptbau entstanden ist. Wie ein Rückenwirbelknochen aus derselben Grundform hervorgegangen sein kann wie der Knochen des menschlichen Schädels, so daß man den einen aus dem andern hervorgehend denken kann, so ist es auch mit dem Hauptbau und dem Nebenbau, die man durch Umwandlung auseinander hervorgehend sich denken kann. Der Formgedanke, wenn er sich umwandelt, wenn er lebendig wird, ist so, daß er aus der einen Form in die andere Form übergehen kann.
Wir müssen wirklich Lehrlinge der schöpferischen Hierarchien werden, die geschaffen haben durch Metamorphose, und wir müssen lernen, in derselben Weise nachzubilden das schöpferische Prinzip der Hierarchien.

Nun aber denken Sie sich, daß eine Kraft vorhanden sein muß, welche dasjenige, was hier an der Seite (Nordportal am Hauptbau) erscheint als ein wenig bedeutendes Seitenstück, vergrößert (Schornstein). Wenn Sie einen kleinen elastischen Sack haben und Sie wollen, daß der größer wird, so müssen Sie ihn eben drücken von innen nach den verschiedenen Seiten, damit er größer sein kann; es muß eine Kraft da sein, die das Kleine groß macht, die es ausbildet. Wenn also hier wirklich ein solcher Seitenflügel aufgeplustert werden sollte, so mußte er durch die Kraft, die ihn von innen durchdringt, hier (siehe Zeichnung links) aufgeplustert werden.
Was können das aber für Kräfte sein, die dadrinnen sind? Diese Kräfte, die können Sie studieren in den Formen der Architrave. Denken Sie sich die Kräfte, die in den Architraven sitzen, hineinspringend in den Seitenbau und das hier aufdrängend, so bekommen Sie diese Form heraus (des Schornsteins und der Hinterwand). Man muß also versuchen, einmal mit seinen formkünstlerischen Gedanken hineinzuschlüpfen in diese Formen der Architrave, sie zusammenfassen, sie ausweiten, und muß sich denken, daß man dadurch, daß man da hineinschlüpft, ausweitet das, was dadrinnen klein ist. Dann entsteht diese Form (Schornstein und Hinterwand). Man kann sich nicht anders in einheitlichem Schaffen ergehen als dadurch, daß man versucht, in der Sache darinnenzustecken.
Auch in diesem Hineinkriechen in die Sachen und in dem Darinnenstecken liegt wieder ein Nachbilden der schöpferischen Kräfte der Natur selber, und nur damit ist die Gottverlassenheit der modernen industriellen Kultur ganz allein zu überwinden. Einen Schornstein, wie er sonst vorhanden ist, den können Sie sich unmöglich als ein Produkt des natürlichen Schaffens denken. Er entsteht, indem verleugnet werden die göttlich-geistigen Kräfte der Natur. Es gibt kaum etwas, was man vergleichen könnte in der Natur draußen mit einem solchen Schornstein, als höchstens das so ziemlich scheußlichste Pflanzengewächs, den Spargel. Aber das ist gewissermaßen eine Ausnahme. Dasjenige, was wirklich im Sinne der in der Erde vorhandenen Kräfte wächst, kann sich niemals schornsteinmäßig nach oben erstrecken, sondern wenn Sie die nach oben wirkenden Kräfte studieren wollen, können Sie am besten das, was den verborgenen Kräften in der Erde entspricht, am Baum studieren, der auch nicht nur senkrecht den Stamm in die Höhe treibt, sondern sich in den Ästen nach außen erstrecken muß. Es kann sich natürlich nicht darum handeln, das unmittelbar am Modell nachzuahmen, sondern man muß sich vertiefen in diejenigen Kräfte, die von der Erde ausstrahlen und die bloß vertikale Richtung des Baumstammes überwinden, die in die Breite streben und in die Äste treiben. Da haben Sie auch gerechtfertigt das in dem Raum, in dem Kosmos draußen Auseinanderstreben, ich möchte sagen, astförmige Auseinanderstreben (beim Schornstein).
So könnte ich Ihnen - ich habe nur die gröbsten Prinzipien anzeigen können - bis ins kleinste Detail hinein, in jeder einzelnen Fläche, an dieser architektonischen Form die Prinzipien rechtfertigen, das würde aber zu lange dauern.
Nun handelt es sich darum, daß eine solche Form dann vollständig ist, wenn sie ihren Sinn erfüllt. Wenn Sie jetzt diese Form anschauen, so ist sie noch nicht vollständig. Sie wird erst vollständig sein, wenn einmal darinnen wirklich geheizt werden und da auch der Rauch herausgehen wird; der gehört dazu, der gehört richtig dazu, der ist in der architektonischen Form mit darinnen gedacht. Wenn man hellseherisch ins Auge fassen wird einmal das Aufsteigen des Rauches hier und das Hinausgehen des Rauches durch den Schornstein, so wird man — da man wissen wird, wenn man es wirklich hellseherisch wird ins Auge fassen können, daß in dem Physischen auch ein Geistiges enthalten ist — das Geistige des aufsteigenden Rauches mit in Betracht ziehen. Denn so wie Sie einen physischen, einen ätherischen und einen astralischen Leib haben, so hat auch der Rauch einen ätherischen Teil wenigstens. Dieser ätherische Teil aber nimmt andere Wege als der physische Teil: der physische Teil wird nach aufwärts geben, der Ätherteil aber wird wirklich ergriffen von diesen Zweigen, die nach außen gehen. Man wird einstmals sehen das Aufsteigen des physischen Teiles des Rauches und das Hinwegweichen der Ätherteile des Rauches. Dadurch aber wird allmählich, wenn das in der Form zum Ausdruck kommt, einem Prinzip aller Kunst entsprochen, nämlich dem: das Innere im Äußeren darzustellen, das Innere wirklich zum Prinzip des Äußeren zu machen.
Wie gesagt, ich müßte sehr viel zu Ihnen sprechen, wenn ich nun auf die vielleicht sogar viel interessanteren Einzelheiten eingehen wollte, die dieser architektonischen Form zugrunde liegen. Und zum Interessanten gehört es, daß es eben möglich war, das, was so zum Ausdruck kommen sollte, wirklich in diesem modernen Materiale, als Betonbau auszuführen. Denn das wird die Möglichkeit bieten, in der Gestaltung dieses modernen Materials immer weiter- und weiterzugehen und gerade Bauten, welche der modernen ahrimanischen Kultur dienen, in diesem Stile allmählich zu gestalten. Es ist das aber gerade notwendig. Und mehr habe ich nicht nötig, auf Einzelheiten einzugehen, weil es mir mehr darauf ankommt, das Prinzip dieses Baues und dessen, was damit zusammenhängt, Ihnen zu zeigen. Dieses Prinzip kann in vieler Hinsicht abgeändert werden. Es kann zum Beispiel die Kuppel umgeändert werden, so daß sie gar nicht mehr einer Kuppel ähnlich sieht, wenn man sie bloß geometrisch-mathematisch betrachtet, wenn man sie nicht organisch betrachtet und so weiter. Ich wollte aber heute dieses Prinzip besprechen: das Prinzip des innerlichen Umschaffens und Umwandelns, das Prinzip des Lebens in der Umwandlung und im Schaffen. Das wollte ich anführen, um Ihnen zu zeigen, inwiefern das wahre künstlerische Schaffen, insoweit es mit unserem geisteswissenschaftlichen Gedanken zusammenhängt, hinwegführen muß von allem symbolischen Deuten, denn das symbolische Deuten ist etwas Äußerliches. Es handelt sich aber darum, das, was hier geboten wird, innerlich zu ergreifen und mit der ganzen Seele mitzugehen.
Nicht möchte man, wenn unser Bau einmal fertig sein wird, die Frage immer wieder hören: Was bedeutet dieses, was bedeutet jenes? — um dann vernehmen zu müssen, wie man gewissermaßen sich froh fühlt, wenn man bei diesen Dingen die Bedeutung von diesem oder jenem gefunden zu haben glaubt. In bezug auf solche Deutungen sind wir auf manchen Seitenwegen der Theosophie gerade bei allerlei dichterischen und literarischen Produkten ins Kuriose gekommen. So zum Beispiel sind Dramen gedeutet worden in der Weise, daß man bei einer Person sagte, die bedeutet Manas, bei einer andern Person, die bedeutet Buddhi, bei einer dritten, die bedeutet Atma und so weiter. So kann man allerdings, wenn man will, alles deuten. Aber um solche Deutungen handelt es sich nicht, sondern um ein In-denSachen-Leben, um ein Mitgehen mit dem Schöpferischen, das als Ausfluß der höheren Hierarchien unsere ganze Welt durchdringt und gestaltet. Weil dieses letztere schwieriger ist als das symbolische oder allegorische Deuten, deshalb braucht man es gerade doch nicht als das Schwierigere zu vermeiden, denn es führt in die geistige Welt hinein und ist der allerstärkste Antrieb, um wirklich zur Imagination, zur Inspiration und zur Intuition zu kommen.
Das ist es, was zu den Umwandlungsimpulsen der Gegenwart gehört, daß notwendig wird ein immer weiter- und weitergehendes Verständnis für das Aufrücken der Menschenseele in diejenigen Regionen, die sich erschließen der imaginativen, inspirierten und intuitiven Betrachtung. Denn in den Sphären, die sich dieser Betrachtung erschließen, liegt dasjenige, was unsere Welt erst zu einem Ganzen macht, was uns hinaushebt über die bloße Maja und uns in die wahrhafte Realität hineinführt.
Es muß immer wieder und wieder betont werden, daß dasjenige, dem wir entgegengehen als einer neuen Geisteserkenntnis, nicht bestehen kann in einem Aufwärmen der Ergebnisse früheren Hellsehens. Gewiß, es trachten viele Menschen nach einem Aufwärmen des früheren Hellsehens, aber die Zeit des früheren Hellsehens ist vorbei, und es sind nur atavistische Nachklänge des alten Hellschens, die bei einzelnen Menschen auftreten können. Aber die Stufen des menschlichen Daseins, die wir erklimmen müssen, eröffnen sich nicht bei einem Aufwärmen des alten Hellsehens. Wir wollen versuchen, dasjenige, was diesem neuen Hellsehen zugrunde liegen muß, nochmals zu betrachten. Wir haben oftmals auf das Prinzipielle der Sache hingewiesen, wir wollen aber versuchen, heute noch von einer andern Seite auf die Sache hinzuweisen.
Gehen wir nochmals von dem aus, was wir alle kennen, von dem, daß der Mensch während des Tagwachens mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe lebt in seinem ätherischen und in seinem physischen Leibe. Aber ich habe schon in den letzten Tagen betont, daß dieses Wachen des Menschen, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, doch kein vollständiges Wachen ist, daß vielmehr immer noch etwas schläft im Menschen. Und das, was wir als Wille empfinden, das ist wirklich nur teilweise wach. Unsere Gedanken sind wach vom Aufwachen bis zum Einschlafen, aber das Wollen ist etwas, was wir ganz traumhaft vollbringen. Deshalb ist so vieles Nachdenken über die Freiheit des Willens und über die Freiheit überhaupt vergeblich gewesen, weil die Menschen nicht beachtet haben, daß dasjenige, was sie wissen über den Willen beim wachen Tagesleben, eigentlich nur ein Träumen von den Willensimpulsen ist. Wenn Sie wollen und etwas darüber sich vorstellen, dann wachen Sie allerdings. Aber wie das Wollen zustande kommt und in die Handlung übergeht, darüber träumt der Mensch nur im wachen Tagesleben.
Wenn Sie ein Stückchen Kreide aufheben und das Aufheben der Kreide sich vorstellen, so können Sie das allerdings sich vorstellen. Wie aber das Ich und der astralische Leib in die Hand fließen, wie der Wille sich da ausbreitet, von dem wissen Sie beim bloßen Tagesbewußtsein ohne Hellsehen nicht mehr, als Sie von einem Traum wissen, wenn Sie träumen. Von dem eigentlichen Willen kann man bei gewöhnlichem wachem Tagesleben nur träumen, und bei den meisten Dingen träumen wir nicht einmal, sondern schlafen wir bloß. Denn wie Sie einen Bissen auf die Gabel nehmen, das können Sie sich deutlich vorstellen, wie Sie den Bissen zerbeißen, können Sie sich auch noch bis zu einem gewissen Grade vorstellen, daß Sie den Bissen aber schlucken, das träumen Sie nicht einmal. Darüber sind Sie meistens ganz unbewußt, wie Sie sich unbewußt sind Ihrer Gedanken, wenn Sie schlafen. So ist ein großer Teil gerade der Willenstätigkeit beim Wachen im Wachschlafen vollbracht.
Würden wir nicht schlafen gerade in bezug auf unser Begehrungsvermögen und auf die mit unserem Begehrungsvermögen verbundenen Gefühlsimpulse, dann würden wir zunächst eine sonderbare Tätigkeit entwickeln. Wir würden die Handlungen, die wir ausführen, bis in unseren Körper hinein verfolgen, wir würden mit alledem, was wir als Willensimpulse ausführen, folgen dem Inneren, unserem Blute, in alle Blutbahnen hinein. Das heißt, wenn Sie das Aufheben eines Kreidestückchens in bezug auf den Willensimpuls verfolgen könnten, so würden Sie in alle Blutbahnen hinein verfolgen dasjenige, was in Ihrer Hand vorgeht; Sie würden von innen heraus ansehen die Tätigkeit des Blutes und die Gefühle, die damit verbunden sind; zum Beispiel die Schwere des Kreidestückes und dergleichen würden Sie innerlich ansehen und dadurch gewahr werden, daß Sie Ihre Nervenbahnen und das darinnen befindliche ätherische Fluidum verfolgen. Sie würden sich innerlich erleben längs der Tätigkeit des Blutes und der Nerven. Das würde sein ein innerliches Genießen der eigenen Blut- und Nerventätigkeit. Diesem innerlichen Genießen der eigenen Blut- und Nerventätigkeit müssen wir aber für unser irdisches Leben enthoben sein, sonst würden wir durch unser irdisches Leben so hindurchgehen, daß wir bei allem, was wir tun, unseren innerlichen Selbstgenuß haben wollen. Unser Genuß an uns selbst würde sich dadurch unendlich erhöhen. Aber diesen Genuß durfte der Mensch nichthaben, so wieernuneinmalgewordenist. Und das Geheimnis, warum er diesen Genuß nicht haben durfte, liegt wieder in einer Stelle der Bibel ausgesprochen, gegenüber der wir immer größere Ehrfurcht empfinden sollten.
Nach dem, was sich ereignet hat und was ausgedrückt ist in der Paradiesesmythe, wurde dem Menschen gelassen das Essen vom Baume der Erkenntnis, nicht aber vom Baume des Lebens. Und das innerliche Genießen würde sein das Genießen vom Baume des Lebens. Das sollte nicht für den Menschen eintreten. Ich kann dieses Motiv heute nicht weiter ausführen, denn das würde zu weit führen, aber Sie werden durch eigenes Meditieren über das, was hier angeschlagen worden ist als Motiv, noch weiteres herausfinden können. Nun können Sie aber etwas anderes, was uns in diesen Tagen besonders wichtig sein kann, von da ausgehend ins Auge fassen: Das können wir nicht, vom Baume des Lebens essen, das heißt, unsere Bluttätigkeit im Inneren genießen und unsere Nerventätigkeit im Inneren genießen, das können wir nicht. Nun aber kommt, gerade wenn wir durch unsere Sinne und unseren Verstand die Außenwelt erkennen, etwas zustande, was wohl mit einem solchen innerlichen Genießen zusammenhängt. Bei der Wahrnehmung irgendeines Dinges der Außenwelt und bei dem Nachdenken über irgendein Ding der Außenwelt verfolgen wir gegen die Sinne zu - also gegen die Augen, die Ohren, die Nase, die Geschmacksnerven zu - die Blutbahnen, und wenn wir denken, verfolgen wir die Nervenbahnen. Aber wir nehmen nicht dasjenige wahr, was wir dadrinnen in den Nervenbahnen und dem Blute wahrnehmen würden, sondern das, was wir im Blute wahrnehmen würden, wird durch die Sinne reflektiert, wird zurückgeworfen, gespiegelt, und dadurch entstehen die Sinnesempfindungen. Und das, was durch die Nervenbahnen geleitet wird, wird ebenfalls reflektiert und zurückgeleitet da, wo die Nervenbahnen ihr Ende erreichen, und wird dann gespiegelt als unsere Gedanken.
Nehmen Sie einmal an, daß ein Mensch aufträte, welcher in die Lage käme, nicht nur unter dem Einflusse der Außenwelt sein Blut zu verfolgen und dann das, was sein Blut tut, gespiegelt zu erhalten, und nicht bloß seine Nerven zu verfolgen und das, was die Nerven tun, gespiegelt zu erhalten, sondern das, was uns versagt ist in bezug auf Blut und Sinnesnerven, innerlich zu erleben, das Blut, wie es gegen den Nerv und die Augen hintendiert, innerlich zu erleben, so würde er das — wenigstens in bezug auf die Teile des Blutes und der Nerven - innerlich genießen. Dadurch entstehen jene Gebilde, die dem atavistischen inneren Hellsehen angehören. Denn dasjenige, was sich für uns spiegelt, sind eben nur Bilder, gleichsam filtrierte Bilder desjenigen, was im Blut und in den Nerven ist. Im Blut und in den Nerven sind Weltengeheimnisse, aber solche Weltengeheimnisse, die sich dadurch schon erschöpft haben, daß wir aus ihnen geworden sind. Wir lernen nur uns selber kennen, wenn wir die Imaginationen kennenlernen, die sich uns ergeben, wenn wir uns in unserem zu den Sinnen gehenden Blutlauf erleben, und wir lernen nur diejenigen Inspirationen kennen, die dazu bestimmt sind, uns aufzubauen, wenn wir uns in die zu den Sinnen hingehenden Nerven hineinleben.
Aber es kann sich eine ganze Innenwelt also aufbauen. Diese Innenwelt kann sein eine Summe von Imaginationen. Während wir aber beim Wahrnehmen der äußeren, physischen Welt in regulärer Weise für unsere Erdenentwickelung Reflexionen und Spiegelbilder unserer Blut- und Nervenereignisse wahrnehmen, können wir — uns in uns selber genießend vertiefend — nicht über die Sinne hinausgehen, sondern nur bis zu dem Punkte gehen, wo der Blutlauf in den Sinn einmündet. Dann erlebt man die imaginative Welt so, daß man gleichsam schwimmt im Blute wie der Fisch im Wasser. Aber diese imaginative Welt ist in Wahrheit keine Außenwelt, sondern eine Welt, die in unserem Blute lebt. Wenn man in den Nerven lebt, die bis zu den Sinnen hingehen, dann erlebt man eine inspirierte Welt, eine Welt von Sphärenklängen und eine Welt innerer Bilder. Das ist wieder kosmisch, aber es ist nichts Neues. Es ist nur etwas, was seine Aufgabe erschöpft hat, indem es in unser Nerven- und Blutsystem hineingeronnen ist.
Dieses Hellsehen, das also entsteht und das den Menschen nicht über sich hinausführt, sondern ihn gerade tiefer in sich hineinführt, ist ein Selbstgenuß, ein wirklicher, echter Selbstgenuß. Dieses ist der Grund, warum es in gewissem Sinne eine höhere Wollust erzeugt in den Menschen, wenn sie also hellseherisch werden, wenn sie eine für sie neue Welt erleben. Und im ganzen muß man sagen, daß dieses also Hellsehend-Werden das Zurückgehen auf eine frühere Evolutionsstufe ist. Denn das, was ich Ihnen geschildert habe, das Leben in den eigenen Sinnesorganen und im Blute, war damals nicht in der Form vorhanden, wie es jetzt vorhanden ist, aber das Nervensystem war schon vorgebildet. Diese Art des Wahrnehmens war das reguläre Wahrnehmen des Menschen auf dem alten Monde, und in dem, was dazumal vorhanden war als Ansätze zu den Nerven, in dem nahm er sich innerlich wahr. Das Blut war noch nicht innerlich gebildet. Das war etwas, was noch mehr als warmer Hauch von außen an den Menschen herankam, wie an uns die Sonnenstrahlen herankommen. Daher war das, was jetzt hier auf der Erde ein Wahrnehmen des inneren Blutsystems ist, auf dem Monde ein reguläres Wahrnehmen der Außenwelt.
Man kann so sagen: Wenn hier (es wurde gezeichnet) die Grenze ist zwischen menschlicher Innen- und Außenwelt, so war dasjenige, was jetzt Nerv ist, auf dem Monde schon vorgebildet. Indem der Mensch den Nerv verfolgte, konnte er wahrnehmen, was sich ihmals innere imaginative Welt enthüllte, was in ihm enthalten war. Er nahm wahr, wie er selber enthalten ist im Kosmos. Dann nahm er aber auch imaginativ wahr das, was wie ein Hauch von außen an ihn herankam, nicht von innen. Das ist jetzt weggefallen; was außen war auf dem alten Monde, ist innerlich zum Blutkreislaufe geworden in der Erdenentwickelung. Daher ist das ein Zurückgehen in die alte Mondenentwickelung.
Es ist gut, wenn man von solchen Dingen weiß, weil immer wieder und wieder auftaucht dasjenige, was auf diese Weise hellseherisch entsteht. Was auf diese Weise hellseherisch entsteht, braucht sich nicht zu entwickeln auf jenem schwierigen Meditations- und Konzentrationswege, von dem die Rede ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Dieses Hellsehen, welches dadurch entsteht, daß man lernt, in seinen Nerven und in seinem Blute innerlich zu leben, lernt, sich in sich selbst zu genießen, das ist nur eine feinere Ausbildung des organischen Lebens überhaupt, eine feinere Ausbildung dessen, was der Mensch erlebt, wenn er ißt und trinkt. Daher ist ein solches Hellsehen im Grunde genommen wirklich nicht das, was die Menschheit heute als Aufgabe hat, sondern es ist, man möchte sagen, das was als Treibhauspflanze entsteht dadurch, daß wir zu einem raffinierteren Dasein jenen Selbstgenuß bringen, den uns Essen und Trinken oder ähnliches macht. Wie bei einem Feinschmecker des Weines, wenn er Rheinwein oder Mosel trinkt, eine innere Nachwirkung entsteht, die sich allerdings nur zu einer Imagination des Geschmackes erhebt, aber nicht gestaltend wird, so entsteht bei manchen Leuten ein raffiniertes inneres Genießen, und das ist ihr Hellsehen.
Vieles Hellsehen ist nichts weiter als ein raffiniertes, verfeinertes, treibhausartiges Nachgenießen des Lebens. In unserer Zeit muß man auf diese Dinge wieder aufmerksam machen. Denn, ich möchte sagen, die letzte Zeit, in welcher man die Geheimnisse dieser Dinge noch kannte, in welcher man noch in der Literatur sprach von diesen Dingen, war eigentlich die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dann kam die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts mit den als so großartig angesehenen Entdeckungen, mit den mit Recht von ihrem Gesichtspunkte aus für großartig angesehenen Entdeckungen, und das Verständnis für diese Dinge und für die feineren Zusammenhänge alles Seins gingen verloren. Noch nicht hat man ja verloren - das sei in Parenthese gesagt — das Genießen unter dem Einfluß der gröberen, sagen wir Zu-sich-Nehmungen. Das ist den Menschen noch geblieben, daß sie unter dem Nachgenuß des Essens und Trinkens leben können, das haben sie gerade in dem materialistischen Zeitalter bis zu einem gewissen Grade ausgebildet.
Aber in solchen Dingen lebt auch die Menschheit in einer zyklischen, in einer rhythmischen Bewegung. Und das materialistische Zeitalter kann allerdings, weil es getilgt hat dasjenige, was als allgemeines Gefühl früher vorhanden war - das Hineingehen des Selbstgenusses in die Sinne, in die Nerven- und Blutzirkulation, was allerdings früher mehr vorhanden war -, sich deshalb stärker hingeben den Eindrücken des Essens und Trinkens. Man kann sehr leicht studieren den ganzen Umschwung und Aufschwung, welcher in dieser Beziehung in verhältnismäßig kurzer Zeit stattgefunden hat. Es braucht sich jemand nur eine Hotelspeisekarte aus den siebziger Jahren zur Hand zu nehmen, um sie zu vergleichen mit einer heutigen. Man würde sehen, wie das Leben in den verfeinerten Genüssen, in den Selbstgenüssen des eigenen Leibes, Fortschritte erfahren hat. Aber solche Dinge gehen auch zyklisch vor sich, alles kann nur bis zu einem gewissen Grade erreicht werden, und so wie ein Pendel nur ausschlagen kann bis zu einem gewissen Punkte und dann wieder zurück muß, so muß auch der bloß physische Genuß, von einem bestimmten Punkte ab, wo er angelangt sein wird einmal, wieder zurück. Das wird dann eintreten, wenn die schärfsten Genüßlinge, also die, welche die meiste Sehnsucht haben nach Genüssen, selbst vor den am leckersten zubereiteten Dingen so stehen werden, daß sie sie nicht verlangen, sondern so, daß sie sagen: Äh! das mag ich nicht, das ist mir alles schon über! — Dieser Zeitpunkt wird auch eintreten, denn das ist notwendige Entwickelung. Alles verläuft zyklisch.
Die andere Seite des Lebens erlebt der Mensch während seiner Schlafenszeit. Da schläft sein Vorstellungsleben und da treten naturgemäß ganz andere Verhältnisse ein. Nun sagte ich, die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war es im wesentlichen, welche noch eine Einsicht gehabt hat in diese Dinge, und dasjenige Hellsehen, das entsteht durch das Verfolgen der eigenen Blut- und Nervenbahnen, das nannte man noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, indem man sich erinnerte an gewisse Anklänge, das pythische Hellsehen, weil es in der Tat verwandt ist mit dem, was dem pythischen Hellsehen des Altertums zugrunde lag.
Die anderen Verhältnisse sind während des Schlaflebens vorhanden. Da ist der Mensch mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe aus dem physischen und ätherischen Leibe heraus. Im gewöhnlichen Leben sind da die Vorstellungen herabgedrängt, herabgelähmt. Aber der Mensch lebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen fortwährend in der Begierde nach seinem physischen Leibe. Darinnen besteht gerade das Schlafen, daß der Mensch von dem Momente an, wo er anfängt zu schlafen, Begierde entwickelt nach seinem physischen Leibe. Die steigt bis zu einem Höhepunkte und dann drängt es ihn immer mehr und mehr nach dem physischen Leibe zurück. Die Begierde nach dem eigenen physischen Leibe wird immer größer und größer im Schlafzustande. Und weil die Begierde wie ein Nebel das Ich und den Astralleib durchzieht, wird abgedämpft, abgedämmert das Vorstellungsleben. Gerade dadurch werden die Vorstellungen abgedämmert, daß das Begierdeleben nach dem physischen Leibe das Ich und den astralischen Leib wie ein Nebel durchdringt. Wie wir, wenn ein Nebel sich ausbreitet, die Bäume des Waldes nicht sehen, so können wir auch unser Wahrnehmungsleben nicht innerlich erleben, wenn sich der Nebel unserer Begierde darüber ausbreitet.
Nun kann aber der Fall eintreten, daß dieses Begierdeleben während des Schlafes so stark wird, daß der Mensch nicht nur außerhalb seines physischen und ätherischen Leibes diese Begierde entwickelt, sondern daß er bis zu einem gewissen Grade so gierig wird, daß er dieses Innere seines physischen und ätherischen Leibes zum Teil ergreift, so daß er mit seiner Begierde an die äußersten Enden seiner Blut- und Nervenbahnen herankommt, daß er gewissermaßen von außen sich durch die Sinne hindurch einsenkt in die letzten Enden des Blutkreislaufes und in die letzten Enden der Nervenbahnen.
In den alten Zeiten, als gewissermaßen die Götter den Menschen noch halfen bei solchen Erlebnissen, war das etwas durchaus Reguläres, etwas Gutes. Die Menschen, die so Großes geleistet haben für ihr Volk, die alten hebräischen Propheten, haben geleistet, was sie geleistet haben, hatten ihre prophetische Gabe dadurch, daß sie jene ungeheure Liebe gerade zu dem Blut und zu dem Nervenaufbau ihres Volkes verwendeten, so daß sie selbst im Schlafzustande nicht ganz weg sein wollten von dem, was physisch in diesem Volke lebte. Sie waren von solcher Sehnsucht ergriffen, von solcher Liebe erfüllt, diese Propheten des jüdischen Altertums, daß sie verbunden sein wollten auch im Schlafe mit dem Blute ihres Volkes, dem sie angehörten. Daraus kamen ihnen gerade ihre prophetischen Gaben.
Das ist der physiologische Ursprung dieser prophetischen Gaben, und schöne, herrliche Produkte gingen hervor aus dem eben Dargestellten. Die Propheten der einzelnen Völker sind gerade dadurch für ihre einzelnen Völker so bedeutend, daß sie selbst noch außerhalb des physischen Leibes mit diesem physischen Leibe in der eben geschilderten Weise lebten.
Wie gesagt, bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war noch ein gewisses Bewußtsein von diesem Zusammenhang im Menschheitsleben vorhanden. Wie man das vorher genannte und charakterisierte Hellsehen das pythische Hellsehen nannte, so nannte man das Hellsehen, von dem ich jetzt gesprochen habe, bei dem man mit dem, was sonst während des Schlafes außerhalb des physischen und Ätherleibes lebte, noch hineintauchte in das Blut und die Nervenbahnen des physischen Leibes, das prophetische Hellsehen.
Wenn man die Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfolgt, wenn es auch nicht mit der Genauigkeit und Präzision der neuen Geisteswissenschaft so beschrieben werden konnte wie heute, so werden Sie doch das pythische und das prophetische Hellsehen beschrieben finden. Man kennt heute diesen Unterschied nicht mehr, weil man nicht mehr das verstehen kann, was man von dem pythischen und prophetischen Hellsehen in den Büchern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liest. Beide Arten des Hellsehens aber sind heute nicht dasjenige, was wirklich die Menschheit vorwärtsbringen kann. Diese beiden Arten des Hellsehens sind diejenigen, welche alten Zeiten gegolten haben. Das heutige Hellsehen, das sich gegen die Zukunft hin immer mehr und mehr entwickeln muß, kann weder dadurch entstehen, daß wir das, was im Tagwachen unseren Leib von innen heraus durchdringt, genießen, noch auch dadurch, daß wir von außen in schlafähnlichem Zustande, aus Liebe — nicht zu uns selber, sondern zu demjenigen Menschenteile, dem unser Leib angehört untertauchen in diesen Leib. Beide sind überwundene Standpunkte.
Das heutige Hellsehen muß sich so entwickeln, daß es als ein drittes auftritt, als ein solches, welches so wird, daß es weder von außen ein in liebender Gier Ergreifen des physischen Leibes ist, noch von innen ein Genießen des physischen Leibes. Das, was im Inneren lebt und innerlich unseren Leib genießend durchdringen kann, und das, was äußerlich, von außen herein den Leib ergreifen kann, muß beides aus dem Leibe herausgehen, das muß beides, wenn das heutige Hellsehen eintreten soll, nur so weit noch innerhalb der Inkarnation zwischen Geburt und Tod mit dem Leibe in Zusammenhang stehen, daß es Blut und Nerven weder von innen noch von außen genießt oder liebt, sondern es muß in reiner Abkehr von solchem Selbstgenuß oder solcher Selbstliebe verbunden bleiben mit dem Leibe. Die Verbindung mit dem Leibe muß allerdings trotzdem bleiben, denn sonst würde es ein Sterben bedeuten. Es muß der Mensch verbunden bleiben mit dem Leibe, der ihm angehört in der physischen Inkarnation auf der Erde, verbunden bleiben mit diesem Leibe durch die Glieder, welche gewissermaßen fernstehen oder wenigstens relativ fernstehen der Blut- und Nerventätigkeit. Die Loslösung von Blutund Nerventätigkeit muß sich vollziehen.
Wenn der Mensch nicht mehr innerlich sich genießt auf den Bahnen, die zu seinen Sinnen hinführen, oder von außen sich durchdringt bis in seine Sinne herein, sondern wenn der Mensch gleichsam so mit sich selbst in Verbindung zu stehen vermag, von innen und von außen, daß er wirklich das lebendig in sich ergreifen kann, was das Symbolum des Todes für das physische Leben ist, wenn er sich verbinden kann mit dem, was die Anwartschaft auf den physischen Tod gibt, dann ist der in Betracht kommende Zustand erreicht. Denn wir sterben eigentlich physiologisch dadurch, daß wir imstande sind, das Knochensystem in uns zu entwickeln. Wenn wir imstande sind, das, was aus wunderbarer Ahnung heraus das Volk empfindet als Symbolum des Todes, das Knochengerüst, das, was so fern ist dem Blutund Nervensystem wie das Knochensystem, zu ergreifen, dann kommen wir zu dem, was ein Höheres ist gegenüber dem pythischen und prophetischen Hellsehen, dann kommen wir zu dem, was wir nennen können das geisteswissenschaftliche Hellsehen.
In diesem geisteswissenschaftlichen Hellsehen erfassen wir nicht mehr einen Teil der menschlichen Natur, sondern wir erfassen den ganzen Menschen. Und es ist im Grunde genommen einerlei, ob wir ihn von innen oder von außen erfassen, denn ein Genießen kann diese Art des Hellsehens nicht mehr sein. Es ist nicht mehr ein raffinierter Genuß, sondern ein Aufgehen in den göttlich-geistigen Kräften des Alls. Es ist ein mit der Welt Einswerden, ein Erleben nicht mehr des Menschen und desjenigen, was in den Menschen hineingeheimnißt ist, sondern es ist ein Miterleben mit den Taten der Wesenheiten der höheren Hierarchien, ein wirkliches Sich-Herausheben aus dem Selbstgenuß und der Selbstliebe. Und so wie unsere Gedanken Glieder unserer Seele werden, so muß der Mensch gleichsam ein Gedanke, ein Glied werden gegenüber den höheren Hierarchien. Sich denken, sich vorstellen, sich wahrnehmen lassen von den höheren Hierarchien, das ist das Prinzip des geisteswissenschaftlichen Hellsehens. Hingenommen werden, nicht sich hinnehmen.
Das, was ich also sage, von dem möchte ich wünschen, daß es recht sehr Gegenstand Ihrer weiteren Meditationen werde, denn gerade das, was ich heute auseinandergesetzt habe, das kann vieles, vieles in Ihnen allen anregen, und das kann zu einem immer weiter- und weitergehenderen Durchdringen der eigentlichen Impulse unserer geisteswissenschaftlichen Strömung dienen. Und wie viel Ernst sein muß in diesem Durchdringen unserer geisteswissenschaftlichen Strömung, davon ist ja gerade in diesen Tagen öfter die Rede gewesen. Dasjenige, was innerhalb dieser geisteswissenschaftlichen Strömung, ich sage nicht gewollt wurde, sondern gewollt werden müßte, von dem würde wiederum etwas verwirklicht werden können, wenn möglichst viele sich entschließen würden, über diese dreifache Gestalt des Wissens von höheren Welten lebensmäßig nachzudenken, damit klarere und immer klarere Begriffe über das entstehen, was wir ja doch im Grunde genommen alle wollen, und was so leicht verwechselt wird mit dem, was bequemer, viel bequemer zu haben ist.
Wirklich, nicht umsonst wird gearbeitet von Zyklus zu Zyklus, um immer mehr und mehr Ideen und Begriffe zusammenzutragen. Diese Ideen und Begriffe zu studieren ist nicht unnötig, sondern es ist der Weg, um gerade in sich jene Seelenimpulse vorzubereiten, die zum wirklichen geisteswissenschaftlichen Hellsehen führen. Man kann manchmal dadurch, daß man etwas nippt da oder dort an dem, was innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Strömung gegeben wird, dem oder jenem in der menschlichen Natur einen Riß geben, und dann entsteht etwas vom pythischen und prophetischen Hellsehen, und man kann schon stolz und hochmütig in diesem pythischen oder prophetischen Hellsehen werden. Wenn das der Fall ist, dann kommen solche Urteile zustande, die man oftmals hören muß, wo der eine oder andere sagt: Ich brauche nicht alles in den Einzelheiten zu studieren, ich brauche nicht das, was in den Zyklen gesagt wird. Was ich höre von den Dingen, weiß ich schon ganz genau, ich habe das schon gewußt und so weiter. — Das Prinzip, zu leben in ein paar Imaginationen, die man Blut- und Nervenimaginationen nennen könnte, durchdringt noch viele. Viele dünken sich etwas ganz Besonderes zu haben, wenn sie so ein paar Blut- und Nervenimaginationen haben. Aber das ist nicht das, was uns zum selbstlosen Mitarbeiten an der Menschheitsevolution führen kann, sondern ein solches Verweilen in den Blut- und Nervenimaginationen führt eigentlich zu einer Erhöhung des Selbstgenusses, führt zu einem raffinierteren Egoismus. Und dann kann es allerdings vorkommen, daß gerade durch die Pflege der Geisteswissenschaft ein raffinierterer Egoismus herangezüchtet wird, als er je in der äußeren Welt vorhanden ist.
Selbstverständlich redet man niemals von den Anwesenden in diesen Dingen, niemals von der Anthroposophischen Gesellschaft, die ja anwesend ist. Aber erwähnt darf doch werden, daß es Gesellschaften gibt, in denen sich diese oder jene Leute befinden, welche es nach den Prinzipien dieser Gesellschaften dazu bringen, zwar nicht wirklich selbstlos mitzuarbeiten, sondern einiges aufzunehmen, am liebsten so etwas aufzunehmen, was gerade da oder dort anfacht die Blut- oder Nervenimaginationen, und dann glauben, sich selbst ersparen zu können das andere. Dann kommen sie zu einem solchen atavistischen Hellsehen, oder vielleicht kommen sie nicht einmal dazu, sondern nur zu den Gefühlen, die als Begleiterscheinung eines solchen imaginativen Hellsehens zu betrachten sind. Und diese Gefühle sind nicht eine Überwindung des Egoismus, sondern nur eine höhere Blüte des Egoismus. Bei solchen Gesellschaften findet man dann - die Anthroposophische Gesellschaft ist aus Höflichkeit ausgenommen -, obgleich sie die Pflicht hätten, Liebe und Eintracht und Harmonie bis in die tiefsten Seelengründe hinein von Mitglied zu Mitglied zu entfalten, man findet immer mehr wachsen Disharmonie, Zanksucht, gegenseitiges Sich-Beklatschen und so weiter. Ich darf diesen Ausdruck gebrauchen, da ich ja, wie gesagt, die Angehörigen der Anthroposophischen Gesellschaft immer ausnehme.
Wir können dann sehen, daß gerade da, wo starkes Licht aufgehen sollte, auch starke Schatten vorausgeworfen werden. Nicht als ob ich diese Dinge so tadeln wollte, daß ich meinte, diese Dinge könnten gleich ausgerottet werden von heute auf morgen. Das können sie nicht, weil sie auf naturgemäße Weise entstehen. Aber arbeiten kann wenigstens jeder an sich, und es ist nicht gut, wenn das Bewußtsein nicht wenigstens auf jene Dinge hingelenkt wird.
Verstehen kann man es durchaus, daß gerade deshalb, weil eine gewisse Strömung herausgearbeitet werden muß, innerhalb solcher Gesellschaften auch die Schattenseiten sich geltend machen, und daß oftmals das, was draußen im Leben wuchert, in solchen Gesellschaften im stärksten Maße wuchern kann. Aber gewissermaßen ein bitteres Gefühl ruft es doch immer wieder hervor, wenn dies in Gesellschaften auftritt, die naturgemäß - sonst hätte es keinen Sinn, eine Gesellschaft zu haben - eine gewisse Brüderlichkeit, ein gewisses Zusammenhalten entwickeln sollten, daß aber gerade deshalb, weil die Menschen näher zusammenkommen, mit dem Näher-Zusammenkommen gewisse Eigenschaften, die draußen nur flüchtig existieren, um so intensiver sich entwickeln. Da die Anthroposophische Gesellschaft als anwesende ausgenommen ist, so wird es uns um so mehr möglich sein, ganz objektiv, gleichsam als Unbeteiligte, über diese Dinge nachzudenken, nachzusinnen, damit wir sie intensiver kennenlernen, und wenn wir diese Dinge irgendwo in der Welt finden sollten, sie nicht als etwas anderes betrachten denn als das, was sie sind und uns nicht dem Glauben hingeben, wenn jemand ganz besonders tief die Anthroposophie zu verstehen meinte und dabei doch bei ihm gewisse Eigenschaften, die draußen in der Welt auftreten, nicht nur so sich zeigen, wie sie in der Welt draußen sind, sondern viel intensiver, damit wir dann nicht glauben, diese Dinge seien unbegreiflich, sondern wissen, daß sie begreiflich sind, daß sie aber solche Dinge sind, die wir bekämpfen müssen. Wir können sie manchmal erst bekämpfen, wenn wir sie wirklich begriffen haben.
Auch dies ist etwas von dem, was uns zeigt, wie das Leben zusammenhängt mit dem, was geisteswissenschaftliche Weltanschauung ist, wie die geisteswissenschaftliche Weltanschauung wirklich ihr Ziel nur erreichen kann, wenn sie als Lebensauffassung, ja als Lebenskunst aufgefaßt wird, wenn sie hineingetragen wird in alles Leben. Wie schön wäre es, wenn alle einzelnen Lebensbeziehungen, sagen wir jetzt, der Anthroposophischen Gesellschaft sich herausstellen würden als so im Einklang miteinander stehend, wie es versucht wird mit den Formen unseres Baues, wo die einzelnen Formen ineinander übergehen und alle im Einklang miteinander stehen, wenn es im Leben so sein könnte, wie es im Bau ist, und wenn das ganze Leben in unserer Gesellschaft so werden könnte, wie wir es haben wollten durch ein schönes Zusammenwirken derjenigen, die am Bau beteiligt sind, so daß dieses Arbeiten am Bau schon ein Harmonisches, ein Edles ist, ein Abdruck desjenigen ist, was in dem Bau selbst zum Ausdruck kommt.
So sollte der innere Sinn des Lebensprinzipes unseres Baues und der innere Sinn des Zusammenwirkens der Seelen - na, das will ich lieber nicht sagen -, so sollte der innere Sinn des Zusammenwirkens der Formen an unserem Bau den Weg hinaus machen in all die einzelnen Lebensbeziehungen unserer Gesellschaft, sollte gleichsam selber, in seiner inneren Gestaltung, wie ein Ideal vor uns dastehen. Ich möchte Sie nur versichern, daß ich mich nicht versprochen habe, als ich vorhin einen Satz ausließ; ich habe ihn schon ganz bewußt ausgelassen und manchmal ist auch das gesagt, was man nicht sagt.
Zusammenfassend aber dasjenige, was ich, ich möchte sagen, ein Thema in der verschiedensten Weise variierend, in diesen Tagen ausgeführt habe, was ich Ihnen ganz besonders ans Herz legen möchte, ist, nicht nur die Gedanken und Ideen der Geisteswissenschaft, die Ergebnisse der Geistesforschung vor Ihren Verstand, vor Ihre Vernunft hinzustellen, sondern aufzunehmen dasjenige, was in der Geisteswissenschaft lebt, in Ihre Herzen. Denn davon hängt wirklich das Heil des künftigen Menschheitsfortschrittes ab. Das kann ohne Überhebung gesagt werden, und derjenige kann das einsehen, der versucht, ein wenig die Impulse unserer Evolution und die Zeichen unserer Zeit zu studieren. Damit sei abgeschlossen die Serie von Vorträgen, die ich mir erlaubte, um diese Jahreswende vor Ihnen zu halten.